Oschersleben l Direkt am Bahnhof befindet sich ein Taxi-Stand, doch in der Regel ist er verwaist. Früher haben Fahrer dort auf Kunden gewartet. „Aber das lohnt sich nicht mehr“, erklärt Michael Kalteier. Er arbeitet für das Unternehmen „Taxi & Pension ‚An der Rennstrecke‘ Müller/Pierschalla“. Dabei handelt es sich um eines von drei Taxi-Unternehmen in Oschersleben.

Sechs Fahrzeuge sind für den Betrieb im Einsatz. Nachts fährt allerdings nur eines. „Für mehr ist die Nachfrage zu gering“, sagt Michael Kalteier. Wenn dieses eine Taxi im Einsatz ist, müssen andere Kunden unter Umständen warten. Doch auch für die Branche selbst ist die Lage nicht leicht. Tagsüber kommen weitere Geschäftsfelder dazu - zum Beispiel der Transport von Schülern. Oder von Patienten zum Arzt beziehungsweise ins Krankenhaus.

Mobilität der Menschen hat sich veränder

Das ändere aber nichts daran, dass sich die Mobilität der Menschen grundlegend geändert habe. „Fast jeder hat sein eigenes Auto, Familien haben oft sogar zwei“, hält Michael Kalteier fest. Wer geschäftlich mit der Bahn nach Oschersleben komme, kümmere sich in der Regel schon vorher um den weiteren Transport. In einigen Fällen hätten Betriebe eigene Fahrzeuge für diesen Zweck. Kaum jemand steige noch spontan in ein Taxi.

Das führt zu einer wirtschaftlichen Zwickmühle: Oft müssen Fahrer längere Zeit auf Kunden warten. Die meisten Fahrten in Oschersleben und Umgebung sind kurz. Da sei es schwer, mit den daraus folgenden Einnahmen die Standzeiten auszugleichen. Auf der anderen Seite müsse den Taxi-Fahrern Mindestlohn gezahlt werden.

Die Preise lassen sich Michael Kalteier zufolge nicht ohne Weiteres erhöhen. Der erste Kilometer einer Fahrt koste zwei Euro. Für jeden weiteren Kilometer kommen 1,60 Euro dazu. Die Grundgebühr für Fahrten im Stadtgebiet liege bei 3,60 Euro. Wie Michael Kalteier vorrechnet, kommen die meisten Fahrten in Oschersleben auf einen Preis von rund sechs Euro. „Das ist für einige schon viel Geld“, betont der Taxi-Fahrer. Außerdem setzen die Unternehmen ihre Tarife nicht selbst fest. Das macht der Landkreis, wenn auch in Abstimmung mit den Betrieben.

Respekt vor Taxi-Fahrern gesunken

Was das Problem verschärft: „Der Respekt vor dem Job und vor dem Fahrer ist ins Bodenlose gesunken“, so Michael Kalteier. Manchmal werde ein Taxi bestellt – bei dessen Eintreffen sei aber keiner mehr da. Das könne zu Schwierigkeiten führen. Denn rechtlich betrachtet entstehe schon mit dem Bestellen eines Taxis ein Vertrag.

Außerdem gibt es Probleme mit Gewalt. Alle Fahrer würden regelmäßig an Deeskalationstrainings teilnehmen. Dennoch gebe es immer wieder Vorfälle, die auch zur Anzeige gebracht würden. „In Oschersleben ist die Situation besser als in einer Großstadt. Es ist weniger anonym“, so Michael Kalteier. Manchmal kenne man die Fahrgäste sogar. Doch auch wenn die Zahl der Zwischenfälle kleiner sei als in Metropolen: Das Problem an sich bleibe bestehen.

Das alles hat Konsequenzen. Im Taxi-Gewerbe fehlt es laut Michael Kalteier an Nachwuchs. Das liege auch daran, dass man nachts und in Schichten arbeiten müsse. „Der Altersdurchschnitt bei den Fahrern ist hoch. Viele arbeiten nur im Nebenverdienst“, erklärt der Taxi-Fahrer. Aus Sicht der Arbeitgeber sei jedoch die schwindende Nachfrage das größte Problem. Ohne regelmäßige, feste Aufträge könne sich ein Unternehmen im Prinzip nicht halten.