Tierschutz

Familie Müller betreut in Blumenberg ein Turmfalken-Paar

Der Turmfalke bewacht aufmerksam seine Gelege: Familie Müller im Blumenberg freut sich, dass der Gibel ihres Hauses auch in diesem Jahr wirder von einem Falken-Paar als Nistplatz ausgewählt wurde. Foto: Franz-Josef Müller

Von Lena Bellon

Blumenberg l Dieses Jahr sind die Falken mit ihrer Brut besonders früh dran: Sie haben sich fast zwei Wochen früher als erwartet unterm Scheunendach der Familie Müller eingenistet. „Es ist immer dasselbe Pärchen, das bei uns seine Eier legt und ausbrütet“, erzählt Franz-Josef Müller. Der Blumenberger und seine Ehefrau Gertraude Schug-Müller geben seit fast 15 Jahren den Turmfalken ein kleines zu Hause. Auch Schleiereulen hatten sich dort schon eingenistet, und immer wieder gibt es Revierkämpfe um den begehrten Brutplatz. „Ich habe dort eine Kamera installiert, damit ich das Geschehen und die Fortschritte der Brut beobachten kann. Die Revierkämpfe bekommen wir aber auch ohne Kamera mit – das ist ein wirklich lautes Geschrei“, erzählt Müller.

Das Ehepaar erinnert sich zusammen an sein erstes Erlebnis mit einem Falken: „Das ist schon sehr lange her, da haben wir auf einem Baum einen angefrorenen Falken gefunden. Er war vom Eisregen an dem Baum festgefroren und wir haben ihn langsam abgetaut und dann aufgepäppelt. Da haben wir angefangen, uns zu belesen, und der Falke konnte sich bei uns tatsächlich wieder erholen“. Der 71-jährige Franz-Josef Müller hat daraufhin angefangen, sich mit Falken zu beschäftigen und sich immer mehr Wissen angeeignet. Bei der Erneuerung des Giebels hatte Franz-Josef Müller die Idee, dass sich der Platz unter dem Dach als Nest für die Brutzeit eignen könnte. Nach und nach hat er in seinem Dach dann Licht und Kameras installiert, sowie einen kleinen Steg vor dem Eingang des Dachgiebels, damit die Falken dort gut landen können. Es gab auch Jahre, in denen sich Schleiereulen dort eingenistet haben, in einem Jahr hatten sogar Falken und Schleiereulen unter dem Dach ihre Nester gebaut. „Ich hatte mich belesen und theoretisch sollte es funktionieren, weil Falken tagaktiv und Eulen nachtaktiv sind. Aber leider haben die Falken und ihre Jungen unter der Doppelbesetzung gelitten“, erinnert sich Müller. Die Eulen seien zwar auch in der Gegend angesiedelt, dennoch haben die Falken momentan die Oberhand. Das könne sich aber auch wieder ändern.

Sechs Eier

Seit Anfang April legt das Falken-Weibchen Eier, im Abstand von ungefähr zwei Tagen kommen immer weitere Eier dazu. „Ich denke, mit den sechs Eiern, die sie bisher gelegt hat, ist sie für dieses Jahr fertig. Jetzt warten wir darauf, dass der Nachwuchs schlüpft“, erzählt der pensionierte Kfz-Meister.

Die Brutzeit dauert 27 bis 29 Tage, danach schlüpfen die Küken. Auch Gertraude Schug-Müller ist schon voller Vorfreude: „Ich sitze so gerne hier in der Sonne und beobachte, wie die Falken abwechselnd aus dem Dach fliegen und Futter besorgen“. Sie ist fasziniert von dem schönen Gefieder, davon, dass sie im Sturzflug mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h fliegen können aber auch von dem Verhalten der Tiere: „Wenn man die Turmfalken genau beobachtet, machen sie uns die perfekte Aufteilung vor: Männchen und Weibchen wechseln sich ab mit dem Brüten und der Futterbesorgung“, sagt die Blumenbergerin schmunzelnd. Falken ernähren sich hauptsächlich von Mäusen, Würmern oder Eidechsen. „In manchen Jahren mussten wir aber auch zufüttern, dann haben wir ihnen kleine Hähnchenkeulen hingelegt“, erzählt sie.

Ringe für die Jungvögel

Nachdem alle jungen Falken geschlüpft sind, erfolgt die Beringung durch einen Experten vom Tierpark Bernburg, der den jungen Falken kleine Ringe mit Nummern verpasst, um sie identifizieren zu können. Noch mindestens zwei Monate nachdem die Jungen geschlüpft sind, bleiben die Falken mit ihrem Nachwuchs in dem Scheunendach. „Wir können sie dann auch anfassen und streicheln, die sind uns gegenüber gar nicht mehr scheu“, schwärmt Gertraude Schug-Müller. Spannend seien auch die ersten Flugversuche des gefiederten Nachwuchses.

Mit ihrer Leidenschaft für die Falken und den regelmäßigen Nachwuchs ist das Ehepaar in Blumenberg aber auch in Wanzleben schon bekannt. „Die Nachbarn fragen immer nach den Falken und manchmal kommen sogar Leute beim Einkaufen auf uns zu und sind neugierig. Auch auf Facebook gibt es ein großes Interesse an den Falken und ihrem Nachwuchs“, erzählt das Ehepaar.

Sie leben sehr naturverbunden, kümmern sich immer gerne um verwaiste oder verletzte Tiere, denen sie wieder auf die Beine helfen können. „In den 1980er Jahren waren Falken mal gefährdet, jetzt ist die Population aber wieder stabil“, erklärt Franz-Josef Müller. „Wir freuen uns, wenn wir einen kleinen Beitrag für die Natur und die Artenvielfalt leisten können, mit dem, was wir gerne tun“, ergänzt seine Frau. Aber nicht nur die Falken und Schleiereulen sind Teil der Familie.

Auch Schwalben dürfen in einer kleinen Werkstatt auf dem Grundstück der Müllers nisten. Auch Hühner, eine Katze und ein Hund haben dort ein zu Hause. Dazu kommt ein großer Gartenteich mit Karpfen und sogar Bienen und Hummeln sind im Frühjahr auf einer eigenen Blumenwiese beheimatet. „Im nächsten Leben arbeite ich mit Tieren, das habe ich mir fest vorgenommen“, scherzt die Blumenbergerin.