Einwohnerstatistik

Zahl der Babys in Oschersleben sinkt immer weiter

Einwohnerzahl in Oschersleben nimmt ab. Stadt lockt aber Menschen von außerhalb an.

Von Von André Ziegenmeyer


Oschersleben. „Wenn ich immer lese, die Leute ziehen alle weg, dann ist das falsch“, erklärte Bürgermeister Benjamin Kanngießer. Bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates präsentierte er umfangreiches Zahlenmaterial. Es gab Auskunft darüber, wie es mit der Entwicklung der Einwohnerzahl in Oschersleben aussieht. Der allgemeine Trend zeichnet sich seit Jahren ab: Ländlich gelegene Kommunen, gerade in Ostdeutschland, haben oft mit einem Einwohnerschwund zu kämpfen.

Das hat ganz unterschiedliche Auswirkungen. Zum einen verändert sich die Altersstruktur der Gesellschaft. Im Rahmen des „demographischen Wandels“ nimmt der Anteil älterer Menschen zu, während der Anteil junger Menschen schwindet.

Mehr Zu- als Wegzüge

Zum anderen sagt die Einwohnerentwicklung auch etwas über die Finanzkraft einer Kommune aus. Denn einwohnerstarke Gemeinden können vom Land zum Beispiel höhere Zuweisungen erhalten.

Auch Oschersleben bildet bei der allgemeinen Entwicklung keine Ausnahme: Die Einwohnerzahl geht Schritt für Schritt zurück. Laut den Zahlen, die Benjamin Kanngießer präsentierte, kam die Stadt im Jahr 2012 noch auf 20 079 Bürgerinnen und Bürger. 2020 waren es 19 270.

Allerdings betonte der Bürgermeister, dass die Zahl der Zuzüge mittlerweile größer sei als die der Wegzüge. „Wir merken, aufgrund der Infrastruktur und der Verbesserungen, die wir hier vornehmen, dass das kleinstädtische Leben, auch in den Ortsteilen, nachgefragt ist“, informierte Benjamin Kanngießer.

Es ziehe Menschen nicht ausschließlich in die Großstädte. Schließlich gebe es auch dort Probleme. „Ich glaube, der eine oder andere wird auch unter Pandemiebedingungen festgestellt haben, dass es ganz gut ist, wenn man ein bisschen mehr Platz hat“, so der Bürgermeister.

Wenn die Zahl der Zuzüge die der Wegzüge übertrifft, spricht man von einem „positiven Wanderungssaldo“. Das gab es in Oschersleben nicht immer. Noch 2013 war das Gegenteil der Fall. Seither ist die Zahl der Zuzüge gestiegen. Allerdings müssten bei dieser Betrachtung zwei Jahre ausgeklammert werden, so Benjamin Kanngießer.

Ortsteile stehen sehr verschieden da

Dabei handele es sich zunächst um das Jahr 2015, als besonders viele Menschen nach Europa und Deutschland flüchteten, und um das Jahr 2018, als sich diese Entwicklung nach den Worten des Bürgermeisters umkehrte. 2020 verzeichnete die Stadt 839 Zuzüge und 740 Fortzüge. Das ergibt ein Plus von 99 Einwohnern.

Alles in allem ist die demographische Entwicklung der Stadt trotzdem negativ. Das liegt daran, dass es deutlich mehr Sterbefälle als Geburten gibt. „Leider haben wir keinen erheblichen Corona-Effekt bei den Geburtenzahlen. Ganz im Gegenteil: Das letzte Jahr ist geprägt durch das größte Defizit im Vergleich von Geburten- und Sterbefällen. Das ist es, was uns das Sinken der Bevölkerungszahlen einbrockt“, fasste Benjamin Kanngießer zusammen.

2020 verzeichnete die Verwaltung 359 Sterbefälle und 137 Neugeborene. Tatsächlich ging die Schere in den letzten Jahren immer weiter auseinander. 2018 waren es noch 174 Babys, 2019 dann 157. Im gleichen Zeitraum kam es zu 304 beziehungsweise 332 Todesfällen.

Mit Blick auf die einzelnen Ortsteile verläuft der Einwohnerrückgang sehr unterschiedlich. Die Angaben des Bürgermeisters bezogen sich auf die Jahre 2005 bis 2020. In dieser Zeit hat Schermcke beispielsweise 23,6 Prozent seiner Einwohner verloren. Groß Germersleben kommt auf ein Minus von 20,1 Prozent. Peseckendorf steht mit minus 7,1 Prozent vergleichsweise gut da, ebenso wie Altbrandsleben mit minus 7,8 Prozent.