Haldensleben/Oebisfelde l Das Land Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr versucht, mehr als 1000 neue Lehrer einzustellen. Damit sollte dem massiven Lehrermangel im Land begegnet werden, zudem sollte drohender Unterrichtsausfall in Größenordnungen gestoppt werden. „Leider gelang dies nur mit mäßigem Erfolg“, sagt Volker Thiele, Vorsitzender des Kreisverbandes Börde der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Viele Pädagogen würden derzeit gehen, befänden sich in Elternzeit, ältere Kollegen würden in den Ruhestand wechseln – und das bei stetig steigenden Schülerzahlen. Laut Volker Thiele gibt es im Landkreis Börde erste Grundschulen, die Seiteneinsteiger einstellen müssen, weil sie mit dem noch bestehenden Lehrer-Stamm nicht über die Runden kommen.

„Die Grundschulen werden noch ein großes Problem in Sachsen-Anhalt“, sagt Thiele. Er sieht den Grund dafür noch an einer anderen Stelle, nämlich bei den unterschiedlichen Besoldungsgruppen für Grundschullehrer in den einzelnen Bundesländern. Länder wie Sachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein hätten ihre Tarife bereits angehoben und würden ihren Lehrern mehr zahlen. Dort sind die Beamten im Tarif A 13, die Angestellten im Tarif E 13 angesiedelt. In Sachsen-Anhalt werden sie nach der Gehaltsgruppe E 11/A 11 bezahlt – zwischen den Besoldungsgruppen der einzelnen Bundesländer liegen bis zu 500 Euro brutto.

Viele junge Lehrer würden sich daher von vornherein entscheiden, in Nachbarbundesländern zu arbeiten. Zwischen den Ländern gebe es einen regelrechten Konkurrenzkampf bei der Einstellung neuer Lehrkräfte. „Wie sollen wir Pädagogen in der Region gewinnen, wenn sie als Grundschullehrer im Nachbarbundesland viel mehr verdienen?“, moniert Volker Thiele.

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Die Anforderungen für Grundschullehrer, so erläutert Thiele, werden immer höher, die Probleme wie beispielsweise das der Inklusion, immer komplexer. Pädagogen an den Grundschulen seien immer größeren Belastungen ausgesetzt, ihr Gehalt steige aber in Zusammenhang damit nicht. Noch immer, so Thiele, gelte der Grundsatz „kleine Kinder, kleines Gehalt“.

Die „Tarifmauer“ zwischen den Bundesländern möchte die GEW bei der Kundgebung am 31. Januar vor dem Landtag in Magdeburg einreißen – wortwörtlich. „Wir planen eine Aktion mit roten Kartons, aus denen wir eine Mauer bauen“, erzählt der GEW-Kreisvorsitzende Volker Thiele. Weil die Kundgebung am Nachmittag stattfindet, wird dadurch nirgendwo der Schulbetrieb beeinträchtigt.

Die GEW-Kreisverbände fordern die Anhebung der Tarife für Grundschullehrer in Sachsen-Anhalt auf E 13/A 13. Deshalb veranstaltet die GEW die Kundgebung auf dem Magdeburger Domplatz, zu der auch rund 150 Lehrer von 20 Grundschulen aus dem ganzen Landkreis Börde reisen – also knapp die Hälfte der Einrichtungen im Landkreis.

Pädagogen

Darunter werden auch Pädagogen aus beiden Oebisfelder Grundschulen sein. Wie aus der Grundschule Drömlingsfüchse und der Grundschule an der Aller zu erfahren war, werden die Lehrerkollegien soweit möglich die GEW-Forderungen aktiv bei der Kundgebung in Magdeburg unterstützen. Hingegen ist die Kundgebung kein „heiß diskutiertes Thema“ bei den Kollegen der Sekundar- und Gemeinschaftsschule, wie es von Schulleiterin Kerstin Grimm-Neubauer hieß. Selbstverständlich ist es jedem aus dem Kollegium freigestellt, die GEW-Kundgebung persönlich zu unterstützen, betonte Grimm-Neubauer.

„Auch wir sind geschlossen mit dem ganzen Kollegium dabei“, sagt Michael Blaschke, Leiter der Haldensleber Grundschule „Gebrüder Alstein“. Zwar habe seine Schule bisher Glück gehabt und sei vom Lehrermangel noch nicht betroffen, erläutert Blaschke. Die unterschiedliche Besoldung sei ihm zufolge aber kein hinnehmbarer Zustand.

„Meine Kollegen haben diese Bezahlung genauso verdient, wie Grundschullehrer in anderen Bundesländern“, redet Michael Blaschke Klartext. Und: „Wer nichts sagt, kann auch nichts kriegen. Deshalb sind auch wir bei der Kundgebung dabei“, erklärt er.

Ähnlich sieht es auch Ute Lehrmann, Leiterin der Erich-Kästner-Grundschule in Haldensleben. Lehrerinnen und Schulleitung der Einrichtung nehmen ebenfalls geschlossen an der Kundgebung der GEW teil. „Bei uns ist der Personalmangel leider schon angekommen“, berichtet Lehrmann. Die Kollegen seien an ihren Belastungsgrenzen.

Dabei könnte die Kästner-Schule Abhilfe aus den eigenen Reihen erhalten: Es ist eine pädagogische Mitarbeiterin beschäftigt, die sich als Seiteneinsteigerin mehrfach um eine Lehrerstelle beworben hat. Weil aber, so Lehrmann, eine Qualifikation von zwei Fächern nötig wäre, die Mitarbeiterin aber nur Qualifikationen in einem Fach habe, sei sie mehrfach abgelehnt worden. „Das ist beschämend. Da gibt es eine Fachkraft, die wirklich will und pädagogische und didaktische Kenntnisse hat. Und sie wird nicht genommen, dafür aber mitunter Quereinsteiger, die teils studierte Physiker oder Chemiker sind, aber von Didaktik keine Ahnung haben“, argumentiert Lehrmann.