Günthersdorf l „Das Trinkwassernetz kann die benötigten Mengen an Wasser für den Brandfall nicht bereitstellen“, erklärt Gunnar Wendt. Er ist der zuständige Sachbearbeiter im Fachbereich Bauen und Umwelt der Stadtverwaltung. Wie Oscherslebens Ortswehrleiter Carsten Loof ergänzt, gibt es an mehreren Stellen im Stadtgebiet eine ähnliche Situation. Deshalb werde in allen Ortsteilen die Löschwasserversorgung geprüft. Sei diese nicht ausreichend, schließe sich eine Suche nach geeigneten Maßnahmen an.

Die Feuerwehr dränge bereits seit Längerem darauf, die Situation in Günthersdorf zu verbessern. Denn die Bebauung sei relativ eng. Das verschärft die Lage im Falle eines Brandes. „Eine Wasserversorgung über eine längere Strecke ist möglich. Aber das ist mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden“, informiert Carsten Loof. Die Wassertanks in den Löschfahrzeugen würden für die ersten Minuten der Brandbekämpfung ausreichen. Trotzdem sei es wichtig, so schnell wie möglich eine stabile Löschwasserversorgung aufzubauen. Das ist laut Carsten Loof in Günthersdorf derzeit nicht ohne Weiteres möglich. „Im Fall der Fälle kann man Wasser direkt aus der Bode holen. Das bedeutet allerdings einen hohen technischen und personellen Aufwand“, verdeutlicht der Ortswehrleiter.

Grundwasser zu hoch für Tank-Lösung

Um Abhilfe zu schaffen, wollte die Stadt zunächst einen Tank installieren. Das ist zum Beispiel in Groß Germersleben geschehen - und zwar laut Gunnar Wendt mit optimalem Ergebnis. Ein solcher Tank kostet rund 120.000 Euro. Allerdings gab es in Günthersdorf Komplikationen: „Ein Baugrundgutachten hat bestätigt, dass der Grundwasserspiegel relativ hoch ist“, gibt Gunnar Wendt bekannt. Während des Tank-Einbaus hätte das Grundwasser abgepumpt werden müssen. Anschließend wäre eine Sicherung gegen einen möglichen Auftrieb nötig gewesen. Das hätte den Preis in die Höhe treiben können. „Wir hatten die Befürchtung, dass es auf diese Weise deutlich teurer wird“, so Gunnar Wendt.

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Aus diesem Grund hat sich die Stadt auf eine Alternative verlegt: Sie hat einen Brunnen bohren lassen. Laut Gunnar Wendt braucht die Feuerwehr eine Entnahmestelle, die für einen Zeitraum von zwei Stunden 800 Liter Wasser pro Minute liefert. Bei einem Pumpversuch seitens der Brunnenbohrfirma habe das geklappt. „Aber als die Feuerwehr mit ihren Pumpen draußen war, gab es ein Problem“, so Gunnar Wendt.

Durch die Wasserentnahme sei der Wasserspiegel im Brunnen so gesunken, dass die Leistung der Pumpen nicht mehr ausreichte. Am Ende wurden 400 Liter pro Minute erreicht. Carsten Loof erklärt, dass die Feuerwehrpumpen stark genug sind, um Wasser aus einer Tiefe von 7,50 Meter zu fördern. Danach werde es schwierig. Gunnar Wendt erklärt: „Je größer die Saughöhe, desto geringer ist die Wassermenge, die durch eine Pumpe gefördert werden kann.“

Tiefenpumpe günstigere Variante

Eine mögliche Lösung könne darin bestehen, eine Tiefenpumpe zu installieren. Die würde das Wasser nach oben drücken. Allerdings müsse dafür die Tiefe des Brunnen vergrößert werden. Derzeit liegt sie bei 15 Metern. „Wir müssen uns noch einmal mit der Brunnenbohrfirma und einem Geologen unterhalten“, führt Gunnar Wendt aus. Trotzdem sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Stadt verglichen mit der Tank-Lösung Geld spare. Das Baugrundgutachten und das Bohren des Brunnens hätten bisher rund 12.000 Euro gekostet.