Oschersleben l Südlich der Bahnstrecke nach Magdeburg soll die größere der beiden Anlagen gebaut werden. Auf einer Fläche von rund 190 000 Quadratmetern will das Unternehmen Wattmanufactur aus Schleswig-Holstein dort Solarmodule installieren. Der Bau-, Wirtschafts- und Umweltausschuss hat den Plänen auf seiner jüngsten Sitzung zugestimmt.

Flächen schon bestellt

Als Mitarbeiter der Firma Wattmanufactur war Florian Spannbauer zu Gast. Er stellte das Projekt näher vor. Wie Spannbauer erinnerte, hat die Stadt in der Vergangenheit untersuchen lassen, welche Flächen in Oschersleben für den Bau von Solaranlagen infrage kommen. Dabei sei unter anderem das Areal südlich der Bahnstrecke und gegenüber der Motorsport Arena in den Fokus gerückt.

Ein Großteil der Flurstücke gehöre der Kirche. Hinzu kämen städtische Flächen und private, die landwirtschaftlich genutzt würden. Mit der Kirche und den Privateigentümern habe das Unternehmen bereits eine Einigung erzielt. „Es handelt sich um guten Boden“, erklärte Florian Spannbauer. Doch aufgrund ihrer Lage und Zuschnitte seien die Flächen nicht leicht zu bewirtschaften.

Bauen und betreiben

Der Wattmanufactur-Mitarbeiter betonte, dass das Unternehmen den Solarpark nicht bauen wolle, um ihn anschließend zu verkaufen. Stattdessen wolle das Unternehmen die Anlage selbst betreiben. Neben Pachteinnahmen für die genutzten Flächen werde die Stadt auch 100 Prozent der anfallenden Gewerbesteuereinnahmen bekommen, versicherte Florian Spannbauer. Ihm zufolge ist das durch eine entsprechende Vereinbarung möglich - auch wenn die Firma Wattmanufactur ihren Sitz nicht vor Ort hat. Ein weiterer Vorteil seien Aufträge für lokale Firmen.

Wie Florian Spannbauer berichtete, soll der Solarpark pro Jahr rund 20 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Das reiche aus, um etwa 6000 Vier-Personen-Haushalte zu versorgen. Darüber hinaus sei eine extensive landwirtschaftliche Nutzung denkbar. Als mögliche Beispiele nannte Florian Spannbauer Blühstreifen für Insekten oder die Haltung von Schafen. In jedem Falle sei „ökologisches Flächenmanagement“ für die Firma Wattmanufactur sehr wichtig. Das Unternehmen sei selbst aus einem landwirtschaftlichen Umfeld heraus entstanden. Tatsächlich könnten Solarparks sogar dazu dienen, die Artenvielfalt zu erhöhen und Rückzugsräume für jene Pflanzen und Tiere zu bieten, die in einer klassischen Agrarlandschaft Schwierigkeiten hätten.

Zwei Monate Bauzeit

Wie Spannbauer informierte, rechne das Unternehmen im Januar 2022 mit einer Baugenehmigung. Schon zwei Monate später, im März 2022, solle die Anlage ans Netz gehen. Den Unterlagen der Ausschusssitzung ist zu entnehmen, dass der Stadt keine Ausgaben entstehen. Stattdessen komme der Investor für die Kosten des Bauleitverfahrens sowie für alle Gutachten auf. Das werde in einem städtebaulichen Vertrag geregelt. Am Ende stimmten die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig für die Aufstellung eines Bebauungsplanes.

Tatsächlich will das Unternehmen Wattmanufactur noch an einer zweiten Stelle in Oschersleben einen Solarpark errichten - nämlich am Klärwerk. Auch darüber wurde bei der Ausschusssitzung gesprochen. In diesem Fall geht es um eine Fläche von 130.000 Quadratmetern. Ausschussmitglied Urban Jülich (CDU) wies darauf hin, dass der Trink- und Abwasserverband (TAV) Börde bei der Klärschlammverarbeitung vor Veränderungen stehe. Er erkundigte sich, ob angesichts der Solarpark-Pläne noch genügend Fläche dafür zur Verfügung stünde. Florian Spannbauer versicherte, dass dies der Fall sei. Man habe Gespräche mit dem TAV geführt.

Pläne bereits ausgelegt

Dieses Solarpark-Vorhaben ist schon etwas weiter fortgeschritten als das andere an der Bahnlinie. Die Pläne lagen bereits einmal öffentlich aus. Nach dem Beschluss des Bauausschusses wird dies nun noch einmal geschehen. Die aktuellen Unterlagen können vom 17. August bis 18. September im Standort der Stadtverwaltung im Peseckendorfer Weg 3 eingesehen werden. Eventuelle Stellungnahmen sind bis zum 18. September beim Sachgebiet Planung des Fachbereiches Bauen und Umwelt abzugeben.