Oschersleben l „Brauchen wir das Bodewehr in seiner Funktionstüchtigkeit? Wäre es stattdessen nicht wichtiger, einen Kompromiss zu finden, um den Denkmalstandort zu würdigen und in anderer Form zu erhalten?“, fragt der Emmeringer Lutz Bittner, der Vorsitzende des Vereins „Kirche und Kunst in Emmeringen“. Damit reagiert er auch auf eine Äußerung des Oscherslebers Karsten Mock, der in der Volksstimme vom 3. November seine Ideen äußerte, wie das Wehr in anderer Form als Wahrzeichen der Stadt erhalten werden könnte. „In jedem Fall sollte am Standort des Wehres ein Infopunkt mit geschichtlicher Beschreibung des Bodewehres eingerichtet werden“, schlägt Lutz Bittner.

„Der Bodeverlauf und seine Veränderungen im Lauf der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte oder das Kanalsystem im Großen Bruch sollten an diesem Infopunkt ebenso eine Erwähnung finden“, meint der Emmeringer.

"Aktionen kommen jetzt zu spät"

Lutz Bittner meint auch, dass es mit dem Bodewehr nicht hätte soweit kommen dürfen. Die Aktionen, die jetzt laufen, um das Bodewehr zu retten, kämen einfach zu spät. „Das Bodewehr ist nur ein Beispiel von vielen. Wir müssen langfristig etwas für den Erhalt der Denkmäler in der Kernstadt und in den Ortsteilen tun und uns nicht erst daran erinnern, wenn es zu spät ist. Deshalb wünsche ich mir ein städtisches Konzept, das die Gesamtsituation der Denkmäler aufgreift. Ich schlage vor, dass sich eine Arbeitsgruppe mit dieser Problematik beschäftigt“, meint der Emmeringer.

Besucher der Bodestadt, aber auch die Bürger der Kernstadt oder der umliegenden Orte sollten künftig besser über Denkmäler aber auch über besondere Persönlichkeiten informiert werden. „Zwar wurde vor kurzem eine Gedenktafel für den Priester Anton Harbort am katholischen Pfarrhaus enthüllt, doch wäre es ratsam, auch eine Erklärung unter das Straßenschild zu setzen. Gleiches gilt für Karl Keller. Ihm gebürt ebenso eine Gedenktafel, die in der Hornhäuser Straße angebracht werden sollte“, schlägt Lutz Bittner vor.

Heute würden immer weniger Menschen wissen, was es eigentlich mit der erhalten gebliebenen Fassade der alten Pumpenfabrik in der Hornhäuser Straße/Seilerweg auf sich hat. „An die Fassade gehört ebenso ein Schild zur Erklärung. Wie wäre es mit einem Stadtfaltplan, der es Besuchern ermöglicht, die Stadt mit ihren Denkmälern und Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erkunden? Dann wäre es natürlich gut, an den jeweiligen Gebäuden würden sich entsprechende Erklärungen befinden“, schlägt Lutz Bittner vor.

Vorschlag: Stolpersteine für Oschersleben

Oschersleben sei eine der wenigen Städte, die über eine historische Chronik über die Juden verfüge. In dieser sei ein Plan mit Häusern, in denen Juden lebten, genau so zu finden, wie der einstige Standort der Synagoge. „Die Zeit ist reif, auch in Oschersleben Stolpersteine zu installieren, die an die Juden und ihr Schicksal erinnern. Das wäre für mich auch ein deutliches Zeichen gegen Rechts. Es gäbe genügend Leute, die die Stolpersteine mit finanzieren würden“, ist sich der Vereinsvorsitzende aus Emmeringen sicher.

Er kann darüber hinaus berichten, dass historische Schriften aus Oschersleben neu aufgelegt werden und bereits in Arbeit sind.