Rossau l Die 2007 ursprünglich von der Agrargenossenschaft Ballerstedt in Betrieb genommene Biogasanlage soll unter anderem durch die Errichtung eines zusätzlichen Gärrestbehälters sowie eine Ausdehnung der Silovorfläche erweitert werden. So fassen sich die Überlegungen des aktuellen Betreibers der in Hohenberg-Krusemark ansässigen Biogasproduktion Altmark zusammen, die den Standort befähigen könnten, jährlich 2,59 Millionen Normkubikmeter Biogas zu erzeugen.

Gehen die Betreiberpläne auf, wird vor Ort aber auch mehr Biomasse benötigt als bisher. So soll sich das jährliche Kontingent der zu verwertenden Schweinegülle von derzeit 4500 Tonnen auf 5500 Tonnen erhöhen. Schon allein dieser Aspekt lässt in Rossau die Stirn der Ortspolitiker runzeln. „Denn schon jetzt geht von dem Objekt eine Geruchsbeeinträchtigung aus, die es nach den ursprünglichen Plänen eigentlich nie geben sollte“, erklärt Ortsbürgermeister Bernd Drong. Doch das ist nur ein Argument unter einer ganzen Handvoll an Gründen, die den Rossauer Ortschaftsrat am Montagabend dazu bewegen, einstimmig Stellung gegen das Vorhaben zu beziehen. So stößt es in Rossau bitter auf, dass der ländliche Weg zum Nachbarort Gladigau Schäden verzeichnet, die eben auch dem intensiven Zulieferverkehr zur dort gelegenen Biogasanlage geschuldet sein sollen. Mit einer Erweiterung des Standortes würde die Verkehrsbelastung des ländlichen Weges weiter zunehmen, „und uns stünden ganz sicher weitere Schäden ins Haus“, zeichnet sich für Drong eine Folge ab, die allein zu Lasten der Kommune gehen würde. „Um die Behebung der Schäden muss sich die Gemeinde kümmern, den Betreiber können wir dafür nicht zur Kasse bitten.“

Nicht vergessen haben die Rossauer zudem, dass Ausgleichsmaßnahmen, die mit der Inbetriebnahme des Biogaserzeugers verknüpft waren, nie in die Tat umgesetzt wurden. „Es war vereinbart, dass auf der Fläche zwischen der Anlage und dem ländlichen Weg Bäume angepflanzt werden sollten. Die hätten ganz sicher die Geruchsbeeinträchtigung vermindert und den Biogaserzeuger zudem ein Stück weit abgeschirmt“, sagt Drong. Doch die Bäume blieben Fehlanzeige, stattdessen ist nun ein Teilstück der für Anpflanzungen vorgesehenen Fläche sogar Bestandteil der Erweiterungspläne. Für Drong und die Rossauer Ortschaftsräte nicht nachvollziehbar, „zumal wir weiterhin auf die zugesagten Anpflanzungen bestehen“, betont der Bürgermeister. Und schiebt eine Frage an das Landesverwaltungsamt nach, dass die Anlage 2006 genehmigte: „Warum kontrolliet eigentlich niemand, ob vertragliche Vereinbarungen wie diese eingehalten werden?“

Neben den Kritikpunkten zu dieser Rossauer Anlage und ihrer Erweiterung, „die unserem Dorf überhaupt nichts bringt sondern, wie beim Fall etwaiger Straßenschäden, sogar noch Kosten verursacht“, begegnet Drong den Biogaserzeugern auch grundlegend mit Skepsis.

Schon der Blick nur wenige Kilometer über die Rossauer Gemarkung hinaus zeige auf, wie weit die Expansion der Anlagen mittlerweile vorangeschritten sei. „Gladigau und Krevese mit einbezogen, gibt es allein hier schon vier Biogasanlagen“, zählt er auf. Und das habe Konsequenzen. Immer mehr Monokulturen für die Biogasanlagen, „während zur gleichen Zeit hier ansässige Milchviehhalter um ihre Existenz bangen müssen, halte ich für eine fatale Entwicklung in unserer Landwirtschaft.

Zumindest bei der möglichen Erweiterung der westlich von Rossau gelegenen Anlage steuern Bürgermeister und Ortspolitiker nach Kräften gegen. Sie lehnten das Vorhaben am Montagabend ab. Und empfahlen der Kommune, den Betreiberplänen das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zu versagen. Darüber befindet morgen Abend der Osterburger Stadtrat. Sollten die Politiker die Argumente der Rossauer teilen und ihrer Empfehlung folgen, bedeutet das aber noch nicht das endgültige Aus für die Erweiterungspläne. Diese Entscheidung fällt im Landesverwaltungsamt, das den Erweiterungsantrag der Biogasproduktion Altmark prüft.