Oschersleben l Wenn Walter Sonderhoff in die Pedale seines Fahrrades tritt und auf den Straßen und Gehwegen der Bodestadt unterwegs ist, bleibt der Mann in der orangefarbenen Schutzkleidung nicht lange unerkannt. Viele Einwohner kennen ihn und heben beim Vorbeigehen oder Vorbeifahren die Hände zum Gruß. Sonderhoff lächelt, grüßt zurück und fährt weiter. Seit mittlerweile 25 Jahren ist der 59-Jährige als Stadtreiniger auf den Straßen der Bodestadt unterwegs.

„Bei einer Tour lege ich am Tag bis zu 40 Kilometer zurück. Da kommen im Jahr locker 12 000 Kilometer zusammen“, verdeutlicht Sonderhoff die Distanz, die er mit Fahrrad und Anhänger zurück legt. Seine Mission: Öffentliche Gehwege und Plätze vom Müll befreien und damit sauber zu halten. Mit Müllzange, Schaufel und Besen rückt er dabei den Hinterlassenschaften der Passanten zu Leibe. Der Abfall landet im Anhänger, den er mehrmals am Tag in einem Container auf dem Oschersleber Bauhof im Peseckendorfer Weg entleert. Drei Kubikmeter Müll kommen da in einer Woche zusammen, die Sonderhoff in Oschersleben einsammelt. Die Palette umfasst dabei alle Arten von Hausmüll bis hin zu Hundekot, gebrauchtem Katzenstreu und toten Tieren. Besonders unangenehm sei es ihm, von Autos überfahrene Tiere in seinen Anhänger zu befördern. „Aber auch das gehört dazu“, gibt der Stadtreiniger zu verstehen.

Tipps von den Bürgern

Viel angenehmer sind Walter Sonderhoff die Gespräche, die er während seiner Arbeit in Oschersleben mit den Fußgängern führt. Die Bürger geben ihm oftmals Tipps, wo zum Beispiel auf einem Gehweg Glassplitter liegen, die unbedingt weg müssen. Besonders hilfreich bei der Beseitigung sei dabei auch die Müllzange. „Dann muss ich mich nicht so oft bücken“, nennt Sonderhoff den großen Vorteil dieses Hilfsmittels. Auch müsse er dann den Unrat nicht mit der Hand anfassen. Der berge mitunter wie bei gebrauchten Spritzen nach dem Drogenkonsum, die er schon auf Spielplätzen gefunden habe, durchaus Gefahren einer Infektion.

Sonderhoff macht aber auch erfreuliche Funde. Vor Jahren habe er auf dem Busbahnhof einen Umschlag entdeckt, in dem 1000 Euro steckten. Mit dem Fund ging er zum Fahrkartenschalter und fragte nach, ob sich schon jemand gemeldet habe, der das Geld vermisse. Und tatsächlich. Einer älteren Dame war die Handtasche kurz zuvor geklaut worden. Der Umschlag mit dem wertvollen Inhalt musste dabei irgendwie raus gerutscht sein. Es war ihre ganze Rente für einen Monat, die die Frau kurz zuvor bei der Sparkasse abgehoben hatte.

Die tägliche Tour von Sonderhoff beginnt zunächst in der Innenstadt, wo er den Boulevard und den Marktplatz vor dem Rathaus und der Kirche St. Nicolai säubert. Ist er dort fertig, führt ihn seine Tour in die vom Zentrum weiter entfernt liegenden Stadtteile. Wo und wann gesäubert hat, merkt sich Sonderhoff genau. So kann er alle Gebiete gleichmäßig berücksichtigen.

