Wormsdorf l Es ist schwer zu bestimmen, was faszinierender ist – die mit vielen Details gespickte Eisenbahnlandschaft, die ein wenig an die handgemachten Kulissen der früheren Sandmännchen-Folgen erinnern, oder die von zig Metern Elektrodraht durchzogene Unterwelt, die sich dem hockenden Betrachter als wahrer Kabeldschungel offenbart. Klar aber ist: Das eine kann nicht ohne das andere. Das Schienennetz auf der Platte und die darunter verborgenen Signalleitungen sind zweckmäßig voneinander abhängig. Man kann nur erahnen, wie viele Stunden, Probeläufe und auch Misserfolge darin stecken.

„Man wächst ja bekanntlich mit den Aufgaben“, meint dazu Ingolf Göllner, Wormsdorfer Modellbahnfreund der ersten Stunde und Vorsitzender des im April 2009 gegründeten Vereins. „Wir haben das alles selbst aufgebaut, verändern immer wieder mal was, probieren Verschiedenes aus und experimentieren gern mit Materialien oder Formen. Da bleiben Fehlschläge natürlich nicht aus, aber umso größer ist die Freude, wenn es dann endlich funktioniert und gut aussieht.“ Die wenigsten der derzeit 16 aktiven Mitglieder seien von Haus aus „eingefleischte Bahner“, so Göllner. Ergo lernt man stetig was dazu und kann ausgiebig tüfteln. Ist eben so eine klassische Männersache, zumal: „Der Spieltrieb kommt bei uns auch nicht zu kurz, und wir genießen die geselligen Runden, trinken ein Bier zusammen und helfen uns gegenseitig.“

Regelmäßige Bahnertreffen

Freitags ist regelmäßig Bahnertreffen im Vereinsraum am Dorfplatz; manchmal, so wie jetzt im Hinblick auf den Tag der offenen Tür, auch zwischendurch. Dann wird geleimt und gelötet, verziert und verdrahtet. Die Optik ist den Modellbaufreunden wichtig. Die Miniaturwelt, in der die Züge ihre automatisierten Runden drehen, soll möglichst authentisch aussehen – auch auf den zweiten und dritten Blick. Dafür muss die Liebe zum Detail gepflegt werden. Bauten und Landschaftselemente, so ist der Anspruch, sollen in ihrer Struktur und Textur höchst naturalistisch wirken. „In der Hinsicht ist ja immer was zu tun, damit wird man im Grunde nie fertig“, sagt Ingolf Göllner.

Vereinskollege Erhard Kampe aus Wefensleben pflichtet dem bei. Voriges Jahr war er noch Besucher am 3. Oktober, mittlerweile baut er eifrig mit. Aktuell hat er sich einer äußerst filigranen Aufgabe verschrieben, die auch am Tag der offenen Tür zu den vorgestellten Neu- und Besonderheiten der Anlage zählen soll: eine Oberleitung entlang der Schmalspur. Die muss millimetergenau gespannt werden, damit die Loks – die Wormsdorfer verwenden vorwiegend typische RB-Zuggarnituren der 1970er bis 1980er Jahre – sich weder an den Übergängen verhaken noch den Kontakt zum dünnen Draht verlieren. „Die erste Stufe der Fahrleitung wollen wir auf jeden Fall am 3. Oktober präsentieren“, so Kampe.

Unfallfreie Fahrt

„Und gerade weil wir damit ja auch unser zehnjähriges Bestehen feiern, würden wir uns sehr freuen, wenn wieder zahlreiche Gäste auf einen Sprung oder gern auch länger bei uns vorbeischauen“, ergänzt Ingolf Göllner. „Unsere Anlage ermöglicht dank Schattenbahnhof und dem Bahnbetriebswerk mit Ringlokschuppen einen interessanten Fahrbetrieb.“ Fünf Züge gleichzeitig unfallfrei zu rangieren, stelle kein Problem dar – die Modellbahner haben im dichten Kabelwald also den Durchblick behalten.