Oschersleben l Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig. Die Betroffenen haben meist einen langen Weg hinter sich und mussten schwere Schicksalsschläge erleiden. Aktuell wird ihre Situation noch durch den Winter verschärft. Mancher mag die kalte Jahreszeit als unangenehm empfinden. Für Menschen ohne Unterkunft kann sie gefährlich sein.

Deshalb gibt es in Oschersleben eine spezielle Einrichtung. Sie wird vom Kreisverband Börde des Deutschen Roten Kreuzes betrieben. Dafür hat das DRK einen Vertrag mit der Stadt geschlossen. In der Einrichtung können Obdachlose vorübergehend unterkommen.

Vorübergehend und maximal drei Tage

Auf der jüngsten Sitzung des Oschersleber Stadtrates erklärte Gerd Ludwig als Fachbereichsleiter Ordnung und Sicherheit: „Die Gemeinde Sülzetal ist an die Stadt herangetreten, um zu fragen, ob es möglich wäre, Obdachlose hier unterzubringen.“ Auf der Tagesordnung der Sitzung stand eine entsprechende Zweckvereinbarung beider Kommunen. Der Gemeinderat des Sülzetales hat ihr bereits zugestimmt. Wie Jörg Methner als Bürgermeister des Sülzetales erklärt, soll das Thema zwar noch einmal behandelt werden. Dabei gehe es aber vorrangig um redaktionelle Änderungen.

Wie Methner informiert, gebe es im Sülzetal durchaus Möglichkeiten, Obdachlose unterzubringen. Man sei jedoch an einer „interkommunalen Zusammenarbeit“ interessiert. Das sei nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll. „Wir werden auch bei anderen Themen schauen, ob wir zusammenarbeiten können. Das würde einiges vereinfachen“, so der Gemeindebürgermeister.

Vereinbarung zwischen Stadt und Sülzetal

Laut Vereinbarung überweist das Sülzetal der Stadt Oschersleben künftig einen pauschalen Betrag von 5000 Euro pro Jahr. Damit seien alle „Kosten und Aufwendungen“ abgegolten. Im Gegensatz verpflichtet sich die Stadt dazu, „täglich drei Plätze zur Unterbringung von Obdachlosen für die Gemeinde Sülzetal in angemessener Qualität und Ausstattung“ vorzuhalten. So heißt es in der Vereinbarung.

Sollte weiterer Bedarf bestehen, können laut Zweckvereinbarung auch mehr Obdachlose aus dem Sülzetal untergebracht werden. Zumindest, solange die Stadt Oschersleben die Kapazitäten nicht selbst benötigt. Auch das sei mit der Pauschale abgegolten.

Kein Platzmangel zu erwarten

Platzmangel ist laut Gerd Ludwig nicht zu erwarten: Wie der Fachbereichsleiter auf der Stadtratssitzung erklärte, verfügt die Obdachlosenunterkunft über zehn Plätze. Bei Bedarf sei es möglich, die Kapazität um drei oder vier Betten aufzustocken. Aber: „Die zehn Plätze haben wir noch nie ausgelastet“, so Gerd Ludwig.

Ein besonderer Zustrom aus dem Sülzetal ist laut Jörg Methner nicht zu erwarten. „Wir haben zwei oder drei Fälle pro Jahr, in denen wir einen Obdachlosen unterbringen müssen“, so der Gemeindebürgermeister. Tatsächlich habe es bereits in der Vergangenheit eine punktuelle Zusammenarbeit mit Oschersleben gegeben. In diesen Fällen habe der Bereitschaftsdienst der Gemeinde mit einem Dienstwagen einen Obdachlosen in die Stadt gebracht. Nun wolle man diese gelebte Praxis mit einem Vertrag untersetzen.

Rat hat einstimmign angenommen

In den Ratsunterlagen wird explizit festgehalten, dass es bei der Zusammenarbeit nur um die Unterbringung geht. „Die Fürsorgepflicht der Gemeinde Sülzetal gegenüber den Betroffenen bleibt unberührt“, heißt es in der Beschlussvorlage. Der Text der Zweckvereinbarung präzisiert: „Sämtliche sonstigen Betreuungsleistungen, welche den Obdachlosen zu erbringen sind, obliegen weiterhin der Gemeinde Sülzetal (…).“ Dazu gehören laut Jörg Methner unter anderem die soziale Betreuung, aber auch Hilfe bei gesundheitlichen Problemen. Die Vereinbarung ist unbefristet. Sie soll zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Der Rat hat sie einstimmig angenommen.