Oschersleben l Die Stadt Oschersleben hat in ihrem Sonderamtsblatt vom 19. März zur Hilfe aufgerufen. Zusammen mit dem DRK Börde und dem Volkssolidarität-Regionalverband Ohre-Börde werden Bürger gesucht, die ehrenamtlich den Menschen helfen, die zur Risikogruppe des Coronavirus gehören. Benjamin Kanngießer, Bürgermeister der Stadt Oschersleben, ist erfreut über die Resonanz.

„Bisher gibt es zwölf Rückmeldungen. Vier davon sind aus dem medizinischen Bereich“, sagt Kanngießer. Die Personen werden auf einer Liste vermerkt und benachrichtigt, wenn ihre Hilfe gebraucht werde. „Derzeit ist es noch nicht absehbar, ob Hilfe gebraucht wird“, erzählt Benjamin Kanngießer. Wer den Fragebogen ausfüllt und ihn bei der Stadt abgibt, ist im Falle eines Einsatzes versichert. Beim DRK und auch bei der Volkssolidarität gebe es noch keine Engpässe, die mit ehrenamtlichen Helfern zu bewältigen wären.

Hornhäuserin hilft, wo sie gebraucht wird

In Zusammenarbeit mit dem DRK Börde und der Volkssolidarität koordiniert die Stadt die Helfer und bringt sie dort zum Einsatz, wo sie gebraucht werden. „Die Stadt vermittelt zwischen Hilfegesuchen und Hilfeangeboten“, erklärt Mandy Oelke, Leiterin für Soziale Arbeit des DRK Börde. Auch Menschen, die Hilfe benötigen, können sich bei der Stadt melden. Sie findet es gut, dass die Stadt Oschersleben dies eingerichtet hat. „Ich glaube, dass die Menschen, die Hilfe brauchen, sich bei der Stadt melden, weil sie Vertrauen zu den Mitarbeitern haben“, sagt Oelke. Bisher gibt es laut Kanngießer noch niemanden, der Hilfebedürftigkeit angemeldet hat. Dennoch ist er mit der Resonanz zufrieden: „Es ist schön zu sehen, dass man sich hilft und zusammenrückt.“ Kanngießer hofft, dass die gegenseitige Hilfe auch nach der Krise anhält.

Seit Montag werden auch die Ortsbürgermeister der Stadt Oschersleben mit Handys versorgt, bei denen sich die Bürger melden können. „Die Ortsbürgermeister kennen ihre Leute im Ort und wissen, wer Hilfe braucht“, sagt Kanngießer.

Dem Hilfeaufruf der Stadt ist Ute Rode aus Hornhausen gefolgt. Über einen Bekannten wurde sie auf den Hilferuf der Stadt aufmerksam. „Ich habe eingetragen, dass ich da helfe, wo ich gebraucht werde“, sagt die gelernte Krankenpflegerin. Seit zwei Jahren hilft sie einer 82-jährigen Rentnerin im Alltag. „Sonst bin ich mit ihr überall hingefahren, aber das geht jetzt durch Corona nicht“, sagt Ute Rode. Da die ältere Dame zur Risikogruppe gehört, übernimmt Ute Rode den Einkauf oder holt Medikamente aus der Apotheke. Für den Mai war ein gemeinsamer Urlaub in Ostfriesland geplant, der nun ins Wasser fällt.

Einem Bekannten aus Oschersleben, der schwer krank ist, hilft Ute Rode derzeit ebenfalls. Mit der Bitte um Toilettenpapier wendete er sich an die ehemalige Krankenpflegerin. Sofort fragte sie in ihrem Freundeskreis nach, ob jemand eine Rolle über habe. „Am Ende hatten wir dann 20 Rollen zusammen“, erzählt die Rentnerin. Für sie ist es ein gutes Gefühl, anderen Menschen in dieser Situation zu helfen.

Neben dem Angebot der Stadt haben sich auch einige Bürger selbst organisiert, um zu helfen. Über die Facebook-Gruppe „Oschersleben-hilft sich!“ bieten die Mitglieder ihre Hilfe an. Initiator der Gruppe ist Ludwig Klamm. In diversen Facebook-Gruppen bekam er die Diskussionen um die Beschränkungen während der Corona-Krise mit. Er ergriff die Initiative und gründete eine eigene Gruppe. Gemeinsam mit Nicole Wendt Herbst und Andreas Horn zieht er die Fäden im Hintergrund. „In der Gruppe geht es darum, seine Energien zu bündeln und anderen Menschen in dieser prekären Lage zu helfen und sie zu unterstützen“, erklärt Klamm. Nicole Wendt Herbst ist durch andere Oschersleber Gruppen auf Facebook auf „Oschersleben- hilft sich!“ gestoßen. „Jeder kann irgendwann mal in die Situation kommen, in der er Hilfe braucht“, sagt sie.

Für die Mutter eines 20-jährigen Sohnes sei es selbstverständlich zu helfen. „Ich hab den Kopf frei und kann mich einfach einbringen.“ Als Moderator der Gruppe regt Ludwig Klamm zu verschiedenen Ideen an. So wurde eine Spendenaktion für die Oschersleber Tafel ins Leben gerufen. „Sollte mehr Geld zusammenkommen, dann spenden wir auch für die Tafel in Wanzleben“, berichtet Ludwig Klamm. Außerdem nähen Mitglieder der Gruppe Mundschutz-Masken. „Uns geht langsam der Stoff aus“, erzählt Nicole Wendt Herbst. Wer festen Baumwollstoff, der bei 60 Grad waschbar ist, bei sich Zuhause übrig habe, könne ihn gern bei der Gruppe abgeben. Die Anfrage nach einem Mundschutz ist groß, so wenden sich Privatpersonen und Unternehmen an die Gruppe. Auch zu Spenden für die gestrandeten Monster-Trucker (Volksstimme berichtete) wird aufgerufen. „Mitglieder der Gruppe haben essen hingebracht und Gasflaschen“, berichtet Nicole Wendt Herbst. Die vier Kinder der Monster-Truck-Schausteller werden laut Wendt Herbst an Ostern nicht leer ausgehen. Aber auch andere Hilfsangebote, wie Einkaufen gehen oder Medikamente aus der Apotheke holen, werden angeboten.

Derzeit ist laut Nicole Wendt Herbst eine Überraschung für alle systemrelevanten Helfer geplant. Dazu zählen unter anderem Reinigungskräfte, Pflegekräfte sowie Verkäufer. „Wir wollen ein ‚Dankeschön‘ zusammenstellen für all die Menschen, die dafür sorgen, dass alles so super funktioniert“, sagt Klamm. Dafür wurden Karten gestaltet. Kreativer Kopf der Karte ist Frank Rexin vom Kunsthaus Oschersleben.

Mit der Aktivität innerhalb der Gruppe ist Klamm sehr zufrieden: „Es ist eine Eigendynamik entstanden, die super interessant ist und hoffentlich demnächst dazu beiträgt, dass wir andere Menschen unterstützen können.“ Wichtig ist es laut Klamm, in dem Rahmen zu helfen, der vom Gesetzgeber vorgegeben werde, um sich selbst nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Die Gruppe stehe täglich mit Benjamin Kanngießer in Kontakt.

Wer sich bei der Stadt als ehrenamtlicher Helfer melden möchte oder Hilfe benötigt, kann sich unter der 03949/ 912167 melden. Oschersleben-hilft sich! ist telefonisch unter 0172/3996475, 0175/9100112 oder 0152/24514130 oder per WhatsApp zu erreichen.