Denkmal

Beckendorfer Kirchenorgel ist eine der kostbarsten in Sachsen-Anhalt

Von André Ziegenmeyer
Christine Schmidt und Reinhard Nehring vom Gemeinekirchenrat präsentieren eine originale Prospektpfeife und Teile des ursprünglichen Prospekts. Foto: André Ziegenmeyer

Beckendorf. Die Orgel in der Beckendorfer Kirche St. Georg befindet sich in keinem guten Zustand. Sie wurde bereits in den 90er Jahren eingelagert und ist dringend sanierungsbedürftig. Doch nun gibt es eine Überraschung: Laut dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gehört das Instrument zu den ältesten und kostbarsten Orgeln Sachsen-Anhalts.

„Diese Stellungnahme hat uns umgehauen“, berichtet Reinhard Nehring. Er ist der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Beckendorf. Der hat in den letzten Jahren viel geleistet. 2020 wurde das Gotteshaus umfangreich saniert. Dabei wurden unter anderem im Bereich des Altarraums große Risse im Mauerwerk beseitigt. Die hatten die Standfestigkeit der Kirche in Gefahr gebracht.

Nun hat der Gemeindekirchenrat das nächste Großprojekt im Auge: Die Orgel aus dem Jahr 1672 soll saniert werden. Pläne dafür gibt es schon länger. Aber jetzt soll es ernst werden. Wie Reinhard Nehring berichtet, konnte die Orgel zuletzt in den 80er Jahren zumindest noch teilweise bespielt werden. Bei einer Emporenerweiterung in den 90er Jahren wurde das Instrument dann abgebaut und auf der Nordempore eingelagert.

Hinweise, dass es sich um eine besondere Orgel handelt, gibt es schon lange. Der Orgelforscher Michael Behrens bezeichnete das Instrument bereits 1984 als „die älteste weitgehend geschlossen gehaltene Orgelanlage im Bezirk Magdeburg“. Zu den Besonderheiten gehört laut Reinhard Nehring, dass, neben vielen anderen Bauteilen, auch die Prospektpfeifen noch im Original erhalten sind. Bei vielen anderen Instrumenten wurden diese im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen, weil man das Metall brauchte.

Eben weil die Orgel restauriert werden soll, hat der Gemeindekirchenrat verschiedene Stellungnahmen eingeholt. Eine stammt vom Orgelsachverständigen des Landeskirchenamtes Werner Jankowski. Er führt aus, dass die Orgel im Zuge der Sanierung wieder auf ihren ursprünglichen Zustand aus dem Jahr 1672 zurückgeführt werden solle. Dann werde die Orgel „eines der wenigen Instrumente dieser Zeit in Sachsen-Anhalt sein und nicht nur die Orgellandschaft, sondern auch die Kulturlandschaft mit ihrem Klang bereichern“.

Christoph Zimmermann, Referent Orgeln beim Landeskirchenamt, spricht von einem „überragenden Denkmal, das es unbedingt zu erhalten gilt“.

Besonders deutliche Worte findet Dr. Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. In einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, erklärt er: „Die Beckendorfer Orgel gehört zu den ältesten und kostbarsten Orgeln Sachsen-Anhalts.“ Ihre Bedeutung gehe weit über den Landkreis Börde und das nördliche Harzvorland hinaus. Das Instrument sei ein „sehr bedeutendes Klangdenkmal des frühbarocken Orgelbaus in Mitteldeutschland“ und darüber hinaus „in allen wesentlichen Komponenten der Originalsubstanz (…) in bemerkenswert großem Umfang erhalten geblieben“.

Günstig wird die Sanierung deswegen aber nicht. Laut Reinhard Nehring ist mit Kosten von rund 270.000 Euro zu rechnen. Eine solche Summe kann die Kirchengemeinde nicht allein schultern. Deshalb bemüht sie sich um Fördermittel.

Dass sich das Unterfangen lohnt, ist zumindest nach den Worten von Holger Brülls unzweifelhaft. Er erklärt: Nach seiner Sanierung werde sich das Beckendorfer Instrument mit anderen Orgeln aus dem späten 16. und 17. Jahrhundert „zu einem bedeutenden, weit über den mitteldeutschen Raum hinaus ausstrahlenden historischen Klangensemble verbinden, welches in der internationalen Szene für Alte Musik stark wahrgenommen wird. Die Restaurierung der Orgel kann die Beckendorfer Kirche zu einer attraktiven Konzert- und Kulturstätte von überregionaler Bedeutung machen.“