Wulferstedt l Gleich eines vorneweg: Die während der Session an den Tag gelegte Professionalität der Darbieter würde so manch langjährig Mitwirkenden bei der Mainzer Fastnacht oder dem Kölner Karneval wohl vor Neid erblassen lassen, hätte er sich das Wulferstedter Programm angeschaut.

Punkt 20.11 Uhr startet die Prunksitzung mit dem Einzug der Mitwirkenden sowie der Bühnenarbeiter. Mit lockerer Zunge führt Julia Hohmann durch das Programm und kündigt den ersten Auftritt des Abends an. So bieten die Mädels der Gardetanzgruppe in ihren blauweißen Uniformen was fürs Auge. Nach flotten Rhythmen rekeln sich die jungen Damen nach einer Choreografie mit modernen und klassischen Elementen.

Witz auf Witz in der Bütt

Dann bekommen die Lachmuskeln des närrischen Publikums viel zu tun. Jan Hohmann als verbitterte Seniorin und Robert Jäger als griesgrämiger Senior teilen in einer Bahnhofskneipe gegenseitig aus – dabei landen einige Sprüche schon mal unter der Gürtellinie. So erzählt der Rentner der Seniorin: „Meine Frau und ich waren 30 Jahre lang die glücklichsten Leute. Dann haben wir uns kennengelernt.“ Anschließend berichtet die Seniorin von ihrer lustlosen Ehe. Antwort Senior: „Na wenn ich mir sie so anschaue, kann ich das verstehen.“ Am Ende des Gesprächs in der Bahnhofskneipe erhebt sich die ältere Dame, fasst sich an den Rücken und sagt: „Och, jetzt hab ich einen Hexenschuss.“ Antwort Senior: „Jetzt schießen die schon auf die eigenen Leute.“

Bilder

Nach einem Einsatz der „Musikalischen 3“ Karolin Köhler, Kristin Scharkowski und Claudia Geßner, bei dem es kaum einen der bunt verkleideten Gäste auf den Sitzen hält, gibt es wieder Training für die Lachmuskeln. Benedigt Jäger als Franz Joseph lässt während seiner Bütt Witz auf Witz folgen. „Mit der neuen Brille siehst du total bescheuert aus.“ „Aber ich habe doch keine Brille.“ „Nee, aber ich.“ So erzählt der Grantel immer wieder Begebenheiten aus seinem wohl nicht so erfüllten Leben. Die Gäste kommen dabei vor Lachen nicht in den Schlaf und danken es am Ende des Auftrittes mit langanhaltendem Applaus und Zugabe-Rufen.

Doch mit den „Fanta Zwei“ Michael Katz und Reiner Reimann steht schon der nächste Programmpunkt an. Mit bekannten Schlagerhits und fetten Baselines bringen auch sie das Publikum so richtig in Wallung.

Lehrermangel aufs Korn genommen

Dann ist das Damenballett dran. „Unser Aushängeschild“, wie Karnevalspräsident Enrico Tripp verrät. Doch mit Ballett, ganz klassisch wie „Schwanensee“, hat dieser Auftritt rein gar nichts zu tun. In sexy Outfits stürmen die hübschen Damen die Bühne und schwingen zu technoider Tanzmusik nicht nur ihre Beine. Bis auf die Straße hinaus sind die lautstarken Jubelrufe des närrischen Publikums zu vernehmen.

Auch im Anschluss wollen die Schläge auf die Lachmuskeln einfach kein Ende nehmen. Nach 90 Minuten ist gerade einmal die Hälfte des Programms vorbei – die Gäste können sich glücklich schätzen. Es folgt eine Büttenrede von Robert „Atze“ Köhler, der als Amor Flirttipps für alle Singles dabei hat. Dann folgen Sketch auf Sketch, viel Musik und natürlich der Auftritt des Männerballetts. Dabei geht es in die Schweiz, wie an der traditionellen Kleidung unschwer zu erkennen ist.

Anschließend wird’s politisch, wenn die Mitwirkenden den Lehrermangel auf’s Korn nehmen. So probieren sich Quereinsteiger wie eine Kosmetikerin (Jenno Kehrmbaum), ein Pantomime (Enrico Tripp), eine Stewardess (Uta Isensee), ein Arzt (Kristin Scharkowski), zwei Assistenten (Andreas und Thomas Beusse), ein Reporter (Julia Hohmann) sowie ein Inder (Benedigt Jäger) im Klassenzimmer aus.

Es folgen ein gemischtes Ballett und weitere Musikdarbietungen, die an dieser Stelle nur erwähnt werden sollen. Schließlich stehen weitere Prunksitzungen am Freitag, 1. März, sowie am Sonnabend, 2. März, auf dem Plan. Mehr soll dem künftigen Publikum nicht verraten werden.

Das Ende der Karnevalssaison in Wulferstedt wird am Sonntag, 11. März 2019, um 15 Uhr mit einem Umzug durch den Ort eingeleitet.