Gröningen l Beim Zuzugsmanagement handelt es sich um eine Kampagne, die mit Mitteln des europäischen Förderprogramms „Leader“ umgesetzt werden soll. Dabei soll ein externer Dienstleister mit ins Boot geholt werden, um teils seit Jahren leerstehende Gebäude zu vermarkten. Außerdem sollen potentielle Investoren, das können zum Beispiel junge Familien sein, Unterstützung bei Behördengängen sowie in Schulen oder Kitas bekommen. Interessierte sollen also mit positiven Anreizen auf das Land gelockt und der Abwanderung und dem Leerstand entgegengewirkt werden.

Insgesamt will die Verbandsgemeinde für dieses Projekt mehr als 37 000 Euro ausgeben, 29 920 Euro davon sollen über „Leader“ gefördert werden. Neu ist dabei, dass „Leader“-Mittel für Personalaufwendungen verwendet werden.

Laut Verbandsgemeindebürgermeister Fabian Stankewitz sind die Antragsunterlagen für dieses Projekt bei Jörn Freyer, dem zuständigen „Leader“-Manager der Lokalen Aktionsgruppe Börde – hier ist die Verbandsgemeinde neben Oschersleben Mitglied – zugesandt worden. „Diese Unterlagen werden derzeit überprüft und dann an die betreffenden Fördermittelstellen weitergereicht“, erklärte der Rathauschef auf Volksstimme-Nachfrage.

Parallel dazu sei bereits das Ausschreibungsverfahren auf den Weg gebracht worden. Drei Angebote von Beratungsunternehmen lägen schon vor. „Sobald uns die Fördermittelzusage erreicht, wird eine der Firmen beauftragt“, sagte Stankewitz.

„Beachtenswert ist, dass sich auch Alteigentümer hier gebührenfrei fachlichen Rat und Unterstützung einholen können“, lobte „Haus und Grund“. Insbesondere hob der Verein das Engagement des Gröninger Bürgermeisters Ernst Brunner (SPD) hervor. Er „unterstützt diese Maßnahme schon jetzt, um den Kontakt zwischen Eigentümer und zukünftigem Besitzer herzustellen.“

Erste Rückmeldungen von Alteigentümern

Ein zweites Projekt gegen Leerstand alter Häuser und leerer Grundstücke ist das von der Verbandsgemeinde im vergangenen Jahr aus der Taufe gehobene sogenannte Innenraumverdichtungskonzept. In einem ersten Schritt waren zunächst alle betroffenen Immobilien von den Mitarbeitern der Verwaltung und vom Bürgermeister selbst erfasst worden – immerhin rund 200 an der Zahl. Daraufhin wurde damit begonnen, zunächst die Besitzer im südlichen Teil der Westlichen Börde zu ermitteln und anzuschreiben.

Als weiteren Schritt können die Besitzer leerstehender Immobilien Informationstafeln anfordern, die mit der Aufschrift „Haus gefunden! Hier ist Raum für Kreativität“ auf die leerstehende Immobilie sowie auf eine Kontaktadresse eines Verwaltungsmitarbeiters hinweisen. „Den Kontakt zwischen Besitzer und Interessenten stellen wir dann her“, sagte Fabian Stankewitz.

In einem dritten Schritt werden die leerstehenden Immobilien in einem Pool zusammengefasst und im Internet veröffentlicht. So ist unter www.westlicheboerde.de unter dem Link „Wohnen“ eine entsprechende Liste einsehbar mit Angaben etwa zur Größe des Grundstücks, zum Baujahr des jeweiligen Gebäudes oder den noch zu tätigenden Investitionen beispielsweise für die Wasseranschlüsse.

„Es hat bereits erste Rückkopplungen von Besitzern und Nachfragen von Interessenten gegeben“, berichtete der Bürgermeister weiter. So seien erste Besichtigungen und Beratungsgespräche durchgeführt worden.

Außerdem werde derzeit ein aktives Vollstreckungsprogramm verfolgt. „Es gibt Eigentümer, die die Grundsteuer für ihre leerstehende Immobilie nicht zahlen. Hier sollen die Vollstreckungen vorangetrieben werden“, erläuterte der Bürgermeister. Als Beispiel nannte er ein Grundstück in Großalsleben, dass die Stadt Gröningen von dem alten Besitzer über Vollstreckung erhalten hat, um es dann zu beräumen und an weitere Interessenten als Bauland zu veräußern.

Der Verein „Haus und Grund“ wertet die Konzeptideen „als erste Schritte der Verbandsgemeinde, die aufmerksam machen sollen, dass in diesen Häusern mit Kreativität und handwerklichem Geschick für wenig Geld ein neues Zuhause aufgebaut werden kann.“ Auch der Oschersleber Ortsverband unterstütze und entwickele dazu vielfältige Initiativen, „vor allem, wenn es um die Erhaltung und weitere Nutzung des Grundbesitzes geht“, heißt es in der Mitteilung weiter. So gebe es im Ortsverband eine Arbeitsgruppe, die sich um die Belange der Eigentümer leerstehender oder verwahrloster Grundstücke kümmere. Die Vereinsarbeit richte sich sowohl an Alteigentümer als auch an junge Familien, die Wohneigentum erwerben wollen.

Der Verein „Haus und Grund“ Oschersleben ist einer von deutschlandweit weiteren rund 600 Vereinen, die Mitglied im Zentralverband „Haus und Grund“ der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer sind. Damit sind mehr als 900 000 Mitglieder im Verband organisiert.

Kontakt „Haus und Grund“ Oschersleben:

Telefon: 039403/943 02, Email: info@hugoc.boerde-online.de, Internet: www.hugoc.boerde-online.de