Hornhausen l Im Dorfgemeinschaftshaus in der Badstraße in Hornhausen herrscht gemütliches Treiben. Alte Schulbänke stehen herum, Schulbücher sind drapiert und mehrere Rahmen mit Informationen aus verschiedenen Epochen hängen bereits an den Wänden. Inge Nahrstedt, Brigitte Beuke und Bernd Goltz beraten gerade die weiteren Schritte.

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Dorfgeschichte des örtlichen Kirchturmfördervereins sind nämlich dabei, ihre in den vergangenen Monaten vorbereitete Ausstellung „Hornhäuser Schulen im Wandel der Zeiten“ aufzubauen, um sie mit Beginn des Reitersteinfestes am Sonntag, 9. September, für Besucher zugänglich zu machen. „Wir haben in den vergangenen zehn Jahren viele Themen abgearbeitet, das Thema Schulen war jetzt einfach dran“, erklärt Bernd Goltz.

Arbeitsgemeinschaft als Organisator

Derweil erzählt Inge Nahrstedt, was sie und ihre Mitstreiter während ihrer Vorbereitungen so alles herausgefunden haben. So habe es im Ort früher nämlich mehrere Schulen gegeben, sogar in der Badstraße, die deshalb bis 1873 auch Schulstraße hieß. „Die erste Erwähnung einer Schule geht aber schon auf das Jahr 1641 zurück. Laut dem Chronisten Roloff soll sie in der heutigen Straße der Einheit gestanden haben“, erzählt die Geschichtsinteressierte. Ein neuerbautes Gebäude müsse dann in der heutigen Badstraße gestanden haben und bis Anfang des 19. Jahrhunderts das einzige Schulgebäude in Hornhausen gewesen sein.

Bilder

Im Jahre 1808 sei eine zweite Schule auf dem Gelände des Schulgartens errichtet worden. Doch diese beiden Gebäude waren bald überfüllt, so dass die Gemeinde um 1841 ein neues Haus auf dem Mühlenplatz errichten ließ. Schon 1892 sei ein weiteres Schulgebäude in der Wulferstedter Straße gebaut worden. „In den ersten Jahren wurden hier fast ausschließlich Mädchen unterrichtet“, berichtet Nahrstedt. Daraus entstand in den 1950er Jahren die Unterstufe der Polytechnischen Oberschule Hornhausen.

Erste Schule 1640 erwähnt

So können sich die Besucher einen Überblick über die einzelnen Phasen der Schullandschaft des Ortes verschaffen, die bis in die heutige Zeit reichen. Auf einem Tisch fällt sofort das Konterfei der Schauspielerin Annekathrin Bürger auf. „Tatsächlich hat sie während ihrer Kindheit ein paar Jahre in Hornhausen gelebt. Der Kontakt besteht bis heute“, sagt Bernd Goltz nicht ohne Stolz.

Doch nicht als berühmte Persönlichkeit habe sie es in die Ausstellung geschafft, sondern wegen ihrer Erinnerungen an ihre Schulzeit hier. Die habe sie in ihrer Kurzbiografie im Jahr 2010 veröffentlicht. Darin heißt es zum Beispiel: „Die Mädchen haben keine Chance gegen die Schneebälle der Jungen. Sogar Lehrer Roloff begreift bald, dass dies hier eine Art Krieg ist. Roloff mögen sie viel lieber als Knatter Bölke. Roloff zieht die Kinder nicht mit drei Fingern an den Schläfenhaaren aus der Bank, sondern er schmeißt mit dem Schlüsselbund, aber nur, wenn es zu laut wird…“

Unterricht im Gasthaus

Auch Inge Nahrstedt erinnert sich an ihre Schulzeit in Hornhausen. Wegen Bauarbeiten waren einige Klassen ausquartiert und im Jugendheim am Sportplatz oder in der Gaststätte „Zum weißen Roß“ unterrichtet worden. Wegen des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche dürfte sie den elterlichen Hof nicht betreten, da sie wegen der Quarantäne nicht zur Schule gedurft hätte. Diese und weitere Erinnerungen finden sich in einem Kalender zur Ausstellung wieder, der während des Reitersteinfestes und darüber hinaus erworben werden kann.

Neben dem bereits Erwähnten erwartet die Interessierten zudem eine Schulordnung von Pfarrer Pröhle aus dem Jahr 1845. Außerdem sind ein alter Buchstabensetzkasten, ein Griffelkasten sowie ein Kartenspiel und viele weitere Objekte aus längst vergangenen Zeiten zu sehen.

Das Reitersteinfest am kommenden Sonntag, 9. September, beginnt um 10 Uhr mit einer Andacht. Um 11 Uhr wird die Sause samt Ausstellung eröffnet.