Oschersleben l Als Sprung ins kalte Wasser mit allen Risiken bezeichnet Hans Wöltge die Gründung des Vereins „Jugendhausprojekt Lebenswelt“ vor 20 Jahren. Am 23. Mai 1997 erfolgte die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister.

Exakt 20 Jahre später wurde in Oschersleben der 20. Geburtstag der heilpädagogischen Einrichtung der stationären Jugendhilfe gefeiert. „Diesen besondere Tag möchte ich vor allem nutzen, um allen Mitarbeitern und allen Wegbegleitern und Vereinsmitgliedern, allen voran dem Vorstandsvorsitzenden Ingo Dittrich Danke zu sagen“, meint der Mann der ersten Stunde, Hans Wöltge.

Heilpädagogische Einrichtung

Das ist für ihn schon deshalb ein besonderes Bedürfnis, da sich der 65-Jährige so langsam aber sicher aus „seinem“ Projekt zurückziehen und die Amtsgeschäfte seinem Sohn übergeben wird.

Bilder

„Unsere Kollegen leisten hier keine einfache Arbeit. Gerade deshalb gebührt ihnen Dank und Anerkennung. Und obwohl es im Alltag mitunter nicht ganz einfache Probleme zu meistern gilt, Schichtarbeit und Dienste rund um die Uhr und auch an Feiertagen anstehen, halten uns viele der inzwischen 21 Mitarbeiter schon über einen langen Zeitraum die Stange, gibt es nur eine geringe Fluktuation", so Wöltge.

"Das spricht für ein gutes Arbeits- und Betriebsklima“, ist Hans Wöltge überzeugt. In diesem Zusammenhang hob er insbesondere Verwaltungsmitarbetierin Heidrun Boek und Ines Strebe hervor, die von Anfang an dabei sind.

Gutes Arbeitsklima

Andererseits sei es für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen, die in den Häusern des Jugendhausprojektes in Oschersleben und Barneberg betreut werden, enorm wichtig, verlässliche Ansprechpartner zu haben. In den Familien, aus denen die Schützlinge kommen, haben sie oftmals anderes erlebt.

Für sie und ihre weitere Entwicklung sei es wichtig, dass sie mit Hilfe ihrer Betreuer und Erzieher in ruhigeres Fahrwasser gelangen. Dabei habe sich die Zusammenarbeit mit den Familien, Jugendämtern, Kliniken und Ärzten bewährt. Hans Wöltge hob auch die Schulen und Lehrer hervor, die dafür sorgen, dass die Schützlinge nicht mit einem „Stirnband“ den Schulalltag meistern müssen.

„Bei unserer Arbeit genießt die intensive Einbeziehung der Herkunftsfamilien unserer Jugendlichen oberste Priorität. Wir sitzen alle in einem Boot, rudern in die gleiche Richtung“, so Hans Wöltge.

Zusammenarbeit vieler Partner

In Oschersleben stehen dem Jugendhausprojekt zwei Wohnhäuser zur Verfügung. Ein Zweifamilienhaus bietet Platz für neun männliche Jugendliche ab 14 Jahren. Im Kellerbereich gibt es eine Reparaturwerkstatt und einen Fitnessraum.

Das Haus ist Begegnungsstätte der Jugendlichen aller Wohnhäuser. Im Haus zwei leben neun Mädchen und Jungen ab zwölf Jahren. Im Wohnhaus Barneberg stehen neun Plätze für Jungen und Mädchen zwischen 7 und 15 Jahren zur Verfügung.

Rund 900 Kinder und Jugendliche sind in den vergangenen 20 Jahren durch die Hände der Erzieher gegangen. „Dank einer individuellen Betreuung geben wir ihnen ein gutes Rüstzeug für ihr weiteres Leben mit oder konnten sie wieder in ihre Familien ‚entlassen‘. Unsere Arbeit hilft auch den Eltern“, so Hans Wöltge.

900 Kinder betreut

Die dem Jugendhausprojekt „Lebenswelt“ anvertrauten Schützlinge werden nicht selten nach dem Besuch verschiedener Schulformen wie Förderschule, Realschule oder Gymnasium bis ins Berufsleben begleitet.

Stolz sind Hans Wöltge und seine Mitstreiter, dass es Jugendliche, die einst mit großen Problemen in die „Lebenswelt“ kamen, sogar bis zum Studium geschafft haben. „Das Jugendhausprojekt ‚Lebenswelt‘ war das Sinnvollste, was ich in meinem Berufsleben getan habe“, fasst Hans Wöltge zusammen.

Anlässlich des 20. Geburtstages erntete die Jugendhilfeeinrichtung viele lobende Worte. So richtete Jugendamtsleiter Nik Mostaller nicht nur die Grüße des Landrates aus.

Lobende Worte

„Mit zehn Plätzen in einer angemieteten Wohnung hat alles begonnen. Inzwischen ist das Jugendhausprojekt bei 27 Plätzen angelangt. Sie sind nicht nur landesweit anerkannt. Wenn man bedenkt, dass es in Sachsen-Anhalt 14 Jugendämter gibt und die Einrichtung mit 30 Jugendämtern zusammenarbeitet, hat sich ‚Lebenswelt‘ bundesweit einen guten Namen gemacht“, so Nik Mostaller.

Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) spricht von einer Erfolgsgeschichte. Der Jugendamtsleiter wie auch das Stadtoberhaupt hatten eine finanzielle Zuwendung als Geburtstagsgeschenk mitgebracht. Die Finanzspritzen sollen für die anstehenden Ferienfahrten verwendet werden.

Die Gäste der Jubiläumsfeier verewigten sich übrigens auf eine besondere Weise. Sie hinterließen ihren Namen auf Steinen, die im Garten des Jugendhausprojektes ihren Platz finden werden.