Naturschutz

In Wulferstedt ausgewilderter Rotmilan mit Sender ausgestattet

Ein junger Rotmilan wurde in Wulferstedt und Thale erst aufgepäppelt und dann mit einem Sender versehen. Das Rotmilanzentrum in Halberstadt kann das Jungtier nun zeit seines Lebens verfolgen.

Von Yvonne Heyer
Mitarbeiter des Rotmilanzentrums Halberstadt statten  den aufgepäppelten jungen Rotmilan mit einem Sender aus. Mit dem GPS-Tracker kann verfolgt werden, wo sich das Jungtier aufhält, ob es ihm gut geht.
Mitarbeiter des Rotmilanzentrums Halberstadt statten den aufgepäppelten jungen Rotmilan mit einem Sender aus. Mit dem GPS-Tracker kann verfolgt werden, wo sich das Jungtier aufhält, ob es ihm gut geht. Fotos: Angelika Schuhfuß

Wulferstedt/Halberstadt - Eine Spaziergängerin fand vor einigen Wochen im Wulferstedter Park einen Rotmilan. Das Jungtier ist vermutlich aus dem Nest gefallen. Es war nicht verletzt, aber völlig entkräftet. Das Tier wurde in die Obhut von Angelika und Harald Schuhfuß gegeben. Beide engagieren sich in der Vereinigung „Umwelt- und Naturschutz Großes Bruch“. Die Vereinigung züchtet Steinkäuze und wildert diese regelmäßig aus. Momentan haben sie auch einen Waldkauz in Pflege. Man kennt sich also aus.

Doch der junge Rotmilan machte es Harald Schuhfuß schwer. Er wollte einfach nicht fressen. Harald Schuhfuß hatte das Rotmilanzentrum über den Fund des jungen Rotmilans informiert. Leiter Martin Kolbe hat sich das Tier angeschaut. Nach einer Woche erfolgloser Versuche, das Jungtier dazu zu bringen, allein zu fressen, wurde es nach Thale in den Tierpark auf dem Hexentanzplatz gebracht. „Unser Ziel war es ja von Anfang an, den Jungvogel auszuwildern. Das funktioniert aber eben nur, wenn das Tier allein frisst. Sonst ist es dem Tode geweiht“, erklärt Harald Schuhfuß.

Die Pflege im Tierpark war erfolgreich. Der Rotmilan konnte gestärkt für die Auswilderung nach Wulferstedt zurückgeholt werden. Zudem wurde das Tier für eine besondere Mission des Rotmilanzentrums Halberstadt ausgewählt.

Das Rotmilanzentrum am Heineanum in Halberstadt beteiligt sich am Projekt „Life Eurokite“. Das europaweite Programm ging im vergangenen Jahr an den Start. Martin Kolbe betreut das Projekt für Sachsen-Anhalt. Ziel ist es, zu erfahren, was mit den Jungvögeln in den ersten Jahren passiert. Was macht das Tier im Winter? Wo zieht es in den Wintermonaten hin? Woran stirbt möglicherweise ein Jungtier? Um all diese Fragen beantworten zu können, werden die jungen Rotmilane mit einem Sender versehen. Dieser sendet Daten, beispielsweise über den Standort der Tiere, an das Rotmilanzentrum.

Noch am Großen Bruch

Aus dem Rotmilanzentrum Halberstadt kann berichtet werden, dass seit Programmstart im vergangenen Jahr über 100 Jungvögel mit einem Sender versehen werden konnten. Europaweit können die gesammelten Daten eingesehen werden, weiß Martin Kolbe in Halberstadt über die Tiere Bescheid, egal, wo sie sich befinden.

Auch der Jungvogel aus Wulferstedt ist vor seiner Auswilderung vor gut 14 Tagen mit einem Sender, einem GPS-Tracker, versehen worden. Den Sender wird er zeit seines Lebens behalten.

Ausgewildert wurde das Tier am Ortsrand von Wulferstedt, am Schradergraben. Dort beginnt unmittelbar das Große Bruch. Hier sind einige Rotmilan-Paare in verschiedenen Horsten zu Hause. Auch ein Schwarzmilan-Paar sei dabei. „Wir haben das Tier noch einmal in der Nähe gesehen, wo es ausgewildert wurde“, berichtet Harald Schuhfuß. Von Martin Kolbe weiß er, dass sich der junge Greifvogel noch im Großen Bruch aufhält, auch schon am Neuwegerslebener Sohl gesichtet wurde.

Auf der Internetseite des Rotmilanzentrums gibt es im Übrigen ein sogenanntes Besenderungsjournal, das über bereits mit einem Sender ausgestattete Tiere Auskunft gibt.

Der Rotmilan, der hauptsächlich in Deutschland, aber auch in anderen Teilen Europas heimisch ist, ist in seinem Bestand gefährdet. Die Besenderung im Rahmen des von der EU geförderten Programms Life Eurokite soll Aufschluss darüber geben, warum gerade Jungvögel besonders häufig sterben. Statistischen Angaben zufolge liegt die Sterblichkeit bei 40 Prozent. Meist werden Rotmilane durchschnittlich nicht älter als fünf oder sechs Jahre.

Landesweite Kartierung

Aktuell ruft das Rotmilanzentrum Halberstadt zur landesweiten Kartierung der Rotmilanbestände 2021/022 auf. Die letzte Kartierung liege bereits neun oder zehn Jahre zurück. Mithilfe zahlreicher freiwilliger Helfer konnte ein Großteil der Kartierung bereits abgeschlossen werden. Der Rest solle in der nächsten Brutsaison, also 2022, erfolgen.

Wer sich an der Kartierung beteiligen möchte, kann sich unter kartierung@rotmilanzentrum.de anmelden und sich zudem auf der Internetseite über die Kartierung und die fehlenden Areale informieren. Im Halberstädter Heineanum gibt es eine Rotmilan-Ausstellung, die über die Greifvögel, ihren Lebensraum und vieles mehr informiert.