Breitenrode l Der Gedanke, die Heimatstube in einen eingetragenen Verein zu überführen, kam Günter Bruhn nicht über Nacht. Und auch Ehefrau Uta fand den Gedanken wohlüberlegt, die ganze Last der privaten Verantwortung doch endlich auf breitere Schultern zu betten.

„Wir werden nicht jünger. Es ist für uns schon eine erhebliche Anstrengung, die Heimatstube so zu betreiben, wie es die Besucher mittlerweile gewohnt sind. Und die Heimatstube muss attraktiv bleiben, wozu ebenfalls ein erhebliches Maß an Muße, Zeit und immer ein Blick für das Besondere gehört“, weiß Bruhn, wovon er spricht.

Konzept für Satzung und Nutzung liegt vor

Was ebenfalls für eine Heimatstube unter dem Dach eines Vereins spricht, sind Haftungsgründe, Versicherungspflichten und Veranstaltungen, die sowieso alljährlich bereits von einer ganzen Hilfsmannschaft auf die Beine gestellt werden. Um diesen Aufwand von privaten Schultern auf die Möglichkeiten eines eingetragenen Vereins zu verteilen, hat Bruhn bereits ein Konzept samt Satzung und Nutzungsvereinbarung grundsätzlich vorbereitet. Über Personalia will er noch nicht reden. Wichtig ist, dass der Vorstand weiterhin für das Ansehen von Breitenrode aktiv sein muss. Ob der Name Günter Bruhn dabei eine Rolle spielen wird, auch das ließ der Urvater der Heimatstube offen.

Nur wenige wissen nämlich, dass die Heimatstube unter dem Dach von Uta Bruhn eingerichtet wurde. Den elterlichen Bauernhof sowie das weitläufige Anwesen erwarben die Bruhns nach der Wende wieder. Über vier Jahre schufteten sie, auch mit vieler Hände Unterstützung, bis der einstige Hof in der Gebäudesubstanz wieder so gut wie dem Urzustand entsprach. Uta und Günter Bruhn können sich noch an viele Abende erinnern, als ihnen nach getaner Arbeit und trotzdem immer noch vor einem großen Berg von Unrat, Schutt und Abrissresten die Augen vor Erschöpfung bereits beim Abendbrot zufielen.

Stets auf starke Helfer verlassen

Als alles soweit „wieder schick war“, wollten die Bruhns nun auch am Dorfleben aktiv teilnehmen. Das Ehepaar schloss sich unter anderem dem Oebisfelder Heimatverein an. Und Günter Bruhn kam dabei auf den Geschmack, die Geschichte von Breitenrode wieder lebendig werden zu lassen.

Am 12. November 2004 saß der Vorsitzende des Oebisfelder Heimatvereins, Ulrich Pettke, im Feuerwehrhaus in Breitenrode mit interessierten Einwohnern im Rahmen einer Einwohnerversammlung zusammen, um möglicherweise so etwas wie einen musealen Ort in Breitenrode aus der Taufe zu heben. Darunter waren auch Günter Bruhn und Karsten Hoth, der seit jenen Tagen zum Wegbegleiter von Bruhn wurde.

Der erklärte sich in dieser Gesprächsrunde bereit, mit Unterstützung aus dem Dorf die Heimatstube als Außenstelle des Oebisfelder Heimatvereins zu initiieren. „Ich habe damals wohl so etwas wie Blut an der Sache geleckt“, meinte Bruhn am Dienstag bei einem Gespräch an seinem Lieblingsplatz im Grünen unter einer Eiche im Garten.

Er startete noch 2004 einen Aufruf, „ging Klinken putzen“ im Dorf, warb um historische und kuriose Gegenstände aus Breitenroder Haushalten. Am 1. Mai 2005 erfolgte die erste eigene Ausstellung, noch im Oebisfelder Burg- und Heimatmuseum. Drei Jahre später war es aber soweit: Die Türen der Heimatstube in Breitenrode wurden am 3. Mai 2008 für die erste Ausstellung geöffnet – und die Besucher drängten sich dicht an dicht. Zu den engagierten Mitstreitern in den Anfangstagen zählten unter anderem Karsten Hoth, Gundula Rath, Friedel Dreyer und Erhard Gürth. Bis heute hat dieser Unterstützerstamm deutlich zugelegt, womit Bruhn die Vereinsgründung als zeitgemäß und breitgeschultert empfindet.

Mittlerweile ist die Saisoneröffnung am 1. Mai eines der großen Ereignisse im Dorf. Ein Dorffest, auch dank der Breitenroder Blaskapelle und vieler helfender Hände. Eine weitere feste Größe ist das Kaffeetrinken der Breitenroder mit den Grafhorster Senioren, das immer wieder in der Heimatstube eine frohe Zeit mit vielen Erinnerungen aus vergangenen Tagen garantiert.