Neindorf l Freitag kurz nach 10 Uhr auf der schmalen Kopfsteinpflasterstraße, die vom Oschersleber Ortsteil Neindorf in das herbstliche Waldgebiet Hohes Holz führt. Kurz vor Hubertushöhe bildete sich eine lange Schlange von Autos, Kleintransportern und Traktoren mit kleinen und großen Anhängern. In den Fahrerkabinen warteten Frauen und Männer auf der Start der 8. Kamin- und Brennholztage, die der Landkreis Börde als kommunaler Waldbesitzer im Hohen Holz veranstaltete.

Gerald Hering, Verantwortlicher Mitarbeiter des Landkreises Börde für den kommunalen Wald, hatte alle Hände voll zu tun, um den Andrang zu bewältigen. Er dirigierte die Lenker der Fahrzeuge mit ihren Anhängern in die richtige Position. Auf dem Parkplatz am Fuße der höher gelegenen Hubertushöhe lagen riesige Berge von gespaltener Buche und Birke. Eine bärenstarke, überdimensionale Maschine hatte die Stämme zuvor mit lautem Getöse des wahnsinng schnell laufenden Sägeblattes zerschnitten und gespalten. Das Holz purzelte ohne Unterlass in kamingerechter Größe auf den Lagerhaufen. Dort wurde es von der Schaufel eines Radladers erfasst und auf die bereit stehenden Hänger der Holzkäufer gekippt.

Das Holz, das die Kunden aus dem gesamten Bördekreis und darüber hinaus kauften und in ihren Anhängern abtransportierten, stammte aus dem Teil des Hohen Holzes, das dem Landkreis Börde als kommunalem Holzbesitzer gehört. „Wir haben für die Kamin- und Brennholztage einen Vorrat von 200 Festmetern Buche, Eiche und Birke angelegt“, berichtete der Waldverantwortliche Gerald Hering. Mit Blick auf den Andrang kurz nach Beginn des Verkaufs wurde ihm schon ein wenig bange, ob denn der angelegte Vorrat auch reiche. Seine Sorge war unbegründet. Jeder Kunde konnte sein gekauftes Holz nach hause fahren. „Wir kommen den Einwohnern des Kreises mit dem Preis des Holzes sehr entgegen“, betonte Hering. Für einen Schüttmeter gespaltener Buche oder Birke bezahlten die Käufer 50 Euro. Was aus Sicht des Forstfachmanns in der Kreisverwaltung verglichen mit privaten Anbietern ein sehr günstiger Preis sei.

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Der Landkreis Börde verkauft sein Holz auch an Sägewerke, dann jedoch zu anderen Preisen als bei den Kamin- und Brennholztagen. Der erzielte Erlöst fließt in den Kreishaushalt ein. Wobei für den kommunalen Besitzer nicht das Geldverdienen aus dem Holzverkauf im Mittelpunkt steht, sondern die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes mit entsprechender Aufforstung. Um das Hohe Holz als Ort der Erholung für die Einwohner auf lange Sicht zu erhalten. Der Landkreis Börde ist im Hohen Holz mit 730 Hektar der größte Waldbesitzer.

Brennholztage werden zum Pflichttermin

Einer der Kunden, die bei der Aktion des Kreises Holz für den heimischen Ofen kaufte, war Olaf Hoffmann aus Weferlingen. Mit seinem Traktor und den zwei Anhängern war er auf der etwa 40 Kilometer langen Strecke von seinem Heimatort eine Stunde bis ins Hohe Holz unterwegs. „Es ist bei mir schon zur Pflicht geworden, die Kamin- und Brennholztage zu besuchen“, sagte er. Das jetzt beim Kreis im Hohen Holz gekaufte Buchenholz werde daheim in Weferlingen drei Jahre lang lagern bis es so weit getrocknet sei, um im Ofen verheizt zu werden und für wohlige Wärme im 200 Quadratmeter großen Haus zu sorgen. „Mit dieser Menge reiche ich etwa drei Monate“, gab Hoffmann zu verstehen. Weshalb er immer wieder für Nachschub am Brennholz sorgen müsse. Dennoch sei der günstigere Preis gegenüber Öl und Gas für ihn ein unschlagbares Argument, weiter mit Holz zu heizen. Zumal sein Wohnhaus damals beim Bau nicht an das Gasleitungsnetz angeschlossen worden sei.

Neben dem Verkauf des kamin- und ofengerecht gespaltenem Holzes versteigerte der Kreis am Sonnabend einzelne Polter aus verschiedenen Holzarten zwischen zwei bis fünf Raummetern an die Meistbietenden. Verkauft wurde auch Holzkohle, hergestellt aus der Buche des Hohen Holzes.

Doch die Kamin- und Brennholztage des Landkreises Börde auf Hubertushöhe boten noch jeden Menge mehr. Das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt, das Betreuungsforstamt Flechtingen und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald informierten über Wald, Forst und Jagd. Neben einer gastronomischen Versorgung der Besucher in und vor dem Kutscherhaus, gaben das Haus des Waldes Hundisburg sowie der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt des heimischen Waldes. Der Kettensägenschnitzer Andres Uhde ließ sich bei seiner filigranen Arbeit zuschauen und verwandelte schnöde Baumstämme zu Kunstwerken. Unter seinen geschickten Händen und mit der Stärke der Motor getriebenen Kettensägen entstanden hölzernen Unikate unter anderem als Eule und Igel.