Oschersleben l Ohne Unterlass fahren Auto durch die Friedensstraße in Oschersleben. Schwere Lkw donnern auf ihrem Weg von Magdeburg in den Harz durch die Straße der Bodestadt. In den mitunter aus der Gründerzeit stammenden Häuser klirren die Fensterscheiben. Für das Dach des nicht bewohnten und daher leer stehenden Hauses mit der 37 ist die Belastung vor einigen Wochen zu viel geworden. Dachziegel lösen sich und stürzen von mehr als zehn Metern Höhe in die Tiefe auf den Gehwege. Fußgänger sind dort zu dieser Zeit nicht unterwegs, so dass es glücklicherweise keine Verletzten zu beklagen gibt.

„Ich erinnere mich noch gut, da ich an diesen Tag Bereitschaft hatte und von dem Vorfall informiert wurde“, sagte Mathias Schulte von der Stadtverwaltung Oschersleben. Üblicherweise arbeitet Schulte im Büro von Bürgermeister Benjamin Kanngießer und ist dort unter anderem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt verantwortlich. Wie jede Führungskraft der Stadtverwaltung auch, ist Schulte in den Bereitschaftsdienst eingebunden und ist außerhalb der Dienstzeiten des Rathauses dafür verantwortlich, zu handeln, wenn etwas passiert. Wie bei den in der Friedensstraße 37 bei starkem Wind vom Dach des Wohnhauses gefallen Dachziegeln. Schulte benachrichtigte Mitarbeiter des städtischen Bauhofes, die die Gefahrenstelle auf dem Gehweg absperrten, damit sie nicht von Passanten betreten werden können. Mehr könne die Stadt im Zuge der Gefahrenabwehr zunächst nicht unternehmen.

Am Zustand nichts geändert

Seitdem hat sich am Zustand nichts geändert. Die Absperrungen versehen heute noch ihren Dienst. Auf dem Gehweg vor dem Haus hat sich durch die Gehwegplatten aus Beton das Unkraut seinen Weg gebahnt. Untätig war die Stadt in dem Fall des baufälligen Wohnhauses dennoch nicht. „Für Baufragen ist der Landkreis Börde aus behördlicher Sicht zuständig“, verdeutlichte Schulte. Unverzüglich sei das Sachgebiet Bauverwaltung von der Sachlage in der Friedensstraße informiert worden. Dieses Sachgebiet ist dafür zuständig, wenn im Landkreis an Häusern Schäden auftreten, die die Allgemeinheit bedrohen und daher beseitigt werden müssen.

„Es ist richtig, dass der Landkreis seiner Funktion als untere Bauaufsichtsbehörde mit dem Objekt befasst ist. Wir haben den Eigentümer ermittelt, ihm gegenüber die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen angeordnet und werden diese gegebenenfalls auch im Wege der Ersatzvornahme durchsetzen“, gab Heiko Markworth, Sachgebietsleiter Bauverwaltung im Bauordnungsamt des Landkreises Börde, auf Volksstimme-Nachfrage Auskunft. Da es sich dabei um ein laufendes Verfahren handele, könne er dazu weiter keine Angaben machen.

Nach den Worten von Markworth ist die Bauverwaltung des Landkreises Börde im Jahr mit 20 bis 40 Ersatzvornahmen beziehungsweise bei der unmittelbaren Ausführung zur Gefahrenabwehr beschäftigt, bei denen der Kreis finanziell in Vorleistung gehen müsse. „Wenn Eigentümer bekannt sind, werden im Anschluss auch die entsprechenden Leistungsbescheide erlassen. Dabei ist die Chance, dass wir das Geld wiederbekommen, sehr unterschiedlich“, sagte Markworth.

Landkreis ist zuständig

Wie Oscherslebens Stadtsprecher Mathias Schulte weiter betonte, sei für Baufragen der Landkreis Börde verantwortlich. Diese Behörde sei damit befasst, die Bestimmungen des Baugesetzbuches umzusetzen. Daher sollte ein Bürger, der in Oschersleben Baumängel an einem Haus, wie etwa heruntergefallene Dachziegel entdeckt, auch den Landkreis Börde verständigen. „Die Bauverwaltung hat Ingenieure, die sich vor Ort den Schaden anschauen und festlegen, was zu unternehmen ist“, verdeutlichte Schulte. Gleichwohl sei ihm bewusst, dass Bürger beim Entdecken von Schäden, von denen eine Gefahr für Menschen ausgehe, oftmals auch die Stadt, die Polizei oder die Leitstelle informieren würden. Auch diese Ansprechpartner seien richtig und würden Maßnahmen zur Gefahrenbeseitigung einleiten. Letztendlich würde wiederum die Bauverwaltung des Kreises über den Fall informiert werden und weitere Schritte einleiten.

Der Stadt Oschersleben sei durchaus bewusst, dass es auf dem Gebiet der Kommune etliche Häuser gebe, die baufällig seien, sagte Schulte. Deshalb sei die Stadtverwaltung dabei, die betroffenen Gebäude in einem sogenannte Monitoring zu erfassen. Das Vorhaben liege zurzeit jedoch auf Eis, weil sich der dafür zuständige Mitarbeiter in Elternzeit befinde und die Stadt personell nicht die Kapazität besitze, diese Aufgabe zu erledigen. Im Januar kommenden Jahres gehe es beim Erfassen der baufälligen Häuser weiter. Gehe von einem Haus jedoch eine akute Gefahr aus, werde die Stadt Oschersleben dennoch unverzüglich handeln, machte Schulte deutlich.