Oschersleben l Die Handballer des SV Lokomotive Oschersleben bekamen am Sonntag überraschenden Besuch. Während die Sportler gerade dabei waren, die letzten Aufräumarbeiten vom Vereins-Sommerfest am Vortag zu beseitigen, klingelte es an der Tür des Vereinshauses an der Bode. Es waren Bep (68) und Anton (69) Admiraal, die gerade mit ihren Fahrrädern auf Europatour von Enschede (Niederlande) nach Prag (Tschechien) waren. „Wir sind gerade auf dem Rückweg nach Enschede und haben einen Platz zum Übernachten gesucht“, erklärt Anton Admiraal, „dann haben wir den Fluss gesehen und uns gedacht, dass hier vielleicht auch ein Kanuverein sein könnte. Da haben wir ein Auto angehalten und uns durchgefragt.“

Fahrradfans berichten von ihren Touren

Auf ihrem Weg bis in die Bodestadt hatten sie bislang etwa 1800 Kilometer in den Beinen und haben ihr Glück spontan bei den Handballern gesucht und gefunden, wie Benjamin Müller vom Sportverein erzählt: „Sie waren uns sofort sympathisch, da haben wir sie im Bootshaus zum Zelten aufgenommen und ihnen unsere Duschen angeboten. Am Abend haben wir dann zusammen gegrillt und mit ihnen das Deutschland-Spiel im Fernsehen geschaut.“

Dabei haben sie den Spielern auch von ihrer interessanten Reise berichtet. Am 4. Mai sind sie in Enschede gestartet, sind über Cuxhaven nach Prag und schließlich in Oschersleben gelandet. Dies war jedoch keineswegs ihre erste Reise. „Seit Anton vor zwölf Jahren in Pension gegangen ist, sind wir immer unterwegs. Meist entscheiden wir spontan von einem Tag auf den anderen, dass wir losfahren. 2006 haben wir zum Beispiel eine große Südamerika-Tour durch Argentinien und Uruguay gemacht“, erzählt Bep, Antons Frau. So waren sie mittlerweile auf nahezu allen Kontinenten unterwegs und sind insgesamt rund 50 000 Kilometer geradelt. Und das alles auch noch ohne Navigationsgerät.

Karte statt Navigationsgerät

„Davon halten wir nicht viel. Die funktionieren ja auch nicht überall. Ich habe ein kleines Klemmbrett am Lenker. Da kommt die Karte drauf und schon geht’s los“, erklärt Anton Admiraal. Ganz auf Technik verzichten sie auf ihren Reisen jedoch nicht. „Wir haben natürlich ein Handy dabei, um uns bei unseren Kindern melden und mal ein Foto schicken zu können“, sagt Bep Admiraal.

Ihre drei Kinder und sieben Enkelkinder haben sich anfangs noch immer Sorgen gemacht, wenn ihre Großeltern auf große Fahrt gingen. Mittlerweile sei das allerdings kein Problem mehr, meint die 68-Jährige: „Hin und wieder dürfen die Kleinen sogar bei uns mitfahren.“ Gleich am Montagmorgen ging es für die zwei Niederländer auch direkt weiter. Sie brachen in Richtung Braunschweig auf. Ihr Ziel ist es, am kommenden Wochenende zurück in ihrer Heimat und bei ihrer Familie zu sein.