Oschersleben l Auf dem Segelflugplatz in Oschersleben haben die Funkamateure des heimischen Ortsverbands ihr Vereinsheim. Direkt am Eingang steht eine große Antenne. Beim Betreten dringt einem ein Gemisch aus Rauschen und Stimmen ins Ohr. In diesem Raum sitzt Peter Hartling vor seinem PC und seinen Funkgeräten. Der Ortsverbandsvorsitzende der Oschersleber Amateurfunker hat seit 1996 die Lizenz zum Funken. Nach Feierabend setzt er sich Zuhause jeden Tag an seinen PC und kommuniziert mit Menschen aus der ganzen Welt.

Lehrgang zum Amateur

Um Amateurfunker zu werden, muss jeder der dieses Hobby ausüben möchte, einen Lehrgang besuchen. Diese werden Online und halbjährig auch in Magdeburg angeboten. Laut Hartling bringen dort Studenten oder sogenannte „Old Mens“ den angehenden Funkamateuren das Handwerk bei. Als „Old Men“ werden die ausgebildeten Funkamateure bezeichnet. In dem Lehrgang geht es um technische und rechtliche Dinge, die zum Funken benötigt werden.

Endlich kommunizieren

Peter Hartling kam vom CB-Funk zum Amateurfunk. Kurz nach der Wende, als es noch keine Smartphones gab und noch nicht jeder ein Telefon besaß, boomte laut Hartling der CB-Funk. „Man konnte endlich kommunizieren wie man wollte“, so der Amateurfunker. Doch die Qualität des CB-Funks habe ihm nicht mehr so gefallen. Deshalb hielt er nach anderen Möglichkeiten Ausschau. Da ihm der Funkerclub in Oschersleben bekannt war, ging er dorthin und informierte sich. Seit 1997 gehört Peter Hartling nun schon zum Ortsverband Oschersleben.

Auf die Frage, warum Peter Hartling dieses Hobby betreibt, nennt er mehrere Gründe. „Es geht in erster Linie um Kommunikation“, sagt Hartling. So hat er bereits mit Menschen aus Italien, Spanien, Polen oder auch Weißrussland per Funk kommunizieren können. Die weiteste Funkverbindung ging nach Neuseeland. „Hier wurden mehr als 12 000 Kilometer überbrückt“, sagt Hartling. Stolz zeigt er seine QSL-Karte. Mit dem Versand dieser Karten bestätigen Funkamateure eine erfolgreiche Funkverbindung. Darauf zu finden sind unter anderem der Name des Funkers, Datum, Uhrzeit und die Frequenz auf der das Gespräch stattgefunden hat. Die Karte wird von jedem Funker selbst gestaltet und an das Verteilungszentrum in Baunatal bei Kassel geschickt. Hier werden die QSL-Karten in die ganze Welt versendet. Anhand der Karten kann ein Funkamateur eine bestimmte Anzahl an Funkkontakten nachweisen und erhält ein Diplom für seine Leistungen. Peter Hartling hat mittlerweile 180 solcher Diplome. In seiner Wohnung, im ehemaligen Kinderzimmer seiner Tochter hängen alle an der Wand. Als Diplomreferent im Distrikt des Ortsverbands Oschersleben, verteilt Hartling auch selbst Diplome.

Reiz des Amateurfunks

Ein weiterer Reiz am Amateurfunk sei laut Peter Hartling an seinem Standort mit den verwendeten Antennen jemanden zu erreichen. „Was passiert jetzt? Hört mich überhaupt jemand? Und dabei helfen wir Funkamateure uns untereinander“, sagt er. Um Menschen zu helfen, die sich mit dieser Art der drahtlosen Kommunikation beschäftigen wollen, seien laut Hartling die Ortsverbände sehr wichtig.

Nachwuchsmangel beim Ortsverband

Doch auch bei den Oschersleber Amateurfunkern mangelt es an Nachwuchs. Momentan gibt es sieben Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt bei 53 Jahren. „Wir sind genauso bescheiden dran wie Feuerwehren“, sagt Peter Hartling. Er vermutet, dass das Interesse an Zusammenhängen und physikalischen Abläufen bei den Jugendlichen nicht mehr so wie früher vorhanden sei. „Man hinterfragt nicht mehr wie das Smartphone funktioniert“, so der Amateurfunker. Viele Amateurfunker haben bereits in der Jugend mit dem Hobby angefangen.

Der Experimentiercharakter sei laut Peter Hartling ein wichtiger Aspekt des Amateurfunks. „Wir sind auch wissenschaftlich anerkannt als Experimentierer, weil wir zum Beispiel die Ausbreitung von Funkwellen testen“, sagt Hartling. Man wisse beim Funken nie, was gehe und was nicht. Umso mehr freue er sich, wenn sich auf einmal jemand auf sein Rufzeichen melde. „Das kann zur Sucht werden“, sagt er.

Nach 24 Jahren ist Hobby immernoch spannend

Beim Amateurfunk gibt es verschiedene Arten zu kommunizieren. Peter Hartling arbeitet gerne im Bereich Kurzwelle. Im Unterschied zur Ultrakurzwelle (UKW) könne er hier weltweit kommunizieren. Bei der Kurzwelle sind die Wetterbedingungen entscheidend. So gehe bei hoher Sonnenaktivität die Kurzwelle sehr weit.

Nach 24 Jahren, die Peter Hartling das Amateurfunken nun schon betreibt, kommt nie Langeweile auf. „Man entdeckt im Laufe der Jahre immer neue Dinge“, sagt der Amateurfunker. Mittlerweile hat er sich auf die digitale Betriebstechnik spezialisiert. Der Vorteil sei hierbei, dass man es nicht höre und er seine Frau nicht störe. Die digitalen Signale werden am PC mithilfe eines Programms gefunkt. In dieses Programm gibt Hartling sein Rufzeichen ein. Damit können ihn die anderen Funker identifizieren. Seine Antennen hat er auf einer Wiese neben dem Wohnhaus aufgestellt.

Im Internet gibt es ein Forum, in dem man das Rufzeichen eingeben und sich über seinen Funkkontakt informieren kann. Auf dieser Seite zeigen Amateurfunker ihr Funkequipement oder auch welche Antennen sie benutzen. „ Ich hab ein Bild von ihm und weiß, möchte er eine QSL-Bestätigung oder nicht“, sagt Hartling.

In diesem Jahr will sich Peter Hartling noch einem neuen Projekt widmen: Funken über den Nachrichtensatelliten Quatar-Oscar 100. Die Technik, die er dafür braucht, baut er sich selbst. Denn Funkamateure sind berechtigt, sich ihre eigenen Geräte zu bauen. „Ich kann dann funken und irgendeiner hört das. Da ist richtig was los“, sagt Hartling. Dass er hier in einer glasklaren Qualität funken könne, sei nochmal ein neuer Reiz. Der Austausch mit anderen Funkern sei hierbei auch eine Option für ihn. „Wir haben die Muße und den Reiz mit unserer Technik, die wir selber aufgestellt haben, was zu erreichen“, so der Amateurfunker.