Oschersleben l Bürgermeister Benjamin Kanngießer blickt auf 2019 und damit auf das Jubiläumsjahr der Stadt Oschersleben zurück.

Das Jahr 2019 war wegen des Stadtjubiläums ein besonderes Jahr. Welche Höhepunkte hinsichtlich des Stadtjubiläums möchten Sie besonders hervorheben? Welches Ereignis war für Sie besonders eindrucksvoll?
Benjamin Kanngießer:
2019 war wirklich ein besonderes Jahr mit sehr vielen Terminen im Rahmen des Geburtstages der Stadt. Es war eine gute Idee, verschiedene Jubiläumsveranstaltungen über das ganze Jahr hinweg durchzuführen. Was die Höhepunkte betrifft, sind ohne Zweifel der Festumzug und das Stadtfest zu nennen. Der Umzug hat eindrucksvoll gezeigt, was für ein vielfältiges gesellschaftliches und Vereinsleben wir in unserer Stadt haben. Die Wahl der Innenstadt als Ort für das Stadtfest war nach meinem Empfinden die absolut richtige Entscheidung. Also möchte ich sagen, dass dieses Wochenende wohl das eindrucksvollste war. Zugleich hat es ja auch viele weitere Veranstaltungen in unserem Jubiläumsjahr gegeben, darum ist es auch ein bisschen ungerecht, nur ein Wochenende hervorzuheben. Insgesamt hat mich beeindruckt, wie viele verschiedene Vereine und Interessengruppen sich unter dem „Schirm“ des Stadtjubiläums eingefunden haben und ihre Veranstaltungen unter unserem Motto „1025 Jahre Oschersleben“ durchgeführt haben. Und was natürlich als sehr bewegender Moment nicht fehlen darf, ist die Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Das ist etwas, was nicht jedem Bürgermeister vergönnt ist. Das hat mich schon sehr berührt – das gibt’s nicht alle Tage.

Bereits im November konnte der Stadtrat den Haushalt für das Jahr 2020 beschließen. Doch schon vier Wochen später gibt es einen „Nachschlag“ in Höhe von 800 000 Euro. Wie können derartige Dinge in Zukunft vermieden werden, damit der Haushalt tatsächlich eine Konstante ist, mit der ein Jahr lang gearbeitet werden kann?
Naja, den „Nachschlag“ muss man losgelöst von der Haushaltsplanung sehen. Es geht dabei um die umfassende Sanierung der zentralen Sportstätte der Stadt. Auch das ist wie die Schwimmhalle ein Projekt, dass schon lange vor sich hergeschoben wurde. Erste Pläne zur Modernisierung des Jahnstadions gab es schon 1999. Leider gab es von Seiten der Stadtverwaltung immer wieder Gründe, die gegen die zeitnahe Umsetzung des Projektes standen. Jetzt sind wir endlich soweit und haben rund 470 000 Fördermittel erhalten, die es unter zahlreichen Auflagen zu investieren gilt. Auch hier merken wir, wie bei anderen Vorhaben, die für uns ungünstigen Marktbedingungen und hohen Baupreise. Dennoch ist es wichtig, gerade für die vielen Nachwuchstalente unserer Sportvereine vernünftige Trainings- und Spielbedingungen zu schaffen. Eine Investition an dieser Stelle ist eine langfristige Geldanlage für unsere Kinder und Jugendlichen und damit eine Investition in die Zukunft!

Ist der Haushalt schon genehmigt?
Der Haushalt wurde von der Kommunalaufsicht genehmigt. Allerdings muss der Stadtrat noch einen zusätzlichen Beschluss fassen, bevor wir die Haushaltssatzung veröffentlichen können und der Haushalt damit Rechtskraft erlangt. Das werden wir in der Ratssitzung Anfang Januar erledigen und dann können wir zügig unsere vielen Projekte in Angriff nehmen.

