Beckendorf-Neindorf l Die Orte Beckendorf und Neindorf sind schon lange miteinander verbunden. Wie Wolfgang Nehring erklärt, erfolgte der Zusammenschluss der Verwaltungen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. „Wir betrachten uns als Gemeinschaft, auch wenn die beiden Dörfer anfangs einen ganz unterschiedlichen Charakter hatten“, sagt der Ortsbürgermeister.

Neindorf gehe auf einen Gutshof zurück und sei auch durch das Krankenhaus geprägt worden. In Beckendorf seien dagegen lange vor allem Land- und Forstwirtschaft maßgeblich gewesen. Heute verfüge der Ort über 379 Einwohner. In Neindorf seien es 229. Gemeinsam habe man früher schon mehr als 800 Bürger vorweisen können. Das sei ein Schwund. Aber trotzdem: „In beiden Orten gibt es ein intaktes Dorf- und Vereinsleben“, betont Wolfgang Nehring.

Alle halten gut zusammen

Das merke man, wenn es etwas zu feiern gebe - zum Beispiel bei Jubiläen. „Es macht einen als Bürgermeister froh, dass alle zusammenstehen“, so der Ortsbürgermeister. Ein solcher Zusammenhalt sei eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung beider Orte. Dieselbe Solidarität spüre man jedoch auch in schwierigen Situationen. Das sei zum Beispiel beim letzten Starkregenereignis der Fall gewesen. Vor allem in Beckendorf hinterließ es deutliche Schäden. Viele sind mittlerweile behoben.

Wie Wolfgang Nehring ausführt, sind Neindorf und Beckendorf auch als Wohnstandort attraktiv. „In letzter Zeit wurden sieben oder acht neue Häuser gebaut“, so der Ortsbürgermeister. Auch sonst handele es sich keineswegs um Schlafdörfer. Es gebe zirka 15 Gewerbebetriebe, zwei Gaststätten, eine sehr gut besuchte Kindertagesstätte, zwei Feuerwehren nebst den dazugehörigen Fördervereinen, einen Reiterhof, mehrere Freiberufler, eine sehr aktive Volkssolidarität, eine Physiotherapie sowie landwirtschaftliche Betriebe und die schon genannte Bördeklinik.

Nur Geschäfte gebe es leider keine mehr - abgesehen vom Bäcker im Krankenhaus. Dabei wären gerade sie laut Wolfgang Nehring wünschenswert. Denn sie könnten für die Bürger als Knoten- und Kontaktpunkt dienen und auf diese Weise das Ortsleben befördern. Dessen ungeachtet zieht Wolfgang Nehring ein positives Fazit: Gerade Beckendorf sei im Zuge der Dorferneuerung gut vorangekommen. Viele Wege und Straßen seien instand gesetzt worden. Wünschenswert sei noch die vollständige Umstellung der Beleuchtung auf eine energiesparende Variante. Wolfgang Nehring zeigt sich jedoch optimistisch, dass Beckendorf-Neindorf das als Bestandteil der Stadtgemeinschaft Oschersleben werde umsetzen können.

Allgemein liegt dem Ortsbürgermeister eines am Herzen: „Um erfolgreich zu sein, müssen die Dörfer in etwas Größeres eingebunden sein“, betont Wolfgang Nehring. Vor diesem Hintergrund sei die Eingemeindung nach Oschersleben ein guter Schritt gewesen. Doch der Ortsbürgermeister verbindet damit auch Wünsche für die Zukunft: „Das Hohe Holz und teilweise auch das Große Bruch sind Trümpfe, die wir als Dörfer mitgestalten können“, führt Wolfgang Nehring aus.

Waltpädagogisches Zentrum

So sei es unter anderem wichtig, die Wanderwege im Hohen Holz instand zu halten. Auch ein Netz von Radwegen sei sinnvoll. Nicht zuletzt hätten Beckendorf und Neindorf ein großes Interesse daran, dass das waldpädagogische Zentrum auf Hubertushöhe tatsächlich eingerichtet werde. Dabei handelt es sich um einen Plan, den der Landkreis Börde verfolgt. Auf der einen Seite soll damit die Attraktivität des Hohen Holzes vorangebracht werden. Auf der anderen Seite sollen große und kleine Besucher für die Natur und die Einflüsse des Menschen sensibilisiert werden. Die Pläne für das waldpädagogische Zentrum existieren bereits seit einigen Jahren. Es gibt im Kreistag aber auch Widerstand gegen die Art der Umsetzung. Die Diskussion läuft noch.

Mit Blick auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept erläutert Wolfgang Nehring: Es sei sinnvoll, auch die Dörfer als Wohnungsbaugebiete weiter zu entwickeln und vorhandene Gebäudesubstanz wo immer möglich zu erhalten. In Einzelfällen werde es auch Abrisse geben - zum Beispiel, wenn es einfach zu aufwändig sei, ein Gebäude wieder nutzbar zu machen. Erfreulich sei jedoch, dass in Neindorf fast keine Lückenbebauung mehr möglich sei. In Beckendorf seien dagegen noch Grundstücke vorhanden. Das gelte auch für den Rand des Ortes.

„Langfristig müssen wir über einen möglichen Neu- oder Anbau für die Kita nachdenken“, sagt Wolfgang Nehring. Das Sport- und Freizeitangebot müsse auf seinem jetzigen Niveau gehalten werden. Der öffentliche Personennahverkehr in Form der Busverbindungen dürfe nicht weiter ausgedünnt werden. Wichtig ist für Wolfgang Nehring auch die Frage, was mit dem Schloss und der dazugehörigen Kirche in Neindorf geschehen soll? „Hoffentlich gibt es eine sinnvolle Nachnutzung. Es wäre schade, wenn die Gebäude leerstehen und verfallen“, führt der Ortsbürgermeister an. Auch der Park müsse in diese Nutzung mit einbezogen und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Zum Abschluss erklärt Wolfgang Nehring: „Mein Credo ist es, auf dem Vorhandenen aufzubauen - nach dem Motto: Zukunft braucht Vergangenheit. Und die Basis ist gut.“