Oschersleben l Der Eco Grand Prix war 2019 wohl das leiseste Rennen in der Motorsport-Arena. Gleich 24 Stunden lang testeten 42 Teams die Reichweite von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Denn nur diese waren beim Rennen zugelassen. Die Teams waren aus ganz Europa angereist. Im Starterfeld waren Jaguar, Kia, Tesla, Opel und Renault vertreten. Das Siegerteam aus der Ukraine schaffte 488 Runden, musste lediglich vier Stopps zum Laden einlegen.

Die E-Mobilität ist in aller Munde. Für viele Familien ist es, was die Kurzstrecke für den Alltag, für den Weg zur Arbeit anbelangt, durchaus vorstellbar, ein E-Auto anzuschaffen. Wenn auch die hohen Anschaffungskosten nach wie vor eine große Rolle bei der Entscheidung gegen das E-Car spielen.

Am Tag über 1000 Kilometer

In der Stadtverwaltung Oschersleben hat die E-Mobilität längst Einzug gehalten. 2017 ist das erste Fahrzeug angeschafft worden. Inzwischen gibt es auch ein Hybrid-Fahrzeug vom Typ Renault Kangoo und den ausschließlich mit Strom angetriebenen Golf. Beide Autos sind laut Angaben der Stadtverwaltung bei den Kollegen sehr beliebte Fahrzeuge. Die Autos versehen täglich ihren Dienst, nachts werden sie auf dem Gelände des Bauhofes an einer speziellen Ladesäule aufgeladen.

Bereits 2017 hatte Bürgermeister Benjamin Kanngießer, der im Übrigen Schirmherr des zweiten Eco Grand Prix im Jahr 2019 war, angekündigt, nach und nach den Fuhrpark umzurüsten. Im Juli 2017 wurde auf dem Marktplatz eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen.

Die Bewos kommt mit einem Elektrofahrzeug ebenso bereits seit 2017 auf leisen Sohlen daher, sprich: der Verbrennungsmotor wurde gegen das Elektrofahrzeug vom Typ BMW eingetauscht. Und auch Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth bestätigt, dass das Elektromobil bei den Kollegen sehr beliebt ist und genau wie in der Stadtverwaltung üblich nachts geladen wird.

Für Kurzstrecke vorstellbar

Für die Kurzstrecke, um schnell mal von A nach B zu kommen, ist das E-Car durchaus vorstellbar. Aber für die lange Strecke? Welche Schlussfolgerungen werden gerade in dieser Hinsicht aus dem 24-Stunden-Rennen gezogen? Organisator Luc Perraudin erzählt: „Hansjörg von Gemmigen aus Karlsruhe war zur Siegerehrung nach Oschersleben direkt aus Stuttgart von seinem Fahrweltrekord mit einem Tesla Model S nach Oschersleben angereist. Er hatte am 28. November 10 Uhr genau eine Million Kilometer innerhalb von sechs Jahren zurück gelegt. Dabei ist er sehr energieeffizient unterwegs: Tempo 95.“ Perraudin weiß ebenso zu berichten, dass es inzwischen dutzende Menschen gibt, die selbst beruflich mit einem europäischen Standard-E-Auto unterwegs sind und dabei deutlich mehr als 100.000 Kilometer zurückgelegt hätten. „Ich selbst bin, ohne seit 2000 ein eigenes E-Auto zu besitzen, weit über 15.000 Kilometer rein elektrisch gefahren“, so Perraudin.

Offiziell würden sich die Konzerne nach wie vor „vornehm“ in deren Beurteilung zurückhalten, was regionale Strecken und Reichweiten anbelangt. Doch mit 2021 werde sich das weithin ändern mit neuen Produkten, die eine Reichweite jenseits von 400 Kilometer erzielen können. Das können Modelle wie Opel Ampera-e, Tesla Modelle, Hyundai Kona und die aktuelle Renault Zoé Version bereits bieten.

168 zugelassene E-Autos

„Dass Serien-E-Autos langstreckentauglich sind, selbst ohne Schnelllader, beweisen die eco-Grand-Prix-Endurance-Challenges: Nahezu alle Modelle schaffen innerhalb von 24 Stunden einschließlich Ladezeiten auf Basis von maximal 22 kW mit der weltweit verbreitetsten Drehstrom-Technik, die selbst in abgelegenen Regionen dieser Erde verfügbar ist, mehr als 1000 Kilometer Gesamt-Reichweite“, erklärt Luc Perraudin, der selbst schon in vielen Ländern der Erde mit einem Elektrofahrzeug unterwegs war.

Seiner Meinung nach wurde in Deutschland die E-Mobilität von Beginn an viel zu hochtechnologisiert angepackt und kommuniziert. So habe Deutschland wertvolle Jahre bei der Entwicklung der E-Mobilität verloren.

Sicher, für die zweite Auflage des 24-Stunden-Rennens der Elektrofahrzeuge in der Motorsportarena Oschersleben hätte sich Luc Perraudin ein größeres Interesse in der Bevölkerung rund um Oschersleben gewünscht. „Das geringe Interesse hat auch mit mangelhafter Aufklärung, fehlenden Möglichkeiten dauerhafter Probefahroptionen, somit fehlender Fahr- und Erlebnispraxis zu tun. Zur Premiere des 24-Stunden-Rennens in Oschersleben am 1. Dezember 2018 war ich einem aus der Region kommenden jungen Mann begegnet, der sich als ausgewiesener Tesla-Experte herausstellte, obwohl er keinen besitzt. Alleine die Begeisterung hat ihn dazu gemacht“ erklärt Perraudin.

Förderprogramme helfen

Menschen, die E-Autos gefahren sind, wünschten sich in der Regel keinen Verbrenner mehr, sofern sie das nötige „Kleingeld“ besäßen. Förderprogramme könnten helfen, dass die Menschen das nötige Kleingeld zusammen bekämen. „Als Beispiel sei hier Hamburg genannt. Die Hansestadt hat, unabhängig vom Bund, ein ambitioniertes Förderprogramm für E-Autos aufgelegt“, erklärt Luc Perraudin.

Dass Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge auch in der Region eine immer größere Rolle spielen, lässt sich an einer Auskunft des Landkreises Börde erkennen: Laut einem Volksstimme-Bericht waren im Dezember 2017 genau zwei E-Mobile und 17-Hybridfahrzeuge in Oschersleben und seinen Ortsteilen zugelassen.

Aktuell sind in der ganzen Börde 168-Elektro-Autos und 535 Hybridfahrzeuge zugelassen. Das teilt Uwe Baumgart als Pressesprecher des Landkreises Börde mit.