Oschersleben l An Ruhe ist im Hause Wollschwein nicht zu denken. Sieben quietschvergnügte Ferkel flitzen durch das Gehege. Auch sonst hatte der Klapperstorch viel zu tun. Ob bei den Zwergziegen oder den Kamerunschafen: Überall gibt es Nachwuchs. Jüngster Neuzugang ist ein Waliser-Ziegen-Mädchen, das gestern zur Welt kam. „Der Januar und der Februar sind bei den Haustierrassen die geburtenstarken Monate“, verrät Björn Löffler als Leiter des Tiergeheges. Die Wildtiere seien ab April mit dem Kindersegen an der Reihe. Das Team des Wildparks besteht aus vier Beschäftigten. Auch im Winter haben sie reichlich zu tun, denn die Tiere müssen immer versorgt werden. Gehege und Zäune brauchen ebenfalls Pflege.

Sylvia Frehde arbeitet bei der Stadtverwaltung. Als Leiterin des Sachgebietes Kultur, Tourismus und Sport ist sie für den Wiesenpark zuständig. Auch sie zeigt sich zufrieden mit der Bilanz. „Wir haben aktuell 57 verschiedene Arten und insgesamt 310 Tiere“, erklärt sie. Dabei seien die Jungtiere noch gar nicht mitgezählt, obwohl gerade sie bei den Besuchern sehr beliebt sind. Außerdem kommt ein Bienenvolk mit rund 10.000 Tieren hinzu. Es gehört einem Imker, der bei Veranstaltungen wie dem Wiesenparkfest über die Bienen informiert.

Anlage frei zugänglich

Wie viele Gäste der Wiesenpark 2019 angelockt hat, ist schwer zu sagen. Die Anlage ist frei zugänglich und erhebt keinen Eintritt. Aber es gibt Indizien, die auf eine große Beliebtheit schließen lassen. Wie Sylvia Frehde erklärt, gibt es 415 Tierpatenschaften. Jede kostet 100 Euro im Jahr. Dabei spielt es keine Rolle, um was für ein Tier es sich handelt. Das Geld wird direkt in das Tiergehege investiert. „Dadurch konnten wir schon einiges auf die Beine stellen“, erklärt Sylvia Frehde. Im Februar 2019 wurden zum Beispiel sogenannte Wurfhütten für die Wildschweine errichtet. Leider seien sie noch nicht in Anspruch genommen worden. Am jungen Eber und seiner Leidenschaft liege das nicht.

Der Park versteht sich übrigens nicht nur als Anlage zur Naherholung, sondern auch als Bildungseinrichtung. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche Info-Tafeln. Wie Björn Löffler informiert, ist der Park nicht zuletzt bei Kitas und Grundschulen beliebt. „Wir haben pro Jahr Führungen mit mehr als 1000 Kindern“, erklärt er. Dabei kämen die Anfragen nicht nur aus der Region, sondern auch von weiter weg. Das Gleiche gilt für die Tierpatenschaften. Einige Paten leben zum Beispiel in den Niederlanden oder der Schweiz. Der mit der weitesten Anreise wohnt laut Sylvia Frehde in Australien. Aber auch Senioreneinrichtungen hätten Patenschaften abgeschlossen. Bisweilen bekommen sie sogar Besuch von den dazugehörigen Tieren.

Sehr guter Leumund

„Wir haben einen sehr guten Leumund“, freut sich Sylvia Frehde. Björn Löffler ergänzt, dass es auch oft Praktikanten im Wiesenpark gebe. Aus einigen seien schon Tierpfleger, Tierwirte oder Tierarzthelfer geworden.

Sylvia Frehde betont, dass sich die meisten Bewohner des Wiesenparks auf einen ruhigen Lebensabend freuen können. Jungtiere würden allerdings mit anderen Tierparks getauscht, um das Thema Inzucht zu vermeiden. Auch sonst gebe es eine gute Zusammenarbeit. Die kaukasischen Steinböcke, die jetzt in Oschersleben zu Hause sind, würden zum Beispiel aus dem Dresdner Zoo stammen. Auf der anderen Seite seien die Yak-Rinder, die es vor einigen Jahren noch im Wiesenpark gab, in die Zoos in Gera und Magdeburg umgezogen.

Ebenfalls bedanken möchte sich Sylvia Frehde beim Förderverein des Wiesenparks, den es seit zehn Jahren gibt. Er habe unter anderem den Bau des Taubenturms ermöglicht und die Anschaffung verschiedener Tiere finanziell unterstützt. Die „Chancenschmiede“ des DRK komme jeden Dienstag vorbei, um bei anfallenden Arbeiten zu helfen. „Das ist wirklich eine große Hilfe“, betont Björn Löffler.

Seit dem Jahr 1908

Wie Sylvia Frehde erklärt, gehen die Wurzeln der Einrichtung bis in das Jahr 1908 zurück. Damals habe der Magistrat der Stadt beschlossen, auf den vorhandenen Wiesen einen Park zur Erholung einzurichten. „Die Bauern waren vermutlich nicht begeistert, denn sie konnten das Areal nicht mehr bewirtschaften. Aber bis dahin hatten die Oschersleber nichts zum Lustwandeln“, blickt Sylvia Frehde zurück.

Die Gestaltung der Anlage habe sich am Herrenkrugpark in Magdeburg orientiert. Prägend waren die großen Alleen. Insgesamt umfasst der Wiesenpark eine Fläche von rund acht Hektar. In den 1920er Jahren wurde die Bode begradigt. Wie Sylvia Frehde erklärt, ist der heutige Ententeich ein Altarm des Flusses. In den 1930er Jahren sei ein kleines Tiergehege angelegt worden. Zu seinen Bewohnern zählten Rothirsche, Damhirsche, Schwäne und Enten. Im Zweiten Weltkrieg verlor der Wiesenpark an Bedeutung. Doch nach Kriegsende sei er wieder aufgeblüht. Heute sei das Gesamtensemble aus Tiergehege, Park und Spielplatz wichtig.

Das Wiesenparkfest findet 2020 am 6. September statt. In der Adventszeit soll es eine Taschenlampenführung geben. Für den Sommer ist eine Nach-Feierabend-Führung geplant, um das Nachtleben der Tierwelt zu beleuchten.