Laufsport

Aus Liebe zum Laufen: Paar aus Osterburg bekommt von sportlichen Abenteuern nicht genug

Wer von den Osterburger Lauffüchsen spricht, kommt an Bärbel Ziegenbein nicht vorbei. Ihre Sport-Abenteuer nahmen mit den Lauffüchsen ihren Anfang.

Von Astrid Mathis
Bärbel Ziegenbein zeigt den von vielen Stempeln ausgefüllten Pilgerpass des Jacobsweges. Insgesamt 800 Kilometer hat die Osterburgerin gemeinsam mit ihrem Mann Wulf auf dem Weg bewältigt.
Bärbel Ziegenbein zeigt den von vielen Stempeln ausgefüllten Pilgerpass des Jacobsweges. Insgesamt 800 Kilometer hat die Osterburgerin gemeinsam mit ihrem Mann Wulf auf dem Weg bewältigt. Foto: Astrid Mathis

Osterburg - 28 Jahre leitete Bärbel Ziegenbein die Landessportschule in Osterburg. Drei Jahre nach ihrem Einstieg bemerkte Bärbel Ziegenbeins Heizer Herbert Stagen trocken, sie sei ihrer sportlichen Ausbildung bisher noch nicht gerecht geworden und sollte einmal darüber nachdenken. Ein paar Wochen später klopfte er erneut an ihre Tür und erklärte, er habe sie beim 10-Kilometer-Pflaumenkuchenlauf in Gardelegen angemeldet. „Ich war entrüstet, wollte mir aber nicht die Blöße geben, abzulehnen“, blickt sie lächelnd zurück. Bisher war sie noch nie zehn Kilometer am Stück gelaufen. Fluchend bewältigte sie die Herausforderung und freute sich am Ende über das ordentliche Ergebnis. Die Hürde war genommen, der Anstoß durch Stagen gelungen. Wer zehn Mal die Erde umkreist hat wie er, kann sich das erlauben - einen sportlichen Schubs zu geben. 500 000 Kilometer sind auf Stagens DDR-Meilenkarten verzeichnet. Viele Jahre war er Mitglied des Rennsteiglaufvereins. Kein Wunder, dass er seine Chefin zum aktiven Sport motivieren wollte!

Kurz darauf gründete Bärbel Ziegenbein mit weniger als zehn Leuten die Sportgruppe „Osterburger Lauffüchse“, aus der sich mit Pit Krüger an der Spitze die Triathlonfüchse entwickelten und loslösten. Bis heute treffen sich die Läufer sonntags um 10 Uhr am Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion und drehen ihre sportliche Runde. An Ziegenbeins Seite stets Ehemann Wulf, der ihre Leidenschaft für das Laufen teilt. „Es geht wirklich bei jedem Wetter raus.“

1986 hatte die Sportschule den Namen des ehemaligen Kunstradsportlers Franz Zielasko erhalten. Im gleichen Jahr organisierten Laufgruppe und Mitarbeiter der Schule im November den Zielasko-Gedenklauf. 1991 wurde der von den Lauffüchsen initiierte Gedenklauf in Altmarklauf umbenannt. Beim zehnten Osterburger Altmarklauf gab kein anderer als Radsportlegende Täve Schur den Startschuss. Silvesterlauf, Osterlauf, aber auch für 17 Jahre das Arendsee-Schwimmen bestimmten den Kalender von Bärbel Ziegenbein. „Nach 30 Jahren übernahm Kersten Friedrich den Altmarklauf. Er hat mit den Triathlonfüchsen noch viel vor. Das freut mich. Es geht weiter“, zieht sie Bilanz. „Nur für das Arendsee-Schwimmen konnte kein Nachfolger gefunden werden.“

Kaum zu glauben, doch Bärbel und Wulf Ziegenbein hatten und haben noch ein Leben neben den Lauffüchsen, verrät das Ehepaar schmunzelnd.

Zwischen den Terminen in und um Osterburg ging es privat auf Reisen mit sportlichen Aktivitäten, zum Ramseslauf und Marathon in Ägypten, anschließend auf den Kilimandscharo, 1999/2000 zum Milleniumslauf nach Hamilton in Neuseeland, fünf Mal zum Zugspitzlauf. Beim letzten im Jahr 2008 erlebten sie das schlimmste Abenteuer: plötzlicher Wetterumschwung, in Müllsäcke eingewickelt, um sich gegen den Wind (120 km/h) und die Kälte zu schützen und trotzdem fast eingefroren – ein Überlebenskampf, der Tote und Verletzte zur Folge hatte. „Nie wieder Zugspitzlauf“ waren sich die Osterburger einig. Daraufhin nahmen sie den Großglockner in Angriff, den höchsten Berg Österreichs. Beim Großglockner 2013 bekam Bärbel Ziegenbein sogar erst nach dem Abstieg mit, dass sie ja die Siegertorte geholt hatte. Mit 65!

Ja, auch die 800 Kilometer Jacobsweg haben Wulf und Bärbel Ziegenbein 2014 noch geschafft. Von San Jean Pied de Port ging es über die Pyrenäen durch große Städte wie Pamplona und Burgos bis nach Santiago de Compostella. Auf die Urkunde ist das Ehepaar besonders stolz. Um sie in lateinischer Sprache zu bekommen, schummelten Ziegenbeins ein bisschen mit der Religion. „Das hat aber nie einer kontrolliert“, bemerkt Wulf Ziegenbein schmunzelnd.

Anschließend folgte eine Alpenwanderung von Oberstdorf nach Meran. „Unsere letzte Aktion war 2019 unsere goldene Hochzeitsreise nach Costa Rica zu meiner Nichte, die auch Sport studiert hat und dort eine Surfschule leitet“, erzählt die rüstige Rentnerin. „Wir sind auf den höchsten Berg namens Chirripó hoch, 2840 Meter, in zwei Tagen gut 40 Kilometer. Dazwischen der Berg, alles ansteigend.“

Heute läuft das Ehepaar regelmäßig durch den Osterburger Wald und gern um den Arendsee. Das nächste große Abenteuer ist noch in Planung. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Ihre Söhne gehen ihrer Sportleidenschaft außerhalb der Altmark nach: Falk ist in Augsburg zu Hause und tourt mit dem Mountainbike durch die Alpen, wenn er nicht gerade Kraftsport macht. Immo lebt in Stuttgart und ist Ausdauersportler.

Die sportliche Zukunft der Enkelkinder steht noch nicht fest, bemerkt die 73-Jährige augenzwinkernd, die seit über 37 Jahren die Geschicke der Laufgruppe leitet. Und sie fügt hinzu: „Ich war immer motiviert. Solange man Freude an der Bewegung hat, wird man nicht alt. Ich sage immer: Wer rastet, der rostet, lese viel und achte auf gesunde Ernährung, damit es uns gut geht.“

Diese Urkunde erinnert an die Teilnahme am Milleniumslauf im neuseeländischen Hamilton.
Diese Urkunde erinnert an die Teilnahme am Milleniumslauf im neuseeländischen Hamilton.
Foto: Astrid Mathis