Oebisfelde l Zur Vorbereitung auf das Ereignis zählt auch der sogenannte Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden. Der stand am Sonntagnachmittag im Pfarrgarten der Katharinenkirche auf dem Programm und wurde von den neun Konfirmanden und drei Vorkonfirmanden vor zahlreichen Gemeindemitgliedern mitgestaltet.

„Dieser Gottesdienst ist die vorletzte Hürde zu eurer Konfirmation“, erklärte Oebisfeldes Pastor Wolfgang Schwarzer und fügte hinzu: „Es folgt dann noch das Abschlussgespräch, das wir mit euch und euren Eltern führen werden.“

Zusammen mit der Sozialpädagogin Birte Groneberg bereiten Pastor Schwarzer die neun Mädchen und Jungen auf ihren großen Tag vor. „Wir haben aber auch sehr viel Unterstützung von unseren Konfi-Teamern erhalten“, merkte Birte Groneberg an. Die Teamer sind Liona Wolf, Tabea Kröhn und Max Dabelstein. Das Trio war am Sonntag im Pfarrgarten auch mit dabei und verfolgte aufmerksam, wie sich ihre Konfirmanden-Nachfolger behaupteten.

Lockere Atmosphäre und Radio-Interview

Denn sie waren sehr erfolgreich. Auch, weil die Atmosphäre locker war. Beispielsweise, als Birte Groneberg in die Rolle einer Reporterin des „Konfi-Radios“ schlüpfte und ihre Schützlinge interviewte. Ihre Fragen drehten sich insbesondere um das Erlebte. Konkret darum, was den Mädchen und Jungen während ihrer Vorbereitung besonders in Erinnerung geblieben ist.

Besondersgefallen hat ihnen dabei nach den Interview-Antworten der Konfirmanden offenbar das Camp in Arendsee und die Fahrt inklusive Übernachtung zum „Konfi-Castle“ in Mansfeld. Dabei handelte es sich um das Schloss Mansfeld, das sich im gleichnamigen Ort im Süden des Harzes befindet.

In Erinnerung bleiben den Konfirmanden aber auch ganz normale Ereignisse. Zum Beispiel die Verpflegung. Dafür zeichneten oftmals die Eltern der Mädchen und Jungen verantwortlich. „Gottes Bibel geht auch durch den Magen“, sagte Birte Groneberg schmunzelnd.

Zur Vorbereitung gehörten indes auch Pilgertouren. „So haben wir uns einer Gruppe angeschlossen, die die ehemalige innerdeutsche Grenze abgewandert ist. Wir sind einige Kilometer mitgewandert“, berichtete Sozialpädagogin Groneberg.

Eingeprägt hat sich bei den Konfirmanden, das wurde bei den Interview-Antworten ebenfalls deutlich, auch die Pilgertour zur Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen. „Wir sind von Mieste aus gestartet und sind teilweise den Weg gegangen, den damals KZ-Häftlinge im April 1945 bei ihren Todesmärschen gingen“, erläuterte Birte Groneberg. Gesäumt ist der Todesweg von Mahnsteinen. Auf diesen wird Häftlingen gedacht, die während der Märsche von SS-Männern, die die Kolonnen bewachten, erschossen wurden.

Über 1000 Häftlinge wurden schließlich am 13. April, einen Tag vor Eintreffen der Amerikaner in Gardelegen, in die Isenschnibber Scheune getrieben und darin ermordet. Entweder durch Schüsse oder durch Feuer, da die entmenschten deutschen Täter die Feldscheune in Brand gesetzt hatten. Insgesamt starben 1016 Häftlinge aus verschiedenen Nationen. Die Namen der meisten Opfer sind unbekannt.

Massaker gibt es heute noch

„Diese Pilgertour wird wohl allen unseren Konfirmanden im Gedächtnis bleiben. Die damaligen schockierenden Ereignisse von Gräuel und Willkür zeigen, was Menschen den Menschen antun können. Das darf sich niemals wiederholen. Doch leider stehen Massaker weltweit immer noch auf der Tagesordnung“, so Groneberg.

„Den Anstoß“, wie es die Sozialpädagogin formulierte, zur Pilgertour nach Gardelegen gab die Miester Gemeindepä­dagogin Christel Schwerin. „Es ist nicht die erste Tour, die wir mit unseren Konfirmanden zur Isenschnibber Feldscheune unternommen haben. Ich denke, auch künftig wird diese Pilgertour zum Vorbereitungsprogramm gehören“, betonte Birte Groneberg.