Oschersleben (az) l Der jüngste Zeitungsbericht über den Plan von FUWG-Stadtrat Gints Metra, in der Hasenkuhle einen Bikepark zu errichten, hat für unterschiedliche Reaktionen gesorgt. Auf der Internet-Plattform Facebook gab es positive Resonanz. Andere machen sich hingegen Sorgen. Einer von ihnen ist Lutz Miehe. Der Oschersleber hat der Redaktion einen Leserbrief geschrieben. Dabei geht er vor allem auf das Thema Naturschutz ein.

„Überall auf der Welt sind die Veränderungen des Klimas und der natürlichen Umwelt spürbar“, schreibt Lutz Miehe. Man müsse nicht in den Harz fahren, um das dortige Baumsterben zu betrachten und eine Vorstellung von den Veränderungen in der Natur zu bekommen. „Wir erleben gegenwärtig auch in Oschersleben unter anderem einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt“, hält Lutz Miehe fest. Das mache sich beispielsweise an der Zahl der Insekten bemerkbar. Ursache für den Artenrückgang sei, dass den Tieren immer weniger Lebensraum eingeräumt werde. „Gerade in der stark monokulturell geprägten Landwirtschaft in der baumarmen Magdeburger Börde ist dieser Prozess besonders ausgeprägt“, führt Lutz Miehe aus.

Mit Verwunderung gelesen

Vor diesem Hintergrund habe er den Artikel zum Bikepark mit einiger Verwunderung gelesen. Vor einer Nutzung der Hasenkuhle könne er nur dringend warnen, so Miehe. „Sie wäre ein weiterer Baustein auf dem Weg, unsere natürlichen Lebensbedingungen zu zerstören“, erklärt der Oschersleber. „Es ist immer leicht, bei der Frage der Rettung unseres Planeten auf die ‚große Politik‘ zu verweisen. Doch die Erde retten oder zerstören wir Menschen vor Ort - auch in Oschersleben.“

Zum Hintergrund: Derzeit gibt es in Oschersleben zwei Pläne, einen so genannten Bikepark zu errichten - also ein Gelände, auf dem Radsportler trainieren können. Die Stadtverwaltung hat dafür ein Gelände an der ehemaligen Bahntrasse Richtung Braunschweig im Blick. Gints Metra hält die Hasenkuhle für geeigneter. Zum Für und Wider gibt es verschiedene Argumente. Ob ein solches Projekt in der Hasenkuhle genehmigungsfähig ist, muss noch in Abstimmung mit dem Landkreis geklärt werden.

Die Volksstimme hat sich an Gints Metra gewandt und auf die Kritik durch Lutz Miehe hingewiesen. Der FUWG-Ratsherr erklärt, dass auch ihm die Umwelt am Herzen liege. Aber: „Man sollte den Naturschutz eher als Entwicklung in Betracht ziehen und nicht alles beim Alten lassen“, so Gints Metra. Dass sich die Artenvielfalt verringere, sei ein weltweites Problem. Die Börde sei ein landwirtschaftlich geprägtes Gebiet. In dieser Hinsicht sei der fruchtbare Boden „Segen und Fluch zugleich“. Da auch rings um die Hasenkuhle Landwirtschaft betrieben werde, sei das Areal relativ isoliert. „Die Tiere, die da ein Zuhause finden, pendeln höchst wahrscheinlich zwischen Hasenkuhle und Hohem Holz hin und her. Die Insekten haben auch kaum Möglichkeiten, diese ‚Landwirtschaftsprärie‘ zu überqueren“, erläutert Gints Metra.

Hasenkuhle bewusst gewählt

Letztlich habe man die Hasenkuhle aber bewusst gewählt. Nicht zuletzt wegen ihrer Funktion als Naherholungsgebiet. Es solle nicht zerstört werden, sondern auch den Besuchern des Bikeparks zugute kommen. In diesem Zusammenhang weist der FUWG-Stadtrat darauf hin, dass die vorhandene Streuobstwiese erhalten bleiben und künftig durch Bienenvölker genutzt werden solle. Die natürliche Vielfalt wolle man durch die gezielte Ausbringung von geeignetem Saatgut vergrößern. Die Bäume wolle man pflegen. Der Landkreis Börde hatte bereits mitgeteilt, dass die Nutzung der Hasenkuhle, falls überhaupt, nur unter der Bedingung genehmigt werden könne, dass es an anderer Stelle eine Ersatzaufforstung gibt.

In diesem Zusammenhang erklärt Gints Metra, dass für den Bikepark an der ehemaligen Bahntrasse eine sechsstellige Summe eingeplant ist. Einen Teil des Geldes könne man für die Aufforstung nutzen, falls man stattdessen den Standort in der Hasenkuhle wähle. Auf der anderen Seite sei es beispielsweise denkbar, Bäume auf der ehemaligen Bahntrasse zu pflanzen, um diese als Naherholungsgebiet attraktiver zu gestalten.

Gleichzeitig betont der Ratsherr, dass es sich um ein persönliches Projekt handelt, nicht um eines der FUWG. Er hoffe auf eine fraktionsübergreifende Diskussion.