Harbke l Von „teils unschönen Szenen“ auf der Baustelle hatte Bürgermeister Werner Müller bei der Freigabe vor einem Monat gesprochen, von „Anfeindungen gegenüber den Bauleuten“, die offenbar aus Frust heraus resultiert seien, aus Müllers Sicht jedoch die falschen Personen trafen. „Das habe ich so noch nicht erlebt“, gab Müller zu verstehen, dass er mit der Art und Weise der Unmutsbekundungen nicht einverstanden ist.

„Wir empfinden diese verleumderischen Äußerungen des Bürgermeisters als Frechheit und sind entsetzt darüber“, haben sich nach Lektüre des entsprechenden Volksstimme-Artikels Ulrike Matthies und Markus Damaschke an die Redaktion gewandt. Das unverheiratete Paar ist Anlieger der Gartenstraße, welche in der Baumaßnahme Bestandteil der Kanalerneuerung seitens des Trink- und Abwasserverbands Börde (TAV) war. Matthies und Damaschke fühlen sich von den Worten Müllers brüskiert und schießen nun verbal scharf zurück: „Ja, wir waren es, die sich gegen das Vorhaben des TAV gewehrt haben und haben dafür viel Zuspruch von den anderen Anwohnern erhalten. Dafür müssen wir jetzt einen wahren Spießrutenlauf erleben, denn wenn Herr Müller solche Sachen behauptet, dann meint und denunziert er damit uns; es fällt auf uns zurück. Der Bürgermeister gießt unnötig Öl ins Feuer und verdreht zudem die Tatsachen.“

Anwohner fühlten sich gemobbt

Ulrike Matthies rückt die Auseinandersetzung in ein anderes Licht: „Es hat keine Anfeindungen unsererseits gegeben, ganz im Gegenteil. Wir Anwohner haben die Bauleute versorgt, auch mit nützlichen Hinweisen. In Bezug auf die Baumaßname Schmutzwasserkanal und ihren Sinn haben wir lediglich Fragen gestellt, die im übrigen vom TAV unter fadenscheinigen Argumenten abgewiegelt wurden. Als wir dann einen Anwalt eingeschaltet haben, ging es los. Den Bauleuten wurde Redeverbot erteilt, und wir mussten vieles ertragen, was reine Rücksichtslosigkeit war und schon an Mobbing grenzte.“ Matthies gibt zwei Beispiele für die Gängelei: „Plötzlich wurden – entgegen der Absprache mit der Baufirma – unsere Mülltonnen nicht mehr zum Sammelplatz gebracht. Und quasi vor unserer Haustür wurden Steine ohne Zugabe von Wasser geschnitten, was eine belästigende Staubentwicklung bedeutete.“ Darüber hinaus habe sie auf der Baustelle „mehrere Dinge beobachtet, die mit Bausicherung, Arbeitssicherheit und vernünftiger Arbeitsausführung nicht viel zu tun haben.“

Das alles bringt Ulrike Matthies und Markus Damaschke zu der Feststellung: „Der Bürgermeister hat mit seinen Worten den Spieß umgedreht, alle Anwohner über einen Kamm geschoren und einfach nur nacherzählt, was ihm die Bautrupps berichtet haben. Er hätte sich vielleicht auch mal die andere Seite anhören sollen, ehe solche Sätze fallen. Aber das hat er nie getan. Und so empfinden nicht nur wir das, sondern alle Anwohner der Garten- und Thälmannstraße. Wir denken, da ist eine Entschuldigung des Bürgermeisters fällig. Er sollte das öffentlich geraderücken.“

Müller denkt nicht an Entschuldigung

Das werde nicht passieren, macht Werner Müller seine Position klar. Auf die Reaktion der beiden Anwohner angesprochen, sagte er gegenüber Volksstimme: „Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe. Das hatte ja auch Gründe. Ich habe keine Namen genannt. Wenn sich davon jemand angesprochen fühlt, dann hat wohl auch das seinen Grund.“ Laut Müller habe es die Anfeindungen sehr wohl gegeben: „Ich nenne wieder keine Namen, aber die Bauleute wurden von Anwohnern teilweise so belegt, dass sie die Baustelle verlassen wollten. So was ist uns noch nie vorgekommen.“ Er wüsste also nicht, wofür er sich entschuldigen sollte, so der Bürgermeister und macht im Gegenzug ein Angebot: „Wenn seitens der Anwohner ein Gespräch gewünscht ist, bin ich gern bereit dazu.“

Der mit den Anwohner-Vorwürfen konfrontierte TAV und das bauausführende Unternehmen stellen sich betont hinter Werner Müller. „Was er gesagt hat, trifft zu“, heißt es zur Sache knapp vom TAV. Unisono äußert sich der Baubetrieb: „Wir können bestätigen, dass die Aussagen des Bürgermeisters bezüglich einzelner Anwohner zutreffend sind. Die aufgeführten Mängel (Staubent- wicklung beim Steineschneiden und Transport Mülltonne) wurden nach Bekanntgabe noch am selben Tag abgestellt.“ Es hätten sich zudem „andere Anwohner bei uns gemeldet“, um sich vom Verhalten ihrer Nachbarn zu distanzieren.