Stadt Oschersleben benötigt für Vorbereitung des Bauvorhabens noch ein Jahr

Eisenbahn-Bundesamt will das Projekt Tunnelbau jetzt unter Volldampf setzen

Von Mathias Müller

In den geplanten Bau der Eisenbahnunterführung in der Magdeburger Straße/Schermcker Straße Oscherslebens scheint Bewegung zu kommen. Das Eisenbahn-Bundesamt als federführende Behörde will in dieser Woche das Planfeststellungsverfahren abschließen. Damit kann die Stadt Oschersleben mit ihren Vorbereitungen für das Bauvorhaben beginnen.

Oschersleben l Liegt der Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes zum Bau der Eisenbahnunterführung in der Schermcker Straße auf dem Tisch des Rathauses, benötigt die Stadt Oschersleben nach Angaben von Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos) noch ein Jahr an Vorlauf, um das Vorhaben vorzubereiten. Schwerpunkt der Arbeiten ist die Umverlegung des Regenwassersammlers. Dieser Kanal führt aus dem Wohngebiet Wasserrenne in Richtung Stadtzentrum. "Allein für diese Arbeiten rechnen wir eine Vollsperrung der Friedrichstraße für die Dauer von acht bis zehn Wochen ein", verdeutlicht Klenke den enormen Aufwand.

Bis die ersten Bagger rollen, muss die Stadt Oschersleben jedoch erst das Bauvorhaben zum Umverlegen des Regenwassersammlers öffentlich ausschreiben. Genauso wie die anderen Versorger ihre Leitungen für Strom, Telekommunikation, Wasser, Abwasser oder Datenleitungen umverlegen müssen. "Im Bereich des Bauwerks darf keine Leitung und kein Kabel mehr liegen", sagt Klenke.

Wie der Bürgermeister bedauert, hat wochenlang keine Beratung aller am Bau der Eisenbahnunterführung beteiligten Partner stattgefunden. Die letzte Beratung geht auf den Januar dieses Jahres zurück. "Da steht jemand auf der Bremse", beklagt der Bürgermeister. Wieso und weshalb könne sich das Stadtoberhaupt jedoch nicht sachlich erklären.

"Das Eisenbahn-Bundesamt hat den Planfeststellungsbeschluss erarbeitet", hat Moritz Huckebrink, Pressesprecher der Behörde in Bonn, eine Anfrage der Volksstimme beantwortet. Im Nachgang zum Anhörungsverfahren beim Landesverwaltungsamt habe die Deutsche Bahn als Trägerin des Vorhabens noch einige Nachuntersuchungen durchführen und Planergänzungen vornehmen müssen. "Dies ist inzwischen erfolgt", sagt Huckebrink. Deshalb plane das Eisenbahn-Bundesamt, das Planfeststellungsverfahren, das seit September 2011 läuft, in dieser Woche abzuschließen.

Die Stadt Oschersleben braucht nach den Worten von Bürgermeister Dieter Klenke Klarheit darüber, wann der Bau der Eisenbahnunterführung tatsächlich starten kann. "2014 beginnen in Oschersleben große Straßenbauvorhaben. Wenn diese nicht genau abgestimmt sind, droht der Stadt ein Kollaps", ist sich Klenke sicher. Neben der Eisenbahnunterführung sind diese Vorhaben der zweite Abschnitt des Ausbaus der Hornhäuser Straße vom Bahnübergang bis zur Einfahrt der früheren Eltma sowie der Ausbau der Schermcker Straße vom Peseckendorfer Weg aus. Bahn und Land müssen ihre Bauvorhaben unbedingt abstimmen. Tun sie dies nicht, werde es die Stadt Oschersleben nicht dulden, dass durch die Baustellen die Ost-West-Achse lahmgelegt werde.

Dass Oschersleben die Eisenbahnunterführung in der Schermcker Straße weiterhin benötigt, davon ist Dieter Klenke immer noch überzeugt. "Dafür sprechen schon die sechs Stunden Schließzeiten der Schranken innerhalb von 24 Stunden. Diese Zahl habe nicht ich, sondern hat die Bahn ermittelt", sagt er. Nicht selten gebe es auf der Schermcker Straße in Richtung zur Ampelkreuzung Friedrichstraße einen Rückstau von Fahrzeugen, wenn die Schranke längere Zeit geschlossen sei. Klenke wisse, dass die Sinnhaftigkeit des Baus der Eisenbahnunterführung in der Öffentlichkeit immer wieder hinterfragt werde. Schon wegen der langen Schrankenschließzeit sei für ihn der Bau sinnvoll. Für die Stadt Oschersleben gebe es derzeit keinen Anlass, aus dem Vorhaben, an dem weiterhin die Bahn und das Land Sachsen-Anhalt beteiligt sind, auszusteigen. Zumal der Ausstieg aus Sicht des Bürgermeisters einen Vertragsbruch darstelle. "Wer aussteigt, hat zu bezahlen", sagt Klenke. Nicht nur die eigenen Kosten, sondern auch die der anderen Vertragspartner. Und das könne teuer werden. Insgesamt soll die Eisenbahnunterführung zwölf Millionen Euro kosten. Die Stadt Oschersleben ist daran für Nebenanlagen wie Fußwege mit 200000 Euro beteiligt.

Der Stadtrat Oschersleben hatte dem Bau des Eisenbahntunnels im Oktober 2007 zugestimmt. Der Bau dauert etwa drei Jahre. Ist die Unterführung unter der Eisenbahnstrecke von Magdeburg nach Halberstadt in Betrieb, schließt die Deutsche Bahn die Bahnübergänge in der Anderslebener Straße, in der Schermcker Straße und in der Fabrikstraße.