Hadmersleben l „30 Untersuchungen pro Tag: Das ist eine Größenordnung, die wir bewältigen können“, erklärt Dr. Uwe Milbradt. Er ist der ärztliche Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Börde. Vor etwas mehr als einer Woche hat die Einrichtung in Hadmersleben ein Fieberzentrum in Betrieb genommen. „Dessen wesentliche Funktion ist die Entlastung der Krankenhäuser, damit man sich dort um die wirklich schweren Corona-Fälle kümmern kann“, erläutert Uwe Milbradt.

Menschen können im Fieberzentrum einen Abstrich machen lassen. Durch ihn wird untersucht, ob die betreffende Person mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht. Patienten werden entweder von ihrem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt des Landkreises überwiesen. Einige kommen auch direkt. In diesem Zusammenhang hält Uwe Milbradt fest: „Wir machen die Abstriche nach den derzeit geltenden Kriterien des Robert-Koch-Institutes.“ Das bedeutet: Wer beispielsweise Symptome zeigt und in einem Risikogebiet war beziehungsweise in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einem nachweislich Infizierten hatte, wird untersucht. Wer keine Symptome zeigt, wird nicht untersucht. Denn laut dem ärztlichen Leiter des MVZ ist es möglich, dass sich jemand zwar in einem frühen Stadium der Infektion befindet, ein Test aber noch negativ ausfallen würde. In diesem Falle könnte das Ergebnis zu einem Gefühl der falschen Sicherheit und damit zu einem Risiko führen.

Handwerksbetrieb stellt Schutzmasken bereit

Auch Tests ohne besondere Indikation seien nicht möglich. „Sonst wäre auch die Leistungsfähigkeit des besten Gesundheitssystems überfordert. Und wir müssen noch ein paar Wochen auskommen“, hält Uwe Milbradt fest. Allerdings gebe es Bemühungen, die Kapazitäten zu erhöhen, um bei Bedarf auch flächendeckende Tests möglich zu machen.

Bisher seien drei Personen positiv getestet worden. Diese würden aus dem Landkreis Börde stammen, aber nicht aus Hadmersleben und dessen direkter Umgebung. Der Zuständigkeitsbereich des Fieberzentrums umfasst die Städte Oschersleben und Wanzleben-Börde sowie die Verbandsgemeinde Westliche Börde.

Ein großes Ärgernis für Uwe Milbradt ist die mangelnde Unterstützung des Fieberzentrums. „Die zentrale Versorgung mit Schutzausrüstung ist katastrophal. Sie geht gegen null“, betont der ärztliche Leiter. Man habe Handschuhe bekommen sowie eine kleine Menge an Masken – aber keine Schutzanzüge und keine Schutzbrillen. „Wenn das die Organisationskraft des Ministeriums von Herrn Spahn ist, wird mir bange“, erklärt Uwe Milbradt. „Was vorhanden ist, haben wir vor Wochen selbst organisiert und überteuert bezahlt.“ Nur aufgrund dieser Eigeninitiative habe das Fieberzentrum seine Arbeit überhaupt aufnehmen können. „Das ist wirklich schlimm. Wir befinden uns in einem der reichsten Länder Europas und noch am Anfang der Krise“, betont der ärztliche Leiter.

Solidarität auf regionaler Ebene

Positiv sei hingegen, dass die meisten Menschen die Vorgaben der Regierung befolgen und sich vereinzeln würden. Und auf regionaler Ebene gibt es durchaus Solidarität: „Ein Handwerksunternehmen aus Kroppenstedt hat uns 50 Schutzmasken zum Selbstkostenpreis überlassen“, hebt Uwe Milbradt hervor.

Darüber hinaus werde das Fieberzentrum durch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt unterstützt. Die KV habe der Einrichtung einen ärztlichen Kollegen aus einer Praxis vermittelt. Der wechsle sich mit einem weiteren Kollegen ab, der noch in dieser Praxis arbeite. „Das ist wirklich eine große Hilfe“, so Milbradt.

Was den ärztlichen Leiter ebenfalls freut: Drei Medizin-Studentinnen haben sich aus Eigeninitiative gemeldet und gefragt, ob sie helfen können. „Die liegen mit ihrem Berufswunsch wirklich richtig“, lobt Milbradt.

Das Fieberzentrum befindet sich in der Holzgasse 2a. Es ist montags bis freitags von 7.30 bis 12 Uhr geöffnet. Die Telefonnummer lautet 039408/928 20, um einen Anruf vor dem Besuch wird gebeten. Wer die Einrichtung aufsucht, sollte auf keinen Fall in die Praxis gehen. Stattdessen wird darum gebeten, den Parkplatz zu nutzen, am Fieberzentrum zu klingeln und zu warten, bis jemand kommt. Bis ein Testergebnis vorliegt, sollten die betroffenen Personen zu Hause bleiben. Bei einem positiven Testergebnis informiere sie das Gesundheitsamt.