Gröningen l Vier Bürger und die Stadt Gröningen regulieren seit kurzem die Wehranlagen selber. Das hat ein 2018 geschlossener Vertrag zur Folge, den der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Sachsen-Anhalt, die Stadt und Bodeanlieger in der Stadt geschlossen haben. „Der Grund ist ganz simpel“, erklärt Bürgermeister Ernst Brunner (SPD) beim Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme. „Der Landesbetrieb kann einfach nicht mehrmals am Tag die Wehre an der Bode und im Mühlengraben kontrollieren. Das übernehmen jetzt wir.“ Das sei wichtig bei eventuellen Hochwassersituationen, wie sie in diesen Tagen durchaus entstehen können. Derzeit führt die Bode viel Wasser und eine schnelle Regulierung sei hin und wieder schon einmal erforderlich.

Die Gröninger gehen die ganze Sache dabei professionell an. „Es gibt einen richtigen Dienstplan, der peinlich genau von uns eingehalten wird“, erzählt Brunner. „Demnach müssen wir auf jeden Fall zweimal in der Woche kontrollieren.“ Bei steigendem Pegel schauen die Gröninger mehrmals am Tag nach dem Rechten – und das im eigenen Interesse. Im Sieben-Tage-Rhythmus übernehmen der Bürgermeister sowie Peter Lemgau, Karl-Heinz Gronenberg, Karl-Heinz Pieper und Lothar Fitzer die Aufgaben.

Graben fiel 2018 trocken

Ernst Brunner führt den Ablauf nach einem Blick auf die Pegelmarke am Uferrand vor. Er löst die Sicherungsplomben und reguliert das Bodewehr mit einer Handkurbel. „Das ist notwendig, damit uns der Mühlengraben nicht mehr trockenfällt“, erzählt er dazu. „Wir können auch dort direkt an der sogenannten Lichtmühle noch einmal regulieren.“ Der Graben war im vergangenen Jahr ausgetrocknet und es hatte sich dort eine wahre Umweltkatastrophe abgespielt. „Dabei sind geschützte Arten qualvoll verendet“, erinnert sich der Bürgermeister. „Eine weitere Auswirkung haben wir auch noch zu spüren bekommen.“

Bilder

Die Bodeanlieger in Gröningen stellten Risse in ihren Gebäuden fest. Ein solcher ist auch jetzt noch im Kulturhaus deutlich zu sehen. „Der war gute drei Zentimeter breit und ist jetzt wieder etwas zurück gegangen, außerdem wurde das Haus entsprechend gesichert“, berichtet Brunner.

Eine Sanierung sei erforderlich, daher werde derzeit der Untergrund überprüft. „Das muss fachmännisch geschehen“, betont der Bürgermeister. „Man kann sich den Untergrund hier als eine Art Schwamm vorstellen, der das Wasser des Mühlengrabens benötigt.“ Falle dieser trocken, dann seien Auswirkungen auf die Standfestigkeit der benachbarten Gebäude zu befürchten. „Das war auch einer der Gründe, warum der Vertrag mit dem LHW dann recht schnell zustandegekommen ist“, merkt Ernst Brunner an.

Stets die Pegel im Blick

Die Lösung findet er akzeptabel. Wir sind hier eh vor Ort und wissen am besten mit den Situationen umzugehen“, sagt er. „Außerdem unterhalten wir einen engen Kontakt zu der Rappode-Talsperre.“ Die Gröninger werden von dort unterrichtet, sobald Wasser abgelassen wird.

„Beispielsweise ist am Montag ein größeres Volumen abgelassen worden. Wir sprechen da von drei Kubikmetern in der Sekunde“, so Brunner. „Innerhalb von sechs Stunden ist das Wasser dann bei uns.“ Brunner und die Bodeanlieger aus der Stadt hätten entsprechend reagieren können und das Bodewehr weiter geöffnet. „Wir haben das problemlos überstanden“, schätzt der Bürgermeister ein.

Als zusätzliche Sicherheit überwachen die Verantwortlichen auch den Pegelstand aus Wegeleben, der telefonisch abgefragt wird. „Steht die Bode dort bei 1,30 Metern, haben wir die erste Hochwasser-Warnstufe“, erzählt Brunner.