Im Winterdienst tätig

In der kalten Jahreszeit, wenn auf den Oschersleber Gehwegen Schnee und Eis liegen, wechselt Sonderhoff am frühen Morgen zunächst in den Winterdienst der Stadt. Dann ist er mit einem Kollegen vom Bauhof in einem Multicar unterwegs, um bis 7 Uhr Bushaltestellen, Parkplätze, Fußwege und die Eingänge vor städtischen Kindertagesstätten anzufahren. Dort kommen sie den Anliegerpflichten der Stadt nach, räumen auf den öffentlichen Flächen Schnee und sorgen bei Eisglätte durch das Streuen von Abstumpfmitteln für Sicherheit. Auch die Treppe vom Parkplatz an der Lindenstraße hoch zum Hackelberg gehört zum Einsatzgebiet. Aus dem Stadtreiniger Sonderhoff wird dann der Handstreuer Sonderhoff. Ist die Arbeit erledigt, widmet er sich wieder dem Sammeln von Müll. Wobei es im Winter viel schwieriger sei, den Unrat aufzuheben, da der meistens angefroren sei. Auch verdecke der Schnee den Abfall, der dann im Frühjahr bei steigenden Temperaturen wieder auftauche, aber nicht lange liegen bleibt, weil ihn Sonderhoff beseitigt.

„Ich bin täglich an der frischen Luft und habe viele Kontakte zu den Menschen. Deshalb liebe ich meine Arbeit“, sagt Walter Sonderhoff. Als gelernter Lagerist war er zunächst zu DDR-Zeiten in der Oschersleber Pumpenfabrik tätig, dann beim Obst- und Gemüsehändler Ogema. Dann folgte nach der Wende der erste Kontakt zur Stadt Oschersleben, bei der er über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Arbeitsamtes beschäftigt war. Die Stadt war mit der Arbeit von Sonderhoff zufrieden und stellte ihn vor 25 Jahren fest ein.

Auch in seiner Freizeit hat Sonderhoff nicht die Nase voll vom Radfahren. Dann tritt der Ehemann und Vater einer erwachsenen Tochter privat in die Pedale. Ziel ist oftmals sein Garten im Schermcker Winkel, in dem er sich von den Anstrengungen der Arbeit erholt.

Aushängeschild für Oschersleben

„Walter Sonderhoff ist das Aushängeschild für die Sauberkeit in der Stadt Oschersleben“, sagt Fred Häbecke (56), Leiter des Oschersleber Bauhofes. Zusammen mit Regina Brandes, die die Kehrmaschine fährt. Und weiteren zwei Kollegen, die montags und mittwochs die 176 Müllkübel und Hundekotbehälter leeren. In der Kernstadt Oschersleben und den Ortsteilen komme in der Woche insgesamt Müll zusammen, der zwei Sieben-Kubikmeter-Container fülle. Die Entsorgung eines Containers, die eine von der Stadt beauftragte Firma erledigt, koste 400 Euro. Ärgerlich findet es Häbecke, wenn gerade in den großen Wohngebieten in der Schöninger Straße oder der Humboldt-Straße in den öffentlichen Abfallbehältern normaler Hausmüll landet. Woher der stamme, wisse er nicht, könne es sich aber denken. „Wir müssen sie aber leeren, das ist eben die Aufgabe der Stadt“, sagt Häbecke. Seiner Meinung nach sei Oschersleben im Vergleich zu anderen Städten sehr sauber. Mit der Verdienst von Walter Sonderhoff und Kollegen.

Als Leiter des Bauhofes trägt Fred Häbecke die Verantwortung für zwölf Mitarbeiter und einen Auszubildenden, der den Beruf des Straßenwärters erlernt. Die Beschäftigten sind neben der Sauberkeit vornehmlich für die Reparatur von Schäden an kommunalen Straßen, Gehwegen, Plätzen und Radwegen in Oschersleben und den Ortsteilen verantwortlich. „Wir können aber auch Neubau“, verdeutlicht Häbecke die hohe Qualifikation seiner Straßen-und Tiefbauer. Ihr Können haben die Stadthofmitarbeiter unlängst beim Bau von Fuß- und Radwegen im letzen Abschnitt des Peseckendorfer Weges und der Anderslebener Straße vor dem neuen Lidl-Markt bewiesen. „Da haben wir gezeigt, was wir drauf haben“, sagt der Chef des Bauhofes.