Sporthalle

Hallensanierung kann beginnen

Gute Nachrichten für Hornhausen: Die Fördermittel für die Sanierung der Sporthalle sind genehmigt.

Von André Ziegenmeyer

Hornhausen l Es dauert nicht mehr lange, dann ist die Sporthalle Hornhausen seit zwei Jahren gesperrt. Im März 2019 hatten sich Teile der Deckenkonstruktion gelöst und waren auf den Hallenboden gestürzt. Die Stadt möchte den Dachstuhl und das Dach komplett erneuern lassen. Doch das Warten auf einen Fördermittelbescheid hat sich hingezogen.

Wie Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) erklärt, ist es jetzt so weit: Die Zusage über Gelder aus dem europäischen Programm „Leader“ sei da. Die Sanierung werde mit 100 000 Euro gefördert. „Wir wollen die Arbeiten bis zum Beginn des neuen Schuljahres abschließen“, so das Stadtoberhaupt. Dafür sei es allerdings erforderlich, dass die Ausschreibungen der Arbeiten erfolgreich sind und sich entsprechende Firmen finden. Das hat bei anderen Projekten für Schwierigkeiten gesorgt.

Trotz dieser Neuigkeiten gibt es auch Kritik. Wolfgang Zahn (SPD) sitzt sowohl im Stadtrat als auch im Hornhäuser Ortschaftsrat. Schon vor der guten Kunde hatte er sich mit einer Stellungnahme an die Redaktion gewandt. Darin geht er unter anderem auf die Folgen der langen Sperrung ein: „Der Schulsport findet teilweise, wenn überhaupt, provisorisch im Gemeindesaal statt. Einige Vereine haben sich ein Ausweichquartier in Oscherslebens Sporthallen gesucht, andere Sportgruppen schauen derzeit in die Röhre“, schreibt der Ratsherr. Das Thema sei auf der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates erneut angesprochen worden. Auch bei jeder Sprechstunde der Ortsbürgermeisterin Inge Tamm würden Bürger fragen, wie und wann es mit dem Sport in Hornhausen weitergehe.

Vor allem aber schreibt Wolfgang Zahn, dass die Stadtverwaltung selbst mitverantwortlich dafür sei, dass so viel Zeit verstrichen ist. Anfang 2020 habe die Verwaltung den Antrag auf Fördermittel gestellt. „Jedoch hat die Stadt erst am 14. September den Kosten- und Bauplan eingereicht, viel Zeit, die verloren gegangen ist“, so der SPD-Stadtrat. Erst wenn alle Dokumente vorlägen, könne das zuständige Amt entscheiden, eine Bearbeitung brauche Zeit.

Diese Darstellung weist Benjamin Kanngießer zurück. Der Förderantrag sei im September 2019 gestellt worden, der Bauantrag im November 2019. Davon abgesehen müssten bei einem solchen Vorhaben auch andere Stellen mit einbezogen werden. Als Beispiel nennt Benjamin Kanngießer die Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde. Die habe viel Zeit in Anspruch genommen.

Denn weil die Hornhäuser Sporthalle unter Denkmalschutz steht, habe die Behörde die vorhandene Bausubstanz soweit wie möglich erhalten und sanieren lassen wollen. „Das wäre wesentlich teurer und nicht wirtschaftlich gewesen“, so Benjamin Kanngießer. Außerdem seien die Fördermittel bei 100 000 Euro gedeckelt, weil es um eine Sportstätte gehe. „Das heißt, die Mehrkosten wären vollständig zulasten der Stadt gegangen“, so der Bürgermeister. Letztlich habe die Denkmalschutzbehörde den Plänen der Stadt zugestimmt. „Aber da war es schon September 2020“, informiert Benjamin Kanngießer. Die Kosten des Neubaus von Dach und Dachstuhl beziffert Wolfgang Zahn mit rund 400 000 Euro. Auch das ist laut dem Bürgermeister nicht korrekt. Die Arbeiten und die Planung würden rund 250 000 Euro kosten.

In seiner Stellungnahme argumentiert Wolfgang Zahn aber noch auf anderer Ebene: Denn selbst wenn der Förderbescheid komme, würde das Problem nicht gelöst. Vielmehr sei es schade um das Geld, so der SPD-Politiker. Es wäre besser, wenn man nachhaltig investieren würde.

Hintergrund: Die Stadt hat bereits im Sommer eine Konzeptstudie für ein Multifunktionsgebäude erstellen lassen. Dieses soll auf einer Fläche neben dem Hornhäuser Sportplatz entstehen und sowohl die Aufgaben der Sporthalle als auch die des Dorfgemeinschaftshauses übernehmen. Der Ortschaftsrat hatte das Vorhaben befürwortet. Allerdings hatte Benjamin Kanngießer darauf hingewiesen, dass es mit der Umsetzung einige Jahre dauern könne. Für die Finanzierung brauche es zunächst ein geeignetes Förderprogramm. Daher seien die Sanierung der Sporthalle sowie Instandhaltungsarbeiten am Dorfgemeinschaftshaus weiterhin sinnvoll.

Auch Wolfgang Zahn lobt die Idee des Multifunktionsgebäudes. Aber: „Im Sommer hatte der Bundestag ein Sportstättenprogramm aufgelegt“, hält er fest. Auf diesem Wege sei eine Förderquote von 45 Prozent möglich gewesen. „Diesen Strohhalm hätten wir nutzen sollen“, schreibt Wolfgang Zahn. Außerdem führt er an, dass das Multifunktionsgebäude fünf bis sechs Millionen Euro kosten solle. „Vergleiche aus jüngster Zeit in Deutschland zeigen auch, dass es mit gut 3 Millionen machbar wäre“, heißt es in der Stellungnahme.

Im Gespräch mit der Volksstimme hält Benjamin Kanngießer zunächst fest, dass die Konzeptstudie überhaupt keine Angaben zu Kosten enthalte. Das hauptsächliche Problem liege jedoch an anderer Stelle. Wie der städtische Pressesprecher Mathias Schulte berichtet, wurde das besagte Programm im August 2020 aufgelegt. Bis Ende Oktober 2020 musste alles fertig und abgerechnet sein. „Es sollte jedem und vor allem denjenigen, die schon länger in der Kommunalpolitik verwurzelt sind, klar sein, dass sich ein solches Vorhaben nicht in drei Monaten umsetzen lässt“, betont der Bürgermeister.

Zunächst einmal hätte man bei diesem Programm nachweisen müssen, dass ein Neubau wirtschaftlicher sei, als in bestehende Objekte zu investieren. Schon eine solche Berechnung brauche Zeit. Zweitens müssten bei solchen Projekten die politischen Gremien der Stadt eingebunden werden und entscheiden. Drittens bestehe auf der genannten Fläche noch gar kein Baurecht. „Kein Fördermittelgeber stellt Geld zur Verfügung, so lange noch kein Baurecht vorliegt“, so der Bürgermeister. Ein entsprechendes Bauleitverfahren brauche etwa ein Jahr. Auf diese Weise sei der Zeitrahmen schlicht zu knapp gewesen - ganz abgesehen von den hohen Kosten für die Stadt.