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Barocker Taufstein kehrt in die Marktkirche zurück Kleinod vor 350 Jahren gestiftet

25.10.2011, 04:22

Oschersleben (jng) l Ein Kleinod aus der Barockzeit wurde vor 350 Jahren gestiftet. Jetzt kehrt der Taufstein wieder in das Kirchenschiff der Marktkirche St. Nicolai zurück. Die Gemeinde feiert seine Rückkehr mit einem prächtigen Gottesdienst am 31. Oktober, dem Reformationstag, ab 17 Uhr. Dann erhält der Taufstein einen allen Besuchern sichtbaren Platz in der Nähe des Grabsteines von Samuel Gelhudius, der den Wiederaufbau der Marktkirche von 1660 an erfolgreich leitete. Geschichtsbewusste Bürger und Interessierte sind zu diesem Anlass in der Marktkirche herzlich eingeladen.

Der barocke Taufstein hat übrigens eine bewegte Geschichte. Nur wenige Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges traf Oschersleben 1659 die schwerste Katastrophe seiner Stadtgeschichte. Von 265 Häusern brannten 206 nieder, mit ihnen Schule, Pfarrhaus und die Nicolaikirche, deren Inneneinrichtung völlig vernichtet wurde. Trotz der unbeschreiblichen persönlichen Not setzten die Bürger alles daran, die Marktkirche schnell wieder aufzubauen. Als pastor primarius, also als Oberpfarrer, war Samuel Gelhudius 1660 nach Oschersleben berufen worden.

Er trug maßgeblich dazu bei, dass bereits ab 1660 wieder Gottesdienste in der Kirche gehalten werden konnten. Auch um den Wiederaufbau des Pfarrhauses 1661 hat er sich verdient gemacht. In der Balkeninschrift wird dort an ihn und zwei Oschersleber Kirchväter als Bauherren erinnert. Ein Teil der Stadt, die Dammvorstadt, war damals vom Brand verschont geblieben. Neben ihrem Einsatz, die Not ihrer Mitbürger zu lindern, stifteten sie 1661 aus Dankbarkeit einen wertvollen Taufstein, der in seiner barocken Pracht ein Zeichen für die große Opferbereitschaft der "Dammleute" ist. Er trägt die Widmung: "Zur Ehre Gottes haben semptliche Damleute hieselbst diesen Taufstein gegeben, Anno 1661, den 1. Martii."

Nach dem Bau der jetzigen Nicolaikirche im Jahr 1881 passte der barocke Taufstein nicht mehr zum Stil der neugotischen Hallenkirche. Daher wurde er in die Taufkapelle umgesetzt und ist dort jahrzehntelang als Taufstein benutzt worden. Zu seinem 350. Stiftungstag kehrt er nun wieder in das Kirchenschiff zurück.