Die Stadt hat viel vor. Zahlreiche Bauprojekte können dank verschiedener Fördermitteltöpfe angeschoben werden. Ich denke da nur an das Jugendzentrum. Sie selbst haben einmal gesagt, wir investieren, in Kitas, Schulen, Kinder und Jugendliche. Andererseits gibt es doch eine Reihe von Straßen und Fußwegen, die förmlich nach einer Sanierung schreien. Ist es nicht auch hier an der Zeit, zu investieren?
In jedem Fall, das ist keine Frage. Allerdings muss man berücksichtigen, dass wir kaum alles, was eigentlich notwendig wäre, gleichzeitig anpacken können. Lassen sie mich einige Zahlen nennen: Im vergangenen Jahr haben wir dank sehr guter Arbeit meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zuwendungsbescheide für ca. 5,8 Millionen Euro Fördermittel erhalten. Dies setzt unseren erfolgreichen Kurs der Beantragung und Inanspruchnahme von Fördermitteln fort. Ein Großteil der Mittel fließt im nächsten Jahr in die Sanierung der Diesterweg-Grundschule, der Puschkin-Sporthalle, des Sportkomplexes Wasserrenne und in die Planung zum Umbau der Kindertagesstätte in Hordorf. Doch nicht nur das – auch im Stadtumbauprogramm haben wir vor ein paar Tagen den Fördermittelbescheid für den Bau des Jugendzentrums und die Gestaltung des Bahnhofs-umfeldes erhalten und mit dem Bau der Schwimmhalle geht es im nächsten Jahr los. Jetzt haben wir nur über Schulen, Kitas, Sportstätten und das Jugendzentrum gesprochen und noch kein Wort über die Feuerwehrgerätehäuser verloren, bei denen wir auch dringenden Handlungsbedarf haben. Letztendlich wollen alle diese Projekte durch unseren Fachbereich Bauen und Umwelt begleitet werden. Dafür brauchen wir unsere Ingenieure. Man muss klar sagen: Wir haben mehr notwendige Maßnahmen, als wir durch finanzielle Mittel und Personal abdecken können. Nicht zuletzt muss man sich auch die Frage nach dem gesellschaftlichen Mehrwert von Straßen im Vergleich zu den vorgenannten Projekten stellen. Wem nützt eine Straße, wenn ich Nichts mehr habe, wo ich hinfahren kann?

Was können Sie zum Zeitplan hinsichtlich Schwimmhallenneubau, Jugendzentrum sagen? 
Wir haben mit der BEWOS einen sehr guten Partner für den Bau der Schwimmhalle gewinnen können. Der Bauantrag ist bereits gestellt, deshalb bin ich guter Dinge, dass wir Anfang 2022 bereits soweit sind, die ersten Bahnen dort zu schwimmen. Das Jugendzentrum ist ein weiteres Vorhaben, das ich schon bei der letzten Frage angesprochen habe. Wir haben die Mittel im Haushalt eingestellt, die in den Jahren 2019 bis 2023 verplant und verbaut werden sollen. Der Großteil und damit die sichtbare Bauphase erwarten wir dabei für 2021/2022. Der Neuentwicklung eines ganzen Geländeteils mitten in unserer Stadt messe ich hohe Bedeutung bei. Mit dem Neubau der Schwimmhalle schaffen wir etwas wirklich Nachhaltiges. Wenn Sie sich erinnern, war das Betreuerteam der DRK Wasserwacht Preisträger des diesjährigen Ehrenamtspreises. In der Würdigung kam zur Sprache, wie es um das Schwimmenlernen unserer Kinder in diesem Land steht – nämlich schlecht. Doch nicht bei uns. Mit der Entscheidung zum Bau einer modernen Sport- und Freizeitstätte wirken wir diesem Trend entgegen. Dass wir dazu in der Lage sind, sollte uns alle sehr zufrieden stimmen.

Der zweite Teil des Interviews erscheint am Montag, 30. Dezember 2019.