Oschersleben (az) l Birgit Straubing ist empört. Sie hat vor Kurzem Blumen für ihren verstorbenen Mann auf den Oschersleber Friedhof gebracht. Zwei Tage später waren sie verschwunden. Vermutlich gestohlen. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art. Kurz zuvor hatte sie die gleiche Erfahrung schon einmal gemacht. Birgit Straubing betont: „Es geht nicht um den materiellen Wert der Blumen. Der ist gering. Aber es ist einfach respektlos gegenüber den Verstorbenen.“

Diebstahl macht noch trauriger

Ihr Mann ist in der teilanonymen Anlage für Urnengräber bestattet. An zwei Stelen sind die Namen der Toten zu lesen. Rings umher können Angehörige Blumen in Grabvasen stellen oder pflanzen. Die genauen Beisetzungsstellen der Verstorbenen sind nicht eigens markiert. Im Hinblick auf die mutmaßlichen Diebstähle erklärt Birgit Straubing: „Gerade in dieser schweren Zeit zieht einen so etwas noch mehr runter.“

Kaum Anzeigen eingegangen

Die Volksstimme hat bei der Oschersleber Stadtverwaltung und der Polizei nachgefragt. Wie oft sich solche Fälle ereignen, ist laut Matthias Lütkemüller schwer zu sagen. Er ist der Pressesprecher des Polizeireviers Börde. Sowohl für 2020 als auch für das Jahr 2019 gebe es keine entsprechenden Einträge. „Es ist nicht auszuschließen, dass diese Blumendiebstähle tatsächlich stattfinden, jedoch nicht angezeigt werden. Tatsächlich wäre auch die Aufklärung diesbezüglich sehr schwierig. Dazu müsste jemandem auffallen, dass eine Person mit Blumen vom Friedhof kommt und nicht damit hineingeht, wie es üblicherweise der Fall sein dürfte.“

Überwachung nicht möglich

Der städtische Pressesprecher Mathias Schulte erklärt, dass es mit großem Aufwand verbunden wäre, auf einem Friedhof wirkungsvolle Maßnahmen gegen Diebstahl zu ergreifen. Aller Voraussicht nach wären sie auch unverhältnismäßig. Davon unabhängig weist Mathias Schulte darauf hin, dass es ein anderes Phänomen gibt. Es komme immer wieder vor, „dass Angehörige über das satzungskonforme Maß hinaus Blumenschmuck, Grablichter oder Gestecke ablegen. Diese werden durch die Friedhofsmitarbeiter entfernt. Das hat in der Vergangenheit bereits einige Male für Irritationen gesorgt.“ Das dürfte laut Birgit Straubing für ihren Fall jedoch nicht zutreffen.

Allerdings ist festzuhalten, dass es grundsätzlich immer wieder Diebstähle auf Friedhöfen oder ähnlichen Anlagen gibt. Im November hatten Metalldiebe die Kupfer-Fallrohre von der Oschersleber Trauerhalle gestohlen. In den vergangenen Wochen sind darüber hinaus Bronzeplatten sowohl vom russischen Ehrenfriedhof als auch vom Ehrenmal für Gefallene im Ersten Weltkrieg im Knochenpark verschwunden.