Gröningen/Hornhausen l Der Gröninger Storchenexperte Wolfgang Nicolai war gemeinsam mit Tochter Pia vor wenigen Tagen in besonderer Mission unterwegs. „Wir unternahmen unsere „Kontrollrunde“, besuchten einige Storchenhorste im Altkreis Oschersleben. In Hornhausen trafen wir auf zwei beringte Störche, die sozusagen alte ‚Bekannte‘ sind“, erzählt Wolfgang Nicolai.

So fanden Vater und Tochter einen vierjährigen Storch aus Blumenthal bei Burg vor, der auch voriges Jahr im Hornhäuser Nest schon Brutpartner war. Über den zweiten Hornhäuser Storch, ebenso vier Jahre alt, kann eine bemerkenswerte Lebensgeschichte erzählt werden. Er ist 2016 in Gröningen geschlüpft. Schon sehr früh, denn bereits Ende Juli taucht der Jungstorch in Geismar (Hessen) auf. Dort wird er allerdings mit einer schweren Verletzung gefangen. In der Storchenstation Wabern wird er wieder gesund gepflegt und auf den Namen Jerome getauft. Im Frühjahr 2017 kann Jerome wieder ausgewildert werden. Für eine kurze Zeit bleibt er in diesem Gebiet. Schließlich verrät der Ring, dass Jerome zweimal, im November 2018 und im Januar 2019, das spanische Winterquartier aufsuchte und nun am 5. April 2020 auf dem Hornhäuser Horst entdeckt wurde.

Aus Spanien zurückgekehrt

„Es lohnt sich also, sich um jeden verletzten Storch zu kümmern. Und wieder einmal haben wir einen Westzieher aus der Gröninger Storchenkinderstube auffinden können. Die meisten Störche sind ja Ostzieher“, erklärt Wolfgang Nicolai. Westzieher heißt, dass die Störche in Richtung Spanien ziehen und sich dort ein Winterquartier suchen. Sie kommen im Frühjahr wesentlich früher zurück, um die Horste zu besetzen. „Sie sind wesentlich fitter, haben die bessere Population. Die Ostzieher legen auf ihrem Weg über die Türkei teilweise bis Südafrika wesentlich weitere Strecken zurück. Kehren sie im Frühjahr nach Deutschland zurück, macht sich die weitere Strecke am schlechteren körperlichen Zustand deutlich, wesentlich mehr Tiere überleben den Ostzug nicht. Die Population ist geringer“, weiß Wolfgang Nicolai aus Erfahrung zu berichten. Für die Gröninger Störche gilt, dass sie Ostzieher sind, die Nachfahren jedoch beide Routen nehmen.

Wolfgang Nicolai hat seiner Email an die Redaktion die Lebensgeschichte von Ringnummer „DEH HP 934“, also von Jerome, beigefügt. Die Beringungszentrale, eine gemeinsame Einrichtung der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, befindet sich auf der Insel Hiddensee. Hier werden alle Daten der beringten Störche ausgewertet. Und so kann genau nachgelesen werden, dass Jerome am 1. Juni 2016 in Gröningen beringt wurde. Am 31. Juli endet seine „Reise“ in Geismar. Am 25. März 2017 und 11. April 2017 wird der Jungstorch in Wabern registriert, am 25. November und am 21. Januar im spanischen Winterquartier.

Bereits Ende Februar war der erste Storch in der Verbandsgemeinde Westliche Börde, in Gröningen, aus seinem Winterquartier zurückgekehrt. Das Storchenpaar hat sein Nest hoch oben auf dem alten Brauereischornstein in der Reichenstraße bezogen. Pia und Wolfgang Nicolai suchten neben Hornhausen auch die Storchenhorste in Neuwegersleben und Wulferstedt auf, die von Paaren besetzt sind. „Gunsleben zeigt sich noch immer verwaist. Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Andererseits habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Es können noch Nachzügler aus dem Winterquartier zurückkehren oder Störche, die bislang keinen Horst gefunden haben, könnten sich hier noch niederlassen“, hofft Wolfgang Nicolai.

Brüten seit vier Jahren

In Wulferstedt hat Hobby-Fotograf Frank Hinke die Störche im Nest an der Thomas-Müntzer-Straße fest im Blick. Seit dem 19. Februar ist das Storchennest mit einem Storch belegt. Am 15. März kam der zweite hinzu. „Beides sind die Altstörche, die seit etwa vier Jahren hier brüten. Liebevoll werden sie von den Wulferstedtern Günter und Helga genannt“, berichtet Frank Hinke.