Landkreis Börde l Nach tödlichen Unfällen und anderen belastenden Ereignissen bedarf es meist einer ersten Betreuung von Angehörigen und Rettungskräften. Dafür steht ein engagiertes Team von Notfallseelsorgern im Landkreis Börde bereit.

„Man muss bedenken, dass wir das hier alles ehrenamtlich leisten“, erklärt der Leiter der Notfallseelsorger, Johannis Könitz. Nach seinen Angaben gebe es seit 2005 das jetzige Notfallseelsorge-Team im Landkreis. Davor habe es auch schon zaghafte Versuche gegeben, ein Team aufzubauen.

Wenn die Notfallseelsorge durch Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr angefordert wird, kommt Steven Majchrak ins Spiel. Er ist ebenfalls seit vielen Jahren im Team und koordiniert im Einsatzfall die ehrenamtlichen Helfer. „Wir werden entweder über unseren digitalen Funkmeldeempfänger oder per Telefon alarmiert.“ Meist lande der Anruf dann bei ihm. „Ich muss dann abwägen, wer sich in der Nähe des Einsatzortes befindet und wie viele Betreuer gebraucht werden“, erklärt der Koordinator. Insgesamt stünden elf Notfallseelsorger im Landkreis zur Verfügung. „Diese teilen sich aktuell auf zwei Teams auf. Eines nördlich der Autobahn 2 und eines südlich“, ergänzt Pfarrer Könitz. Er hofft, dass es bald ein drittes Team geben werde. Aufgrund der Größe des Landkreis habe man schon manchmal Anfahrten von bis zu 45 Minuten.

Gerufen werden die Notfallseelsorger immer dann, wenn es von Nöten ist. Das fängt bei der Überbringung von Todesnachrichten an. „Außerdem kommen wir bei Todesfällen im häuslichen Bereich, zum Beispiel nach Reanimationen, bei Gewaltverbrechen und Großschadenslagen zum Einsatz.“ Auch tödliche Unfälle, egal ob im Verkehr oder bei der Arbeit, rufen die Notfallseelsorger auf den Plan. Zuletzt sei man zu einem tödlichen Unfall bei Loitsche gerufen worden. Hier galt es nicht nur Angehörige zu betreuen, sondern auch Rettungskräfte. „Dafür haben wir eine speziell ausgebildete Einheit, bestehend aus sieben Männern und Frauen, welche sich im Ernstfall nur um die Betreuung der Helfer kümmert.“ Dabei bildet die Polizei eine Ausnahme. Hier gibt es Seelsorger, die direkt von der Landespolizei geschickt werden. Trotzdem arbeite man eng zusammen. Immerhin gehe ein tödlicher Verkehrsunfall an keinem einfach spurlos vorbei. So auch der tödliche Unfall auf der L 50 bei Schleibnitz. Dabei waren Notfallseelsorger aus den Teams Börde Süd, Börde Nord und Magdeburg vor Ort.

Gerade bei solchen Lagen kämen auch mehrere Teammitglieder zum Einsatz. Im Fall von Wanzleben kamen auch Angehörige zur Unfallstelle.

Dass die Einsätze auch an den Seelsorgern nicht spurlos vorbei gehen, weiß auch Johannes Könitz. „Aber wir achten aufeinander und reden vor allem. Das hilft unseren Mitgliedern bei dieser schweren Aufgabe.“ Allein in diesem Jahr habe es bereits 27 Einsätze für das Nord-Team gegeben. Ähnliche Zahlen würden auch die Helfer im Süden des Landkreises schreiben.

Ob einer zu betreuenden Person wirklich geholfen werden konnte, sieht Könitz meist an einem einfachen Indiz. „Wenn die Leute uns ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee anbieten, dann merken wir, dass sie wieder anfangen zu funktionieren, nach der starken psychischen Belastung.“

Grundsätzlich sei man immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Zwar sei das in der aktuellen Pandemie schwer, aber man hoffe darauf, dass die Ausbildung danach wieder starten könne. Dabei werden neue Mitglieder nach dem bundesweiten Standard der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) ausgebildet. „Im Vorfeld führen wir mit den Interessenten auch ausführliche Gespräche.“ Nicht jeder Bewerber sei für die oftmals belastenden Einsätze der Notfallseelsorger gemacht.