Oschersleben/Wanzleben (tw) l Mit Unmut haben die Mitglieder des Bauernverbandes Börde in der letzten Woche die Behauptungen des VSR Gewässerschutz in der Volksstimme zum Thema Nitratbelastung gelesen. Dort behauptet der Verein, welcher aus Umweltschützern besteht, dass die hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat hauptsächlich im Zusammenhang mit der regionalen Landwirtschaft steht. So sei vor allem die Überdüngung der Äcker in der Region eines der Hauptprobleme.

Der Verein reist regelmäßig durch Deutschland und wertet Wasserproben von Anwohnern aus. Dafür wird ein Unkostenbeitrag erhoben. Meistens bilden sich am Infomobil der Umweltschützer lange Schlangen und fast immer fördern die Untersuchungen dann auch hohe Nitratwerte im Grundwasser zu Tage - so auch in Oschersleben. Insgesamt 67 Wasserproben seien im Raum Oschersleben untersucht worden. „Bei fast jeder zweiten Probe mussten wir eine Überschreitung des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter feststellen“, erklärt Harald Gülzow, der Pressesprecher des VSR Gewässerschutz. Dieser Grenzwert sei durch die Trinkwasserverordnung festgelegt.

„Es ist richtig, dass es diese Messwertgrenze von 50 Milligram pro Liter gibt, jedoch sind die entsprechenden Wasserproben ziemlich fragwürdig“, so Urban Jülich vom Vorstand des Bauernverbandes mit Sitz in Wanzleben. „Die Leute bringen da die verschiedensten Wasserproben an und wollen diese dann analysiert haben“, sagt er und ärgert sich. Seinen Angaben nach würden die Leute nicht an einer festgelegten Stelle das Wasser zapfen, sondern irgendwo. Demnach würden die einen Trinkwasser bringen und die anderen Brunnenwasser, welches gar nicht zum Trinken ausgelegt sei. Auch in verschiedener Tiefe würden die Wässer entnommen. Manche kämen sogar mit Wasser aus uralten Zisternen. Nach seinen Angaben gebe es in Sachsen-Anhalt kein einziges Wasserwerk, welches Probleme mit zu hohen Nitratgehalten habe. „Wir haben hier in Sachsen-Anhalt nachweislich das beste Trinkwasser in Europa.“ Zwar gebe es kleinere Probleme mit dem Grundwasser im Bereich Mansfeld-Südharz, aber diese ließen sich auf Auswaschungen im Bergbau zurückführen. Trotzdem werde dort kein Grenzwert überschritten. Jülich legt im Gespräch mit der Volksstimme auch eine Kleine Anfrage an Sachsen-Anhalts Landesregierung vor, welche sich mit dem Thema befasst. Hier werde deutlich, dass es keine Überschreitungen gebe. Über 100 Trinkwasserbrunnen seien dafür getestet worden. „Auch hier sind es vor allem die Brunnen in Mansfeld-Südharz, welche eine hohe Konzentration aufweisen, aber keine bedenkliche.“ Daneben gibt es auch noch weitere Messstationen, welche das Grundwasser überwachen sollen. „Allerdings ist diese Messmethode nicht unbedingt die beste, denn sie kann nur eine bestimmte Konzentration an der einen Stelle messen“, gibt Jülich zu bedenken. Schon allein, dass die verschiedenen Bodenarten nicht differenziert würden, würde für unterschiedliche Messergebnisse sorgen. Hinzu komme noch ein wetterbedingter Faktor, welcher vom Gesetzgeber nicht weit genug betrachtet werde. „Gerade in der Börde regnet es bedingt durch den Brocken viel weniger, als in anderen Regionen. In der Folge wird natürlich ausgebrachter Dünger nicht so schnell verdünnt, wie in anderen Regionen, wo es mehr regnet.“ Zu hohe Werte, die jetzt gemessen würden, könnten schon mehrere Jahrzehnte alt sein. Ein Grund dafür sind die geringen Regenmengen der letzten Jahre.

Strenge Auflagen

Allein die Thematik „Dünger ausbringen“ werde für die Landwirte immer schwieriger, erklärt auch der Geschäftsführer des Bauernverbandes, Christian Apprecht. „Mit den aktuellen Düngeverordnungen geht ein enormer bürokratischer Aufwand einher. Die Menschen denken immer, dass wir einfach aufs Feld fahren und dann unsere Äcker auf Teufel komm raus düngen.“ Jedoch sei das viel komplizierter. Urban Jülich führt das Thema weiter aus. „Bevor wir düngen, müssen wir erstmal Analysen durchführen.“ Das gehe damit los, dass der Dünger komplett ausgewertet werden müsse. Alle gemessenen Bestandteile müssten dann in einem Computerprogramm erfasst werden. Weiterhin müsse auch die Nutzfläche ausgewertet werden. Hierzu zählt zum Beispiel, was in den letzten drei Jahren angebaut und welcher Ertrag dadurch im Durchschnitt gewonnen wurde und welche Dünger in welcher Konzentration genutzt wurden. „Innerhalb von 24 Stunden nach der Ausbringung muss der komplette Prozess protokolliert und vorzeigbar sein“, erklärt Jülich. Jeder Landwirtschaftsbetrieb werde regelmäßig kontrolliert. Gegen die bestehenden Auflagen zu verstoßen, das heißt: Felder zu überdüngen, sei heutzutage mittels moderner Technik gar nicht mehr möglich. Auch wirtschaftlich würde dies ein Fiasko für die Landwirte bedeuten. Mittlerweile würden sogar viele Bauern auf Gülle als Dünger verzichten, weil die Berechnungen für das Ausbringen dafür noch komplizierter seien. „Früher haben zum Beispiel Hobby-Pferdebesitzer ihren Mist zu den Bauern gebracht, mittlerweile wird das von vielen abgelehnt, weil der dokumentarische Aufwand viel zu groß ist.“ Man setze heutzutage vor allem auf Mineraldünger.

Laut Christian Apprecht gehe mit den Düngeverordnungen auch ein anderes Problem einher. „Wenn wir weniger Dünger einsetzen dürfen, dann werden auch unsere Erträge weiter sinken. Auf lange Sicht wird die Landwirtschaft dann einfach unwirtschaftlich.“ Er und Kollege Jülich wünschen sich für die Zukunft eine bessere Differenzierung bei der Messung von Grundwässern und der Gesetzgebung. Letztere müsse vor allem mehr auf regionale Gegebenheiten eingehen. Jülich hatte vor Jahren auch den Kontakt zu Harald Gülzow und seinen Mitstreitern gesucht. Dieser habe aber nicht allzulange angehalten. Jedoch will der Bauernverband das Thema nicht auf sich beruhen lassen. „Wir werden zukünftig mehr Aufklärungsarbeit leisten, damit die Menschen auch verstehen, was hier an Arbeit nötig ist“, erklärt Apprecht. Schon jetzt produziere man Erklär-Videos, welche die Arbeit der Bauern vorstellen würden. „Das ist zum Thema Düngen und Nitrat auch geplant. Allerdings ist dieses Thema sehr komplex und braucht vor allem viel Vorbereitung.“