Kroppenstedt l Wenn am Donnerstag nächster Woche im Kroppenstedter Rathaus der neue Stadtrat zum ersten Mal zusammenkommt, dann bietet sich natürlich wie nach fast jeder Wahl ein neues Bild. Doch diesmal wird auf diesem Bild etwas besonders Vertrautes fehlen. Besser gesagt, dann wird jemand besonders Vertrautes fehlen. Noch genauer gesagt, es wird Monika Schmidt fehlen.

25 Jahre hat die nunmehr 70-Jährige zur Rechten des Bürgermeisters gesessen, 25 Jahre war sie dessen Stellvertreterin, 25 Jahre hat sie in noch vielen anderen Gremien und Funktionen zumeist sogar an der Tete mitgearbeitet, 25 Jahre hat sie sich also für ihre Heimatstadt engagiert. Bis sie nun zur neuerlichen Kommunalwahl nicht wieder angetreten ist. „Es gab zwar nicht wenige, die mich zur erneuten Kandidatur überreden wollten, aber ich bin bei meiner Entscheidung geblieben“, sagt Monika Schmidt: „Und das vor allem aus familiären Gründen und weil auch einmal Schluss ein muss.“

Schon früher aktiv

Wobei das mit dem 25-jährigen Engagement so gar nicht stimmt. Denn Monika Schmidt war auch schon davor in Kroppenstedt sehr aktiv. Unter anderem gab es da schon zu DDR-Zeiten eine von ihr betreute Heimatstube. Die dann zum Grundstein für das Heimatmuseum wurde, zu dem das historische Gebäude der früheren Schule umgebaut und 1994 eröffnet worden ist.

Und zwar nicht zuletzt auf Initiative von Monika Schmidt, die dabei mit dem damaligen Bürgermeister Harald Blum einen Verbündeten hatte, der dieses Projekt 1992 zur Chefsache erklärt und dann auch gemeinsam mit Monika Schmidt zum Erfolg geführt hat.

Jenes Heimatmuseum ist dann auch der Arbeitsplatz von Monika Schmidt geworden. Unter ihrer Regie wurde das Museum zu einem Kroppenstedter Aushängeschild, in dem die Leiterin nicht nur nach und nach eine ständige Ausstellung über die sehr bemerkenswerte Kroppenstedter Geschichte aufgebaut, sondern den Besuchern auch immer wieder Sonderausstellungen zu den verschiedensten Themen angeboten hat.

Um das Museum gekümmert

Doch als Museumsleiterin hat sich Monika Schmidt nicht nur allein um diese Einrichtung gekümmert, sondern beispielsweise auch um das Rathaus. In dem es unter anderem ein Archiv gibt, das eines der umfangreichsten und historisch wertvollsten der gesamten Region ist. Und um mit all den Ratsprotokollen sowie mit den anderen, mitunter mehr als 600 Jahre alten Unterlagen zur Stadtgeschichte archivarisch richtig umzugehen, hat sich Monika Schmidt seinerzeit in Halberstadt schulen lassen. „Das hat mir sehr geholfen, das historische Erbe der Stadt richtig zu behandeln.“

Mit all diesem historischen Hintergrund und den historischen Überlieferungen, ist dann auch das Kroppenstedter Freikreuzfest, das seit 1991 jährlich am 3. Oktober stattfindet, von Monika Schmidt zu einem jährlichen Höhepunkt im Stadtleben entwickelt worden. Dabei haben sich beispielsweise Landesminister und weitere hochrangige Landespolitiker ebenso als Schirmherren abgewechselt, wie Monika Schmidt im Umfeld dieses Festes auch immer wieder weitere Prominenz nach Kroppenstedt gelockt hat.

Äußerst gern hätte sie auch einmal die dänische Königin Margrethe II. in Kroppenstedt begrüßt. Und zwar vor dem Hintergrund, dass in der dänisch-königlichen Schlosskirche Frederiksborg und in Kroppenstedt noch die beiden einzigen Orgeln stehen, die Orgelbauer Esaias Compenius im 16. Jahrhundert gebaut hat.

Der Einladung nach Kroppenstedt ist Margarete II. zwar nicht gefolgt, „aber sie hat mir damals als Antwort einen sehr netten Brief geschrieben und versprochen, mit Kroppenstedt in Verbindung zu bleiben“, erinnert sich Monika Schmidt sehr gern. Ein Versprechen, das die Königin auch eingehalten und mit Sven-Ingvart Mikkelsen im Jahr 2011 den Kirchenorganisten der dänischen Königsfamilie nach Kroppenstedt beordert hat, um hier einmal auf der Compenius-Orgel der Martini-Kirche zu spielen und zudem die Schirmherrschaft des 2011er Freikreuzfestes zu übernehmen.

Mitglied im Verbandsgemeinderat

Zu diesem Zeitpunkt war Monika Schmidt zwar schon im beruflichen Ruhestand, ist aber unter anderem als stellvertretende Bürgermeisterin, als Vorsitzende des städtischen Sozialausschusses, als Chefin des Kultur- und Heimatvereins oder auch als Vorsitzende des Kroppenstedter Kollatoren-Kollegium der Reithufenstiftung nach wie vor Monika Schmidt in allen Gassen gewesen.

Zu denen gehörte bis jetzt auch der Verbandsgemeinderat der Westlichen Börde. Denn auch in diesem Rat, sowie im Vorgängergremium der Verwaltungsgemeinschaft Gröningen, hat Monika Schmidt viele Jahre mit Sitz und Stimme die Belange von Kroppenstedt vertreten und auch hier lange Zeit den Sozialausschuss geleitet. Womit aber nun genauso Schluss ist, wie mit ihrer Kroppenstedter Ratsarbeit.

Werden sich also alle Beteiligten daran gewöhnen müssen, dass Monika Schmidt künftig in den Sitzungssälen der Stadt Kroppenstedt und der Verbandsgemeinde Westliche Börde nicht mehr zu sehen ist. „Wobei ich mich natürlich für die weitere Entwicklung meiner Stadt und der Verbandsgemeinde interessiere und vielleicht doch hier und da mal als Besucher auftauche“, so Monika Schmidt.