Gröningen l Unterstützt von Vertretern des Angelvereins Oschersleben (AVO) und Umgebung sind die Spezialisten bei Gröningen ans Werk gegangen. „Wir arbeiten mit der Hochschule schon eine ganze Weile erfolgreich zusammen“, erläutert Heimo Reilein, Vorsitzender des Vereins, gegenüber der Volksstimme. „Für uns sind die Erkenntnisse der Fachleute sehr wichtig.“ Schon im Jahr 2016 hatten die Vertreter der Lehranstalt die Bode beim alten Wehr nahe Oschersleben untersucht.

„Wir Angler sind mit den Verhältnissen vor Ort vertraut“, sagt Gerhard Kleve, Ehrenmitglied des AVO und Ehrenpräsident des Landesanglerverbands im Verband Deutscher Sportfischer (VDSF). „Somit können wir vielleicht den einen oder anderen hilfreichen Tipp geben.“ In der Tat ist sein Wissen gefragt. Er erklärt der Besatzung eines Bootes, dass sie flussabwärts beim Fischen wohl etwas mehr Glück hätte. Das Gefährt ist mit einer elektrischen Fangausrüstung auf der Bode unterwegs und soll Fische für die Spezialisten aufnehmen, damit die Artenvielfalt kontrolliert werden kann.

Muschel, Steinfliege, Hakenkäfer

Derweil beschäftigen sich Professor Volker Lüderitz und ein Teil der Studenten mit ihrem Fang. Sie haben Kleinstlebewesen aus dem Wasser gefischt und dokumentieren die kleinen Tierchen. „Ah, da haben wir eine Grundwanze“, sagt der Professor. Er entdeckt die Große Eintagsfliege, eine Muschel, Steinfliegen, eine Riesenschnake, mehrere Hakenkäfer und einen Flohkrebs und hat auch sofort die lateinischen Namen parat. Sein Spezialgebiet ist die Renaturierungsökologie. Die Studenten lauschen andächtig und notieren sich eifrig die Namen.

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Lüderitz resümiert: „Die Vielfalt zeigt eine breite Nahrungspalette für die Fische auf“, erklärt. „Um zu bestimmen, ob es sich um ein gutes Gewässer für die Tiere handelt, müssen wir aber noch die Ausbeute unserer Fischfangtruppe bewerten.“ Er ist aber optimistisch, denn die Bode sei mittlerweile ein intaktes Ökosystem und biete sehr gute Voraussetzungen für die Umsetzung des großem Vorhabens, welches sich die Interessengemeinschaft „Bodelachs“ auf die Fahnen geschrieben hat. Die Vereinigung von Anglern aus den Bodeanliegervereinen will den Lachs und im Zuge die Meerforelle wieder in dem Fluss ansiedeln.

Sohlgleite statt Wehr

Dazu müssen aber noch insgesamt 26 Bauwerke aus dem Weg geräumt werden, die derzeit noch den freien Fluss der Bode behindern. „Anstelle des Wehrs empfehle ich hier eine sogenannte Sohlgleite“, äußert sich der Professor.

Sein Kollege, Professor Bernd Ettmer, der als Wasserbauer die zweite Gruppe anführt, sieht das ähnlich. „Das Gewässerentwicklungskonzept des Landes gibt das ziemlich klare Anweisungen“, sagt er. „Bis 2027 soll es umgesetzt sein. Ob bis dahin alle störenden Querbauten weg sind, steht in den Sternen. Inzwischen sind wir aber schon froh, wenn es in der Praxis die richtige Richtung geht.“

Studiengang zweimalig in Deutschland

Professorin Petra Schneider, mit dem Spezialgebiet internationale Wasserwirtschaft, ist die Studiengangsleiterin für die Ingenieurökologen. Auch sie genießt, ebenso wie die elf beteiligten Studenten, den Gang in die freie Natur. „Den speziellen Studiengang gibt es nur zwei Mal in ganz Deutschland“, berichtet sie. „Er wird in der Hochschule Magdeburg/Stendal und in München angeboten. Unsere Teilnehmer kommen aus Deutschland, China und Ekuador.“

Es sei ein steigendes Interesse an dieser besonderen Studienrichtung zu bemerken. „Die Kombination von Naturschutz und Ingenieurtechnik ist einmalig“, erzählt sie. „Der praktische Teil an der Bode ist natürlich ein Höhepunkt.“ Das bestätigen auch die Teilnehmer. Christoph Dobla aus Konstanz sagt: „Ich finde den Bezug zur Natur toll. Zunächst habe ich Umweltingenieurwesen studiert. Das ist mir aber zu viel Technik.“ Die Sache mache ihm persönlich Spaß. „Das sage ich nicht nur, weil unsere Professoren hier stehen“, setzt er schmunzelnd hinzu.

Kooperation zum Vorteil der Gewässer

Die anderen lachen, wissen aber ähnliche Geschichten zu erzählen. Das Thema begeistert sie sichtlich. Die beiden Studenten aus China, Jianbin Zhang und Qing Zhan sind mit der Gruppe von Professor Dettmer unterwegs und arbeiten mit Messlatten. Irene Willsch liest die Maße von einem Bauniveliergerät aus ab. Patrick Gerngroß und Ricardo Nunez vermessen das Wehr.

Heimo Reilein freut sich über die klaren Aussagen der Fachleute. „Das Land hat große Versäumnisse bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie“, sagt er. „Die Kooperation mit den Wissenschaftlern geschieht zum Vorteil unserer Gewässer.“ Der AVO plane, in Abstimmung mit anderen Vereinen, die weitere Wiederansiedlung von Fischarten. Je mehr Arten vorhanden seien, desto besser könne die Einstufung des Gewässers werden.