Werben l Es ist verkramt. „Meine Frau schimpft auch immer“, sagt Klaus-Peter Schirmer. Er weiß ja aber, wo er alles findet. In der kleinen Werkstatt oder in der großen Werkstatt oder irgendwo dazwischen. Am Ende ist wichtig, was herauskommt. Und das sind bei dem 63-Jährigen vor allem Lkw und Trecker. Schön glatt sind sie, da gibt‘s keine Macken, der Werbener nimmt sich Zeit. Er ist Erwerbsunfähigkeitsrentner, arbeitete zuletzt lange Jahre als Busfahrer, fuhr Klassen zur Klassenfahrt und Rentner auf Reisen. Manchmal war er mehr unterwegs als zu Hause – das ist nun vorbei.

„Drei-, viermal die Woche bin ich in der Werkstatt, aber dann den ganzen Tag, ich komme nur heraus, wenn meine Frau mich braucht.“ Am Werbener Schadewachten hat sich jemand am Holz festgebissen. Vielleicht, weil es damals nicht geklappt hat. Klaus-Peter Schirmer, der als Kind seinem Opa manchmal beim Handwerkeln geholfen hat, wollte gerne Tischler werden. „Aber das hat nicht geklappt, alles musste ja in die Landwirtschaft.“ Und so lernte Schirmer, der in Ueckermünde aufwuchs, Agrotechniker in Ferdinandshof (Mecklenburg-Vorpommern). Das hatte mit Holz nicht viel zu tun.

Als aber Schirmer mit seiner Frau nach Zwickau gezogen war „und sie unbedingt einen Raumteiler wollte“, musste er sich einen Plan machen – und wagte sich an einen Raumteiler aus Holz. „Sogar mit Springbrunnen und Licht.“ Da war die Leidenschaft fürs Tüfteln geweckt, „jedenfalls hat mir das Spaß gemacht“.

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1988 zog die Familie nach Werben, kaufte ein Haus und Schirmer wollte daran auch vieles selber machen, legte sich Werkzeuge zu. „Die Ständerbohrmaschine hab ich kurz vor der Wende gekauft, für 480 Ost-Mark, da könnt ich mich heut noch drüber ärgern.“ Andererseits funktioniere sie noch.

Aber Spielzeug? Auf Flohmärkten stieß dem Werbener irgendwann immer wieder welches ins Auge. Er studierte die Trecker und Lkw, kaufte sich auch mal ein Muster. „Das hab ich mir aus verschiedenen Quellen zusammengesucht.“ Die Kinder aus der Verwandtschaft und dem Bekanntenkreis freuten sich. Vor allem aber Schirmer selbst, der ein Hobby für sich entdeckt hat, das ihn manch große und kleinere Sorge fast vergessen lässt. Seine Werkstätten sind sein Reich, zwischen Dreh- und Drechselmaschine, Exzenterschleifer, Hobel und diversen Bohrmaschinen fühlt er sich wohl. „Am Anfang hab ich mir noch Billigkram gekauft, jetzt weiß ich, wer billig kauft, kauft doppelt.“

Als Holz benutzt Schirmer „Abfälle“ vom Tischler oder Material, das woanders übrig blieb, gerne massive Eiche. Die Kosten sollen aber möglichst gering bleiben. Achsen, Stichsägenblätter, Hobelmesser und Sonstiges seien schon teuer genug. Wenn Schirmer sein Spielzeug auf dem Biedermeier-Christmarkt Werben verkauft, und das macht er seit Längerem, müsste er eigentlich viel mehr Geld nehmen, damit sich der Aufwand lohnt.

Aber darum gehe es ja nicht nur. Klaus-Peter Schirmer hatte als Kind eher wenig Spielzeug, heute baut er sich so viel, wie er will.