Oschersleben l „Das Jahr 2020 wird sicherlich als eines der ungewöhnlichsten in Erinnerung bleiben“, fasst Andreas Ehrhardt zusammen. Er ist der Pressesprecher der Oschersleber Feuerwehren. Insgesamt 176 Mal wurden diese im vergangenen Jahr zu Einsätzen alarmiert. 90 davon entfielen auf die Feuerwehr der Kernstadt.

Eines der kurioseren Erlebnisse ließ nicht lange auf sich warten. Am Abend des 3. Januar forderte die Bördeklinik in Neindorf Hilfe durch die Feuerwehr an. Es galt, einen Penisring zu entfernen. Doch auch von solchen Dingen abgesehen, sei das Einsatzspektrum sehr breit gewesen, berichtet Andreas Ehrhardt.

„Hilfeleistungen gehören zu den häufigsten Gründen der Alarmierungen. Immer wieder rücken die Feuerwehren zu Wohnungstüröffnungen aus“, so der Pressesprecher. Oft seien es medizinische Notfälle, in denen der Rettungsdienst Unterstützung brauche. Manchmal sei aber auch jede Hilfe zu spät gekommen, weil die betreffenden Personen bereits vor der Alarmierung der Einsatzkräfte verstorben waren.

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„Auch rückten die Feuerwehren im vergangenen Jahr aus, um auslaufende Betriebsstoffe nach technischen Defekten oder Verkehrsunfällen zu beseitigen“, berichtet Andreas Ehrhardt.

Besonders in Erinnerung blieb darüber hinaus der 13. Juni. An diesem Tag zog eine Starkregenfront über Oschersleben hinweg. Vollgelaufene Keller, Wohnungen und überspülte Straßen waren die Folge. Besonders hart traf es den Ortsteil Beckendorf. „Hier liefen Wasser und Schlamm von Ackerflächen in mehrere Wohnhäuser. 16 Einsätze mussten an diesem Tag von den Feuerwehren abgearbeitet werden“, blickt Andreas Ehrhardt zurück.

Am 23. Juni kam es auf der Bundesstraße 246 zwischen Andersleben und Oschersleben zu einem folgenschweren Verkehrsunfall, wobei ein Mensch sein Leben verlor. Die Oschersleber Feuerwehr musste den Verstorbenen aus dem Autowrack befreien.

Am 17. August brannte in Oschersleben der Dachstuhl eines Wohnhauses in der Unteren Mauerstraße. Die Feuerwehren Oschersleben, Hordorf und Hornhausen konnten eine Ausbreitung des Brandes auf weitere Gebäude verhindern.

Nur einen Tag später, kam es erneut zu heftigen Regenfällen. Wieder traf es Beckendorf am schlimmsten. Aber auch in der Kernstadt selbst standen viele Straßen und Keller unter Wasser. An diesem Tag hatten die Feuerwehren 20 Einsätze zu bewältigen.

Allein Überschwemmungen sorgen für 36 Einsätz

Am 27. November brannte in Beckendorf ein Wohnhaus. „Die Feuerwehren aus Beckendorf, Neindorf, Oschersleben, Hornhausen und Ausleben benötigten fast sechs Stunden, um den Brand löschen zu können“, erklärt Andreas Ehrhardt. „Verletzt wurde niemand, jedoch war das Wohnhaus nicht mehr zu retten.“

Kurz vor Weihnachten brannte ein Wohnhaus in der Oschersleber Barbierstraße. Hier kam neben den Feuerwehren aus Oschersleben, Hordorf und Hornhausen auch die Drehleiter aus Wanzleben zum Einsatz. Wieder konnten die Kameraden eine Ausbreitung des Brandes verhindert. Doch auch das Mehrfamilienhaus war nach dem Feuer unbewohnbar.

Automatische Brandmeldeanlagen hielten die Feuerwehren ebenfalls in Atem. In den meisten Fällen habe es sich jedoch um Fehlalarme gehandelt, so Andreas Ehrhardt. Auch ausgelöste Rauchmelder in privaten Haushalten riefen immer wieder die Feuerwehren auf den Plan. „Zum Glück verhinderten diese Rauchmelder in den meisten Fällen größere Schäden, wenn zum Beispiel mal wieder eine Pfanne oder ein Kochtopf auf dem eingeschalteten Herd vergessen wurde“, erklärt der Pressesprecher. Weitere Einsätze gingen zum Beispiel auf brennende Mülleimer oder Sperrmüllhaufen zurück.

Alles in allem sei 2020 für die Feuerwehren der Stadt Oschersleben ein arbeitsreiches Jahr gewesen. Ganz nebenbei mussten die Kameraden noch mit der Pandemie und ihren Folgen fertig werden. Viele Veranstaltungen wie Osterfeuer, Tag der offenen Tür und Zeltlager mussten ausfallen. Der Ausbildungsdienst kam ab März vollkommen zum Erliegen. Auch der Dienstbetrieb der Kinder- und Jugendfeuerwehren wurde eingestellt.

Weiterbildungen erfolgen mittlerweile online

Erst im Sommer konnten die zwölf Ortsfeuerwehren wieder in den Ausbildungsdienst zurückkehren, allerdings nur in kleinen Gruppen. „Einige Jugendfeuerwehren trafen sich auch wieder, jedoch musste der Ausbildungsbetrieb Anfang Dezember wieder komplett eingestellt werden“, blickt Andreas Ehrhardt zurück. „Mittlerweile bilden sich die Einsatzkräfte online im Distanzunterricht weiter.“ Die Jugendfeuerwehrwarte konnten im Oktober eine Schulung zum Thema „Erste Hilfe am Kleinkind“ durchführen. Im März, kurz vor dem Lockdown, fand das jährliche Sportfest der Kinder- und Jugendfeuerwehren in Oschersleben statt.

Im Einsatz sei es schwierig, die vorgeschriebenen Abstandsregeln einzuhalten, so der Pressesprecher. Deshalb würden die Feuerwehrleute einen Mund- und Nasenschutz tragen. Die Einsatzfahrzeuge sowie die Geräte würden nach jeder Nutzung desinfiziert.

Doch es gab auch Positives: Im Juni wurde nach jahrelanger Planung ein neues Gerätehaus an die Kameradinnen und Kameraden der Altbrandsleber Feuerwehr übergeben. Im Zuge des Gerätehausneubaus wurde auch ein Löschwasserbehälter installiert, um die Löschwasserversorgung zu verbessern.

Ebenfalls im Juni wurde Gerd Ludwig als langjähriger Leiter des städtischen Fachbereiches Ordnung und Sicherheit in den Ruhestand verabschiedet. Hierfür waren Vertreter aller zwölf Ortsfeuerwehren mit den Einsatzfahrzeugen zum Marktplatz gefahren.

Die Hornhäuser Feuerwehr erhielt im September ein neues Löschfahrzeug. „Das MLF (mittleres Löschfahrzeug) kostete rund 250 000 Euro, wobei 100 000 Euro aus der zentralen Beschaffung des Landes Sachsen-Anhalt stammten“, berichtet Andreas Ehrhardt.

Zum Abschluss teilt der Pressesprecher mit: „Stadtwehrleiter Sven Könnecke möchte sich auf diesem Wege ganz herzlich bei allen Kameradinnen und Kameraden für die Einsatzbereitschaft und das Engagement im vergangenen Jahr bedanken.“