Schützenzunft

Zeugnisse der Gildetradition hat ein privater Spender übergeben

Von Jens Pickert
Gilde-Schießsportleiter Hartmut Rother mit der Königsscheibe aus dem Jahr 1905. Gewonnen hatte das Schießen Schlossermeister Gustav Lesse junior. Foto: Jens Pickert

Oebisfelde

Vier Schützenscheiben, knapp 120 Jahre alt, sind seit kurzem in Besitz der Schützengilde Oebisfelde. Hartmut Rother, Schießsportleiter der Gilde, stellte die historischen Unikate am Sonnabend im Schützenheim am Bahnhof der Öffentlichkeit vor.

„Die Scheiben stammen aus dem Fundus eines Oebisfelders, der nicht genannt werden möchte. Er hat sie unserer Kassenwartin Ute Moldenhauer übergeben. Sie hat anschließend mich informiert, so dass die Scheiben seit einigen Tagen nun in unserem Heim lagern“, erklärte Hartmut Rother.

Die ältesten Scheiben sind zwei aus dem Jahr 1904. Um Objekt Nummer eins handelt es sich um die Scheibe, auf der 1904 der damalige Gilde-König ausgeschossen wurde. Den besten Schuss gab Malermeister Richard Flohr ab. Sein Name ist auf dieser Scheibe als Sieger vermerkt und ist auch in der Auflistung der Gilde-Könige von 1851 bis 1939 zu finden.

Nachweise auf König und Kronprinz

„Ausgeschossen wurde zu damaligen Zeiten wohl auch ein Kronprinz beziehungsweise ein Kinder- und Jugendkönig. Denn auf der zweiten Scheibe aus dem Jahr 1904, konkret vom 19. Juni, steht der Name Julius Behme. Da Richard Flohr in diesem Jahr König wurde, vermute ich, dass Julius Behme 1904 Kronprinz oder Kinder- und Jugendkönig wurde. Ich versuche das nachzuverfolgen. Es wird nicht einfach, doch wir haben im Laufe der Jahre sehr viel geschichtliches Material über die Oebisfelder Gilde zusammentragen können“, so Hartmut Rother.

Bei Scheibe Nummer drei ist keine Nachverfolgung nötig. 1905 wurde Schlossermeister Gustav Lesse junior König der Gilde. Sein Name ist auf der Scheibe sowie in der erwähnten gesamten Majestäten-Auflistung vermerkt.

Die letzte Scheibe datiert aus dem Jahr 1906. Dazu Hartmut Rother: „Analog zu Julius Behme aus dem Jahr 1904 visierten am 6. Mai 1906 Eduard Trautmann und andere Schützen offenbar ebenfalls eine Kronprinzen- beziehungsweise Kinder- und Jugendscheibe an. Gewonnen hat Eduard Trautmann. Denn sein Name ist auf der Scheibe verewigt. 20 Jahre später, 1926, erscheint Eduard Trautmann indes erneut in den Annalen der Gilde. Diesmal allerdings als Schützenkönig.“

Eduard Trautmann war 1926 Bäckermeister. Das Geschäft befand sich am jetzigen Standort des Bürohauses Zilligen an der Lindenstraße.

„Der Zustand aller Scheiben ist allerdings nicht gut. Sie bestehen aus Pappe beziehungsweise nur auf Pappe geklebtes Papier. Wir werden aber versuchen, sie wieder halbwegs herzurichten. Auf jeden Fall werden sie einen würdigen Platz in unserem Schützenheim erhalten“, kündigte Hartmut Rother an.

Wann dort wieder geschossen werden darf, ist völlig unklar. „Uns geht es, wie anderen Vereinen sicherlich auch, mittlerweile an die Substanz. Unseren letzten Wettkampf hatten wir am 14. März vergangenen Jahres mit dem Frauentagspokal. Danach wurde unser Heim trotz eines schlüssiges Hygienekonzepts geschlossen. Wann es weitergeht, weiß niemand. Ich hoffe, dass allen Vereinen die Puste nicht ausgeht“, merkte Gilde-Mann Rother an.