Oschersleben l Der Verband der Kleingärtner der Region Börde-Ohre hatte zur Sitzung in die Oschersleber Burg eingeladen. Für die Kleingärtner aus der Bodestadt kein Thema. Für alle anderen Vertreter der Kleingartenvereine dagegen war das frisch sanierte historische Gebäude eher schwierig zu finden. Die Navigationssysteme haben das neue Areal und den neuen Straßennamen noch nicht registriert. Alles halb so schlimm, so begann die Gesamtvorstandssitzung eben einige Minuten später. Von 52 Vereinen, die dem Verband angehören „fanden“ schließlich doch 39 Vertreter den Weg in die Burg.

Versammlungsleiter Dr. Jürgen Spicher aus Wanzleben begrüßte als Gäste Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer und seinen Wanzleber Amtskollegen Thomas Kluge.

Vorstände sind schwer neu zu besetzen

Das Kleingartenwesen auch in der Region Börde-Ohre unterliege weiterhin einem Wandel. Daher gelte es, Veränderungen zu meistern, dennoch Kontinuität in die Vereinsarbeit zu bringen und Bewährtes zu erhalten. Nicht nur die Problematik der leer stehenden Gärten beschäftige die Vereine, wie Olaf Weber, Vorsitzender des Verbandes, feststellen musste. Zunehmend schwieriger werde es, die Vereinsarbeit in den Kleingartenanlagen zu bewältigen. Erst recht, da auch viele ältere Vorsitzende ihr Amt abgegeben haben und es nun zunehmend schwieriger werde, die Posten neu zu besetzen. „Zudem ist die Vorstandsarbeit heute viel komplexer als noch vor Jahren. Wir müssen diese Arbeit effektiver gestalten und auch Fortbildungen, beispielsweise im Erstellen von Finanzierungsplänen und dem Führen von Protokollen, anbieten.

Bilder

Olaf Weber konnte ebenso berichten, dass im vergangenen Jahr 24 Auszeichnungen vorgenommen werden konnten. Darunter war auch die Oschersleber Anlage am Diesterwegring.

Umbau und Aufwertung

Eine bessere Vernetzung und der Austausch von Erfahrungen oder Rundtischgespräche sollen helfen, die bestehenden Anlagen zu erhalten. „Doch das Überangebot an Kleingärten und der Umgang mit dieser Situation können die Kleingärtner nicht allein bewältigen. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, stellte Olaf Weber fest. Zumal das Kleingartenwesen nicht nur eine sinnvolle Freizeitgestaltung sei. Nein, dem Kleingartenwesen komme eine wichtige ökologische Funktion zu. Sie stellen ein wichtiges Gegengewicht zur zunehmenden Versiegelung von Flächen dar. Brach liegende Gärten sollten naturnah gestaltet werden. „Wir müssen offen für Neues sein. Mit Hilfe von Kleingartenentwicklungskonzepten sollten wir es vermeiden, dass regelrechte Flickenteppiche in den Kleingartenanlagen entstehen. Das setzt voraus, dass Notwendigkeiten akzeptiert werden“, so Weber.

Ziel des Verbandes sei es, vorhandene Kleingartenanlagen umzubauen und aufzuwerten, aber auch neue Anlagen in Wohnungsnähe zu errichten. So könnten auch Kleingartenparks als Weiterentwicklung von Kleingartenanlagen entstehen. Wichtig sei es zudem, die Familienfreundlichkeit in den Kleingartenanlagen zu erhöhen und die Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund zu fördern. In Oschersleben gibt es eine gute Zusammenarbeit mit den Wohnungsvermietern „Neues Leben“ und Bewos, die mit der Wohnung auch auf Kleingärten im Diesterwegring aufmerksam machen. Die Malteser bewirtschaften für und mit Flüchtlingen einen Projektgarten.

Anlagen erfolgreich zurückgebaut

Ein Kleingarten sei mehr als Obst und Gemüse, das habe die Stadt Oschersleben erkannt und im vergangenen Jahr das Kleingartenwesen mit in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) eingebunden. In der Bodestadt gibt es aktuell elf Kleingartenvereine mit 720 Mitgliedern. Hinzu kämen die nicht im Verband der Kleingärtner der Region Börde-Ohre organisierten Kleingartenvereine. Auch in Wanzleben ist der Verband bereits aktiv geworden. Hier wolle man sich ebenso in das zu erarbeitende Isek und in die Leitlinien zur Bodenordnung bis 2030 einbringen. In Wanzleben gibt es aktuell 13 Kleingartenvereine mit 530 Familien, die 435 000 Quadratmeter „beackern“.

In der Gemeinde Sülzetal liege der Leerstand bei rund 20 Prozent. Es habe Gespräche mit der Kommune gegeben. „Das Sülzetal wird uns bei der Erarbeitung des Integrierten Gemeindeentwicklungskonzeptes Igek) nicht vergessen. Am 20. März gibt es ein Gespräch mit Bürgermeister Jörg Methner“, berichtet Olaf Weber. Im Sülzetal sind in 9 Vereinen 554 Kleingärtner organisiert.

In Bahrendorf und auch in Klein Rodensleben sei es in Zusammenarbeit mit den Besitzern der verpachteten Flächen gelungen, Kleingärten zurückzubauen und einer landwirtschaftlichen Nutzung wieder zuzuführen.

Insgesamt bewirtschaftet der Kleingartenverband der Region Börde-Ohre 4117 Kleingärten. Davon sind 797 ungenutzt. Es gibt 291 Gärten mit Pflegeverträgen, 3029 Gärten werden von 2962 Mitgliedern in 52 Vereinen bewirtschaftet.