Oebisfelde l Initiatoren sind die Verwaltung des Biosphärenreservats Drömling und die Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt. In dem Kuseyer Landwirt Andreas Zerneke wurde der Partner für eine wissenschaftliche Potenzialanalyse gefunden.

Noch ist vieles von dem, was am Montag den Landwirten und Landwirtinnen im Rittersaal auf Einladung der Verwaltung des Biosphärenreservats Drömling vorgestellt wurde, reine Zukunftsmusik. Allerdings existiert bereits eine Studie von Masterstudenten der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg mit einem Praxisanteil, der auf dem Landwirtschaftsbetrieb Könnig und Zerneke GmbH in Kusey für erfolgversprechende Ergebnisse sorgte. Darüber informiert Robert Faßhauer von der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, einer direkten Tochter des Landesministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie. Die Gesellschaft hatte die wissenschaftliche Studie als Kooperationspartner der Reservatsverwaltung in Oebisfelde in Auftrag gegeben.

Als typisches Wiedererkennungsmerkmal für regionale Fleischqualität aus dem Drömling sieht Faßhauer auf Basis der Studienergebnisse die Wertschöpfung durch Rindfleischerzeugnisse. „Problem wie Chance dabei ist, dass diese gesamte Regionalmarktentwicklung für das Label „Drömlingsrind“ komplett am Anfang steht“, so seine Ausführung.

Die Chance für die Landwirtschaft sieht Faßhauer gerade in dem aktuellen Status Quo, der durch den Naturschutz und die Interessen der Landwirte im Drömling existiert: ein branchenexistentes Alleinstellungsmerkmal für hochwertiges Rindfleisch.

Alle für eine regionale Wertschöpfungskette notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen können durch die Landwirte in Altmark und Börde erfüllt werden: Mutterkuhhaltung, Aufzucht von Jungtieren bis zur Schlachtreife, selbst in Sachen Vermarktung existieren feste Kontakte.

Bewusst wurde beim Aufbau des Labels „Drömlingsrind“ kein Gewicht auf ökologische Fleischqualität gelegt, hieß es von Juliane Ruttkowski, die für die Reservatsverwaltung das Projekt federführend begleitet. Die landwirtschaftliche Tierhaltung in der Region erhält allein schon durch den Naturschutz eine besondere Qualität, so ihre Auffassung.

Der Wirtschaftsexperte und Marktanalytiker präsentierte dann zwei Wertschöpfungsmodelle, die unterschiedliche, jedoch im Ergebnis stets positive Deckungsbeiträge aufzeigten. Insbesondere das Schlachten, Zerlegen und Vermarkten der im Drömling aufgezogenen und gemästeten Rinder als Eigenleistung der Erzeuger des „Drömlingsrinds“ erbringt den größten Ertrag, wies Faßhauer in seinem Referat aus. Allerdings, und das betonte er deutlich, sind diese hohen prozentualen Spitzenwerte – bis zu 125 Prozent – ohne die Anteile von Investitions- und Vermarktungskosten errechnet worden. Noch dazu müssen Absatzstrukturen möglichst auf Dauer gesichert werden.

Was nicht entstehen soll und wird, so der Leiter der Reservatsverwaltung Drömling, Fred Braumann, gegenüber der Volksstimme, wird ein Großschlachtebetrieb sein. Vielmehr liegt das Gewicht auf dezentralem Schlachten in der Drömlingsregion, wofür Interessenten mit auszubauenden Kapazitäten existieren. Sicherlich werde solch ein Aufbau nach seiner Ansicht seine Zeit benötigen, doch es gebe zahlreiche positive Signale. So berichtete Braumann, dass der Volkswagen-Konzern an Fleischprodukten aus dem Drömling interessiert ist, es im Wolfsburger VW-Mutterhaus sogar eigens eine Arbeitsgruppe gegründet wurde.

Für das Entstehen eines Netzwerkes „Drömlingsrind“ sprach sich auch Landwirt Andreas Zerneke aus. Seine Sichtweise: „Der Drömling bietet 14.000 Hektar Grasland, hat mehr zu bieten als nur Mais für Biogas. Die Gesellschaft denkt und handelt schon jetzt ökologischer.“ Der Landwirt sieht den Aufbau bis hin zur marktfähigen Wertschöpfung als Unterfangen über Generationen an. Die Biosphären-Verwaltung wird so lange nicht warten, wie Ruttkowski zu entnehmen war. Die Suche nach Partnern hat bereits begonnen.