Dezentrales Impfen

Zweite Impfrunde startet im Impfzentrum Oschersleben und im MVZ Börde in Hadmersleben

Von Josephine Schlüer
Christa Sidatt erhält ihre Zweitimpfung von Schwester Birgit Witte im Oschersleber Impfzentrum.
Christa Sidatt erhält ihre Zweitimpfung von Schwester Birgit Witte im Oschersleber Impfzentrum. Josephine Schlüer

Oschersleben/Hadmersleben

Auf ein Familientreffen mit Kindern und Enkelkindern freut sich die 82-jährige Christa Salditt. Sie hat gestern ihre Zweitimpfung im Oschersleber Impfzentrum im Bürgertreff der Volkssolidarität erhalten, wo bis Mittwoch, den 19. Mai, alle über-80-Jährigen den vollständigen Impfschutz bekommen sollen.

Im medizinischen Versorgungszentrum Börde (MVZ Börde) in Hadmersleben fanden die Termine für die Zweitimpfung der über-80-Jährigen am Dienstag und am Mittwoch dieser Woche statt.

180 Frauen und Männer haben in Hadmersleben jetzt ihre Zweitimpfung erhalten, sagt Dr. Uwe Milbradt, der Leiter des MVZ Börde. Milbradt schätzt, dass etwa 2000 Menschen seit Anfang März im medizinischen Versorgungszentrum die Erstimpfung bekommen haben, „davon etwa die Hälfte bereits auch eine Zweitimpfung.“ Im MVZ Börde wird der Impfstoff gegen das Corona-Virus bereits seit etwa zwei Monaten verabreicht, sowohl neben der alltäglichen Hausarzttätigkeit als auch im Rahmen des dezentralen Impfens seitens des Landkreises Börde. Letztere ist mit der zweiten Runde sowohl in Oschersleben als auch in Hadmersleben beendet.

Arzt und Bürgermeister kritisieren Schließung der Impfzentren

Dass man so früh bereits vom dezentralen Impfen absieht, davon hält Uwe Milbradt nichts. Kaum würden Erfolge sichtbar, erteile man der Kombination aus dezentralem Impfen und Impfungen in den Arztpraxen schon wieder eine Absage. „Die 70 bis 75 Prozent würden sonst sehr viel schneller erreicht“, sagt der Arzt. So eine hoher Prozentsat sei für die sogenannte Herdenimmunität notwendig und damit auch für den Schritt in die Normalität.

Um Patienten neben dem Hausarztalltag zu impfen, springen laut Milbradt bereits seit März etwa sechs Kollegen aus dem Ruhestand im MVZ Börde mit ein. „Das würden unsere Angestellten gar nicht allein schaffen“, so der Leiter des MVZ Börde weiter.

Für das dezentrale Impfen erhalten die Impfzentren den Impfstoff vom Landkreis Börde. Die Arztpraxen werden von den Apotheken versorgt. Die Impfstofflieferungen aus den Apotheken seien laut Uwe Milbradt jedoch weiterhin unzuverlässig. Pro Arzt in einer Praxis dürfen maximal 48 Dosen bestellt werden. So viel habe das MVZ noch mit keiner Lieferung erhalten. „Es wird aber mehr“, sagt der Leiter.

Milbradt stellt weiter fest, dass der Inzidenzenwert im Landkreis kontinuierlich sinke, seit auch die Hausärzte impfen dürfen. „Wahrscheinlich erreichen wir in der Börde in zwei Wochen eine Inzidenz von unter 100 “, vermutet der Arzt weiter. Dann hätte man sich das auch verdient, da die Geimpften ja geschützt bleiben, so Milbradt. Der Arzt ergänzt: „Impfverweigerer werden dann im Schutze der Geimpften leben.“ Davon gebe es jedoch nicht allzu viele.

Auf knapp 1500 Einladungen reagieren nur etwa 850 der über-80-Jährigen

Im Oschersleber Impfzentrum im Bürgertreff der Volkssolidarität werden seit gestern die Zweitimpfungen für über-80-jährige angeboten, die bereits im März und April ihre Injektion im Impfzentrum erhalten haben. Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer war vor Ort und zeigte sich begeistert, wie gut eingespielt das Impfteam und die freiwilligen Helfer vor Ort arbeiten. Für die Entscheidung des Landkreises, das Impfzentrum in Oschersleben nach der zweiten Runde zu schließen, zeigte der Bürgermeister erneut Unverständnis: „Wir sind sehr gut organisiert und haben kreisweit die meisten über-80-Jährigen in Oschersleben.“ Dass das Impfzentrum nach dem 19. Mai nicht weiter genutzt wird, entbehre jeglicher Logik, so Kanngießer.

Katrin Baier, die medizinische Leiterin des Impfzentrums Haldensleben, teilt mit, dass im ersten Impfzeitraum 1472 Einladungen an die Gruppe der über-80-jährigen Oschersleber verschickt wurden. Davon hätten sich 847 Personen zurück gemeldet. Jedoch hätten laut Baier auch die Senioren aus den Pflegeheimen eine Einladung erhalten, die separat in den Einrichtungen geimpft wurden.

Der Pressesprecher der Stadt Oschersleben, Mathias Schulte, weist darauf hin, dass die Stadt keine Termine vergibt oder vermittelt. Es würden vermehrt Anfragen an die Stadtverwaltung gestellt. Dafür sei ausschließlich das Impfzentrum in Haldensleben zuständig, beziehungsweise sei eine direkte Vereinbarung mit dem jeweiligen Hausarzt ebenfalls möglich, wenn man der entsprechenden Prioritätsgruppe angehöre, so Schulte weiter. Alle Über-80-Jährigen hätten bei ihrem ersten Termin eine Information zu ihrem zweiten Termin bekommen. Bei einigen würden die Uhrzeitangaben fehlen, sagt der Pressesprecher. „In diesem Fall gilt die Uhrzeit des ersten Termins.“

Christa Salditt ist jedenfalls froh, jetzt den vollständigen Impfschutz zu haben. Doch wenn das geplante Gesetz der Bundesregierung in kraft tritt, nachdem vollständig Geimpften mehr Freiheiten gewährt werden sollen, möchte sie diese nicht nutzen, solange nicht jeder davon profitieren kann. Nur bei den Zusammenkünften mit Kindern und Enkeln macht sie eine Ausnahme. Darauf habe sie zu lange verzichtet.