Oschersleben l Die Zwangsschließungen haben die Lokale besonders hart getroffen. Spätestens seit Mittwoch vergangener Woche ist klar: Gaststätten bleiben geschlossen.

Die Corona-Krise mit den einhergehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens macht auch den Gastronomen in Oschersleben schwer zu schaffen. Weil diese ihre Restaurants schließen mussten, verweisen nun viele darauf, dass das nicht etwa bedeutet, dass die Küche kalt bleibt: Stattdessen wird weiterhin gekocht und geliefert, in vielen Lokalen können Speisen auch abgeholt werden.

Giovanni Cara, Restaurantbetreiber von der „Trattoria Taormina“ in Oschersleben, hat trotzdem keinen seiner Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit geschickt. „Ich bin froh, so gutes Personal gefunden zu haben. Ich will sie nicht nach Hause schicken“, so der gebürtige Italiener. Bezahlen tue er seine drei Mitarbeiter im Moment aus seinen privaten Rücklagen. Er habe doch auch eine soziale Verantwortung.

Wie viele andere Gaststättenbetreiber bietet er einen Liefer- und Abholservice an. Seine Räume sind geschlossen, Gäste aus der Nachbarschaft können ihr Essen aber selbst abholen – und so ihre Lieblingsorte unterstützen. Bruschetta, Tagliatelle, Spaghetti, Pizza und Tiramisu liefert er zu denselben Preisen, wie sie im Lokal gelten, auch aus. Rentabel sei das aber nicht, was er im gesamten Oschersleber Postleitzahlenbereich ausfährt. „Ich habe einen totalen Umsatzeinbruch“, sagt der Restaurantchef. Auch Gutscheine verkaufe er, um wenigstens kurzfristig Geld einzunehmen. Eine wirklich nachhaltige Lösung ist das aber nicht. Denn nach der Krise müssen immer noch die Gegenleistungen geliefert werden, sobald die Restaurants wieder geöffnet sind. Und außerdem: Der Tisch, der heute nicht belegt sei, der werde natürlich nicht doppelt belegt, wenn einmal wieder Normalbetrieb laufe. Wie lange man das Geschäft so nun aufrechterhalten kann, weiß Giovanni Cara nicht. Und zusätzlich müssen die Fixkosten in dem Restaurant in der Hornhäuser Straße weiter gezahlt werden. Miete, Strom für den Kühlschrank, den Pizzaofen und dann komme noch der Einkauf hinzu. Denn vorbereiten müsse er sich ja trotzdem in der Küche. Dabei gehe auch so viel kaputt. „Das tut besonders weh“, so der Italiener. Frische Nudeln, Pizzateig, Salat, Fisch und Fleisch würden häufig in der Mülltonne landen.

Philipp Neumann, dem Inhaber vom „Zum Athos“ in der Triftstraße ergeht es ähnlich. Auch er hat Umsatzeinbußen von bis zu 85 Prozent. Liefer- und Abholservice, sowie Gutscheinverkauf für „die Zeit danach“ bietet Neumann an. Ein Speisenangebot wie im normalen Restaurantbetrieb aufrecht zu erhalten, ist weder finanziell, noch logistisch möglich. Lange würden auch seine Reserven nicht mehr ausreichen. Die Hilfen von der Bundesregierung schon mit eingerechnet. Erst zu Beginn des Jahres hat der Oschersleber das Restaurant übernommen. „Aber besser so, als gar nicht arbeiten“, sagt der junge Restaurantbesitzer. Seine 15 Mitarbeiter im Service, in der Küche sowie die Aushilfen habe er komplett auf Kurzarbeit umgestellt. Vor einigen Wochen standen in seinem Restaurant Nähmaschinen auf den Tischen. Fleißige Schneiderinnen hätten daran – in gebührendem Abstand – Mundschutz-Masken für den guten Zweck genäht. Er habe sie dafür mit Essen versorgt. Zwei, drei solcher Ideen habe er noch im Hinterkopf. Mehr will der Restaurantinhaber aber noch nicht verraten.

Zu normalen Zeiten hätten beispielsweise Imbissbuden und Eisdielen kein Problem damit, wenn niemand in ihrer Lokalität sitzen darf. Aber nun fehle hier die Laufkundschaft, sagt Maxim Bogomolov von der Nudellounge und Eiscafè am Markt. „Es sind ja kaum noch Menschen auf der Straße, das merken wir gewaltig. In der Stadt ist praktisch gar nichts los.“

Viele Restaurantbesitzer fordern deshalb von der Bundesregierung einen konkreten Zeitplan für die baldige Öffnung. Das Gewerbe brauche eine konkrete Perspektive, um eventuell zahlreiche Betriebsinsolvenzen zu verhindern.