Oschersleben l Der Unfall ereignete sich auf der Landesstraße 24. Wie die Polizei mitteilt, war ein 30-Jähriger mit einem Skoda von Gröningen Richtung Oschersleben unterwegs. In einer Kurve trat ein Reh auf die Fahrbahn. Der Skoda-Fahrer versuchte auszuweichen.

Dabei verlor er die Kontrolle über sein Auto. Der Wagen kam von der Straße ab, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Der 30-Jährige wurde leicht verletzt. Er kam zur Behandlung ins Krankenhaus nach Halberstadt. Später wurde er wieder nach Hause entlassen, so die Polizei.

Kein Einzelfall

Wie die Beamten gestern mitteilten, kam es bereits am vergangenen Sonnabend gegen 19.50 Uhr zu der Begegnung von Auto und Reh. Es war kein Einzelfall. Volker Rauhut vom Polizeirevier Börde in Haldensleben erklärt, dass es allein am zurückliegenden Wochenende sieben Wildunfälle im Landkreis Börde gab. „Im Grunde kommt es jeden Tag zu welchen“, so der Polizeioberkommissar. Insgesamt hätten sich 2019 schon 1223 Wildunfälle im Kreis ereignet. Im kompletten Jahr 2018 waren es 1613.

Vor diesem Hintergrund bittet die Polizei alle Verkehrsteilnehmer, „sich auf diese Situation besser einzustellen“. „Die meisten Wildunfälle ereigneten sich in der Dämmerung und in der Nacht. Sie stehen in Zusammenhang mit den Phasen erhöhter Aktivitäten des Wildes“, heißt es in einer Mitteilung des Reviers. Zu hohe Geschwindigkeit erhöhe die Unfallgefahr erheblich.

Absoluter Schwerpunkt bei den Verkehrsunfälle

Deshalb bittet die Polizei darum, dass Tempo zu reduzieren und das Verkehrsschild „Achtung Wildwechsel“ zu berücksichtigen. „Nehmen Sie Wild an der Straße wahr, abblenden und abbremsen. Immer mit mehreren Tieren rechnen, keine waghalsigen Ausweichmanöver riskieren“, betonen die Beamten. Falls es doch zu einem Wildunfall kommt, sollten Betroffene unverzüglich die Polizei oder den zuständigen Jagdpächter kontaktieren.

Auch Klaus Glandien als Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Oschersleben betont die Wichtigkeit des Themas: „Es zeichnet sich ab, dass Wildunfälle 2019 in der Unfallstatistik wieder ein absoluter Schwerpunkt werden“, erklärt er. In der Hauptsache gehe es um Rehe und Wildschweine. Gerade im Herbst weise die Kreisverkehrswacht bei jeder Schulung auf die drohenden Gefahren hin.

Grundsätzlich gebe es überall im Landkreis viel Wild. Ein besonderes Risiko bestehe dort, wo Wald oder Baumgruppen an eine Straße angrenzen. Schwerpunkte seien beispielsweise die Strecke zwischen Neindorf und Beckendorf, die Bundesstraße 245a an der Landesgrenze zu Niedersachsen, das Hohe Holz sowie der Bereich zwischen Badeleben und Sommerschenburg. Dort werde die Straße gerade besonders viel befahren, weil sie wegen Arbeiten zwischen Völpke und Badeleben als Umleitung dient.

Gefahren von Wildunfällen mit Technik verring

Um Autofahrer zu warnen, hat die Kreisverkehrswacht Oschersleben rote Dreiböcke aufgestellt. Grundsätzlich gebe es eine ganze Reihe von technischen Vorkehrungen, um die Gefahr von Wildunfällen zu verringern, so Klaus Glandien. In der Vergangenheit wurden zum Beispiel Duftzäune eingesetzt, um die Tiere von der Straße fernzuhalten. Das habe sich aber nicht „hundertprozentig bewährt“. Normale Zäune seien effektiv. „Aber man kann nicht überall Zäune aufstellen“, fasst der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht zusammen.

An der B 245a bei Hohnsleben gibt es ein besonderes Pilotprojekt, das laut Glandien mit Mitteln des Bundesverkehrsministeriums umgesetzt wurde. Dort stehen spezielle, grüne Pfosten an der Straße. Wenn sie von Scheinwerfern angestrahlt werden, erzeugen sie einen Lichteffekt und ein Summen. Beides soll das Wild auf Abstand halten. Auswertbare Ergebnisse werde es aber erst Ende des Jahres geben. „Es wird von Straßenbaulastträgern viel unternommen“, hält Klaus Glandien fest. Allerdings könnten technische Maßnahmen immer nur eine Ergänzung sein - nicht zuletzt deshalb, weil sich das Wild mit der Zeit daran gewöhnt. „Es gibt nur ein Rezept, das hundertprozentig hilft: Fuß vom Gas. Man muss immer bremsbereit sein“, betont der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